Betriebsanleitungen können Verräter sein. Weil Informationen zum Wechsel von Glühlampen vorgeschrieben sind, müssen Handbücher die geben, wenn das Auto eigentlich laut Prospekt „LED-Rückleuchten hat“, darin aber auch auswechselbare Lampen stecken. Eine solche sogenannte Hybrid-Bestückung mag enttäuschend sein; ein Grund für große Aufregung ist sie nicht. Merkwürdig wäre nur, würde der Hersteller „Voll-LED-Rückleuchten“ anpreisen und dann noch in bestimmten Funktionen Wolfram einsetzen, wie es Lichtspezialisten in ihrer Sprache ausdrücken. Wolfram ist das Metall aus dem die Glühwendel besteht.

 

Regelmäßig sprechen die Hersteller aber in solchen Fällen von „LED-Rücklicht“ und entsprechendem Bremslicht. Und hier haben wir auch gleich die wichtigsten Anwendungen von LEDs in Rückleuchten. Darin sind sie besonders wertvoll. Im Bremslicht verschaffen die leuchtenden Halbleiter dem nachfolgenden Verkehr rund eine Viertelsekunde mehr Reaktionszeit. So lang dauert es nämlich, bis eine Glühlampe ihre volle Helligkeit erreicht hat. LEDs sind sofort da. Im Rücklicht punkten sie mit ihrer Lebensdauer, die in der Regel die des Autos übersteigt.

 

Sonderfall Blinker

Beide Vorteile sind nebensächlich, wenn es sich um die Nebelschlussleuchte handelt. Die kommt – wenn überhaupt – nur auf ein paar Einsatzstunden in einem Autoleben. Die Rückfahrleuchten sind höchstwahrscheinlich öfter in Betrieb. Dennoch dürften auch sie eine Glühlampe nie an das Ende ihrer Lebensdauer bringen. Bleiben die Blinker. Außer in Autos von notorischen Blinkmuffeln kommen sie durchaus auf Betriebsstunden und der Einsatz von LEDs könnte auch in dieser Anwendung für Wartungsfreiheit sorgen. Aber im Fall der orangen Lichter kommt ein technischer Grund ins Spiel. Für die Blinker ist nämlich per Gesetz eine Funktionsüberwachung vorgeschrieben. Ein oder zwei grüne Lampen müssen im Cockpit anzeigen, dass es außen blinkt. Und solch eine Überwachung lässt sich mit den vergleichsweise hohen Strömen der Glühlampen einfach realisieren. LEDs benötigen dafür eine aufwendigere Elektronik. Natürlich kostet die nicht die Welt, aber bei den Kosten rechnen die Autofirmen mit jedem Cent.

 

„Restmengen“ von Glühlampen in LED-Leuchten sind vielleicht ein Schönheitsfehler; ein echtes Problem sind sie nicht. Und ein Grund zur Beschwerde wäre nur, wenn der Autohersteller eben zu vollmundig „Voll-LED“ versprochen hätte. Für weitgehende Wartungsfreiheit beim Blinker können übrigens Longlife-Lampen sorgen. Die Ultra Life von Osram wird in Blinkleuchten wahrscheinlich nie wieder nach einem Austausch rufen.

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