Vielfach ist es gar nicht so leicht, einen Lampenausfall zu bemerken. Zwar überwachen viele Autos inzwischen die meisten Leuchten und Scheinwerfer, aber nicht alle. Bei Nacht bemerken aufmerksame Autofahrer das Durchbrennen einer Scheinwerferlampe an ihrem kurzen Aufblitzen vor dem Ende. Mit geschärftem Blick für das Licht versehene Menschen sehen, dass Licht fehlt. Kaputte Blinker werden durch doppelt so schnelles Blinken der Kontrolllampe im Cockpit angezeigt. Aber es gibt eine ganze Reihe von Lichtfunktionen, deren ihre Weigerung zu leuchten nicht sofort ins Auge sticht. Längere Zeit so herumzufahren ist auf jeden Fall verboten.

Da stellt sich doch unmittelbar die Frage, wie denn mit einem plötzlich auftretenden Lampenausfall umzugehen ist. Der so genannte Gesetzgeber lässt sich in den einschlägigen deutschen Vorschriften dazu nicht allgemein verständlich aus. Klar ist, dass bei Beginn einer Fahrt alle Leuchten und Scheinwerfer in Ordnung sein müssen. In der Fahrschule wird mit dem Brustton der Überzeugung gemahnt, vor jedem Start doch bitte alle Lichter zu kontrollieren. In der Praxis machen das nicht einmal Fahrlehrer. Und was ist, wenn eine Lampe unterwegs ausfällt? Wenig sinnvoll ist das Anhalten auf der Standspur einer Autobahn oder einer engen Landstraße zum Lampenwechsel. Ein Parkplatz sollte es schon sein.

„Unverzüglich“ heißt nicht „sofort“

Tief in den juristischen Kommentaren zur Straßenverkehrsordnung (StVO) und ihrer Schwester, der in Sachen Licht weitgehend überholten Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) findet sich die Ansicht, dass der Austausch „zumutbar“ sein müsse. Und das gilt nach Ansicht vernünftiger Juristen auch für die Frage, ob der Fahrer die Aktion überhaupt stemmt. Schließlich gibt es Menschen, die schon mit dem Wechsel einer Kugelschreibermine überfordert sind. Ganz klar sollte niemand ohne Fachkenntnisse versuchen, eine Xenonlampe unterwegs zu tauschen. Xenonscheinwerfer arbeiten mit mehreren zehntausend Volt Zündspannung. Fehler können lebensgefährlich sein.

In vielen, wenn nicht den meisten Fällen wird es darauf hinauslaufen, die nächste Werkstatt, den eigenen Hof oder einem anderen geeigneten Ort für den Lampenwechsel anzusteuern. Dabei muss allerdings beispielsweise das Positionslicht auf der Seite des ausgefallenen Scheinwerfers intakt sein. Leider sind vermehrt Autos unterwegs, deren voll-blinde Scheinwerfer ein entgegenkommendes Motorrad vorspiegeln. Das ist gemeingefährlich. Tipp: Zur Not ersetzen Nebelscheinwerfer für eine kurze Zeit das Positionslicht.

Alles andere als ein Kavaliersdelikt ist es auch, lang mit einer defekten Blinklampe herumzufahren. Wer einen solchen Fehler nicht „unverzüglich“ behebt, handelt vorsätzlich. Das gilt auch, wenn das Auto für weitere Lichtfunktionen eine Glühfadenüberwachung samt Kontrolllampe hat und diese leuchtet. „Unverzüglich“ ist eine Lieblingsformulierung von Juristen, die nicht unbedingt „sofort“ bedeutet, sondern eben bei der nächsten Gelegenheit. Das ist kein Freibrief dafür, beispielsweise noch eine ganze Urlaubsreise mit kaputtem Licht zu unternehmen, weil man den Wechsel dem heimischen Schrauber überlassen möchte.

Andererseits zeigt dieses Beispiel, wie sinnvoll ein Ersatzlampenkästchen ist. Mit der passenden Lampe an Bord, kann der Autofahrer selbst, ein freundlicher Helfer oder eine Werkstatt ein Lichtproblem unterwegs lösen.

Eine neue Scheinwerferlampe sollte übrigens bei nächster Gelegenheit die Kontrolle der Scheinwerfereinstellung nach sich ziehen. Jetzt, im Oktober, ist das in den Werkstätten im Rahmen der Lichttestwochen sogar kostenlos.

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