Auf der Windschutzscheibe zerschellte Insekten fallen sofort ins Auge. Nur der geschulte Blick von auf höchster Reinlichkeit am Auto bedachter Menschen nimmt jedoch welche an der Fahrzeugfront sofort nach dem Aussteigen wahr. Der Reflex „Die müssen weg“ lässt sie dann in vielen Fällen zum Fliegenschwamm greifen, den beispielsweise Tankstellen in den Putzeimern und auch Regalen bereithalten. Der Fliegenschwamm ist ein Utensil aus dem Umfeld, zu dem Graphitstaub zur Schmierung von Türschlössern und Hirschtalg gegen festfrierende Türdichtungen gehören. Alle diese Dinge haben die technische Weiterentwicklung unangefochten überlebt. Die Materialien moderner Türschlösser reagieren auf Graphit gern allergisch und Leder findet sich höchstens als Sitzbezug, aber längst nicht mehr in Dichtungen. Und was ist mit dem Fliegenschwamm?

Profis für Fahrzeugaufbereitung sagen, er sei sogar für Glas ungeeignet, weil er harte Stoffe aus Schmutz und eben auch den Chitinpanzern der Insekten nicht aufnimmt. Stattdessen bildet er daraus eine Art Schleifmittel, das selbst auf modernen Autoscheiben Spuren hinterlassen kann. Erst recht trifft das auf lackierte Fläche zu. Und mit Lack haben wir es auch beim Scheinwerfer zu tun. Die Abschlussscheiben sind nämlich höchstens noch bei Oldtimern aus Glas und heißen dort Streuscheiben. Heute bestehen sie aus dem Kunststoff Polycarbonat. Was die meisten nicht wissen: Sie sind mit einer dünnen, durchsichtigen Lackschicht überzogen. Diese mag Fliegenschwämme genauso wenig wie der Autolack.

Alternative Mikrofasertuch

Was, aber, nimmt man statt des gar nicht guten, alten Fliegenschwamms? Profis empfehlen ein Mikrofasertuch und reichlich Wasser. Letzteres sollte schon vor dem Wischen die Insekten und eventuellen Schmutz aufweichen. Ein paar Minuten Einwirkzeit ist also gut. In diesem Zusammenhang raten die Experten noch von einem weiteren „guten Rat“ aus der Mottenkiste mit veralteten Autotipps ab: Eine eingeweichte Zeitung auf die kontaminierten Flächen legen. Das hat vielleicht noch vor Jahrzehnten mit einerseits den damaligen Lacken und andererseits mit längst nicht mehr verwendeten Druckfarben geholfen. Heute hinterlässt diese Methode ganze spiegelschriftliche Texte auf Lack und Scheinwerfern – zusätzlich zu den Insekten.

Insgesamt lautet also die Empfehlung, beim Entfernen von Insektenresten auf Scheinwerfern schonend und mit Bedacht vorzugehen. Also eher den Anblick der hässlichen Treffer etwas länger zu ertragen, als mit schnellem Rubbeln Schaden anzurichten. Dem Licht und der Lichtverteilung schadet die „Kontamination“ jedenfalls weniger, als eine vom vielen Wienern getrübte Abschlussscheibe.

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