Ergraute Haare gelten mitunter als Zeichen der Weisheit und Weitsichtigkeit. Anders ist das Grau der Abschlussscheibe eines Autoscheinwerfers zu sehen. Mit der weiten Sicht ist es dann nicht mehr weit her. Der Grauschleier kostet nicht nur etwas Licht. Das wäre noch zu verschmerzen. Die milchige Oberfläche wirkt auch als Diffusor, bricht also das Licht. Der Scheinwerfer leuchtet nicht mehr in die ihm eigentlich zugewiesene Richtung. An den wichtigen Stellen der Straße kommt weniger Licht an und an unerwünschten dafür mehr. Blendung ist die Folge.

Ergebnis eines Putzfimmels

Wieso, aber, werden die Abschlussscheiben von Scheinwerfern überhaupt stumpf, grau oder anderweitig verfärbt? Dafür gibt es einige wenige natürliche Ursachen. Feiner Sand ist in Verbindung mit Wind ein wirksames Schleifmittel, dessen Untaten an Scheinwerfern der Urlauber auf trockenen Atlantikinseln gut beobachten kann. Das dort ebenfalls vom Winde verwehte Meersalz tut vermutlich ein Übriges. Ausgedehnte und häufige Fahrten auf staubigen Straßen und Wegen sind also für Scheinwerfer nicht gut.

Große Sorgen sind in dieser Beziehung aber nicht angebracht, denn die weitaus bedeutendere Ursache für verschlissene Abschlussscheiben sind eine übermäßige Reinigung und falsch verstandene Pflege. So mancher meint, dass das Licht aus dem Scheinwerfer durch eine Glasscheibe fällt. Und Glas sei ja so hart, dass es auch Fliegenschwämme und andere aggressive Reinigungsmethoden übersteht. Das war einmal. Heutige Autos haben allesamt Scheinwerfer mit Abschlussscheiben aus dem Kunststoff Polykarbonat. Er ist übrigens nicht dem Geiz von Autoherstellern zuzuschreiben, sondern dem Fußgängerschutz bei Unfällen. Polykarbonat splittert nicht. Es ist sogar teurer als Glas. Selten ist auch das Wissen, dass die Kunststoffscheiben zusätzlich mit einem Lack überzogen sind. Und dem bekommen rüde Putzriten schlecht. Er ist weicher als Autolack und übliche Politur setzt ihm bereits zu. Ein paar falsche Behandlungen und der Lack ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ab. Zwar wirkt der Scheinwerfer nach einer Behandlung damit erst einmal porentief rein und hochglänzend. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich jedoch ein zunächst nur mattes, später zunehmend gräuliches Äußeres. Das ist etwa so wie eine Metallic-Lackierung, die über keinen Decklack mehr verfügt. Im Fall des Scheinwerfers fehlt aber nicht nur der Glanz, sondern auch der UV-Schutz, den die Lackschicht bietet. Sonnenlicht kann nacktes Polykarbonat ungefiltert angreifen.

Wer in Internetforen nach Hilfe ruft, bekommt reichlich Tipps. Gern empfohlen wird das Polieren mit Backpulver. Andere schwören auf Zahnpasta. Karies wird das Auto nach der Behandlung sicher nicht bekommen und ob Fluorverbindungen dem Scheinwerfer schaden, harrt noch der Erforschung. Sicher ist aber, dass Zahnschmelz viel härter ist als Lack und Polykarbonat. Die Schleifmittel der Zahnpasta gehen an Letztere zu stark heran. Kurzum, alle Poliermethoden verschlimmern die Sache auf Dauer nur.

Weniger ist mehr

Es mit der makellosen Sauberkeit an der Fahrzeugfront nicht zu ernst zu nehmen, ist also ein guter Plan, um Scheinwerfer und Licht in auskömmlichem Zustand zu halten. Wer dennoch wienern will, sollte tunlichst ein weiches Tuch und gewöhnliches Autoshampoo einsetzen. Selbst einfaches Spülmittel tut es. Etwas Aufmerksamkeit bei Reinigungsmitteln ist auch angebracht, wenn das Auto eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage hat. Zusätze zum Waschwasser und Frostschutz sollten speziell für Polykarbonat geeignet sein. Gut, wenn die Verpackung es vermerkt.

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder