Die „Wanne“ ist voll … ouh, ouh, ouh …

Auch wer sich nicht mehr an das schlimme Duett von Helga Feddersen und Dieter Hallervorden aus den späten 70ern erinnern kann, hat so eine Assoziation beim Anblick eines Buick Riviera „Boattail“. Die dritte Generation des amerikanischen Luxuscoupés wird gehasst oder geliebt, Graustufen gibt es keine. Dann auch gleich richtig reinkloppen, dachte sich Gordon Tismer und kaufte einen in Weiß/Gelb, tiefergelegt und mit markanten Felgen. Normal – ist für die anderen. Wir stellen euch jetzt hin und wieder Petrol Heads aus der Szene vor, Tuner, Finisher und Liebhaber. Alle eint sie die Passion Auto und alle haben sie ihre Schätze auf besondere Art veredelt. Für euch zur Inspiration, die Szene ist riesengroß und die Varianten sind spannend, schräg und meistens handwerklich meisterhaft umgesetzt!

Blind gekauft und sofort geliebt

Gordon Tismer kauft sich vor jedem Urlaub in den Staaten ein interessantes Auto, das er dann unterwegs auf den Highways kennenlernen und bei dem er abchecken kann, ob sich eine Überführung nach Deutschland lohnt. So ist er mobil und hat gleichzeitig die Option der anschließenden Verschiffung. Außerdem kann er direkt vor Ort Kleinigkeiten reparieren und die da drüben sehr preiswerten Teile kaufen. Sein letzter Fang ist ein 1972er Buick Riviera, sehr abgefahrene zweifarbige Lackierung, sehr abgefahrene große chromige Felgen, sehr abgefahrene Tieferlegung. Der Deal war per Sofortkauf bei ebay USA klargemacht, einzige Bedingung: Der Vorbesitzer muss den 48 Jahre alten Maschinenbauer aus Heilbad Heiligenstadt mit dem Auto direkt am Flughafen abholen. Probefahrt okay, Geld auf die Hand. Ungewöhnlich mutig, aber kann man so machen. Gordon fährt mit seinem neuen, geliebten Baby auf eine Tour durch mehrere Bundesstaaten!

Die Eskalation der Dimensionen

Chefdesigner Bill Mitchell sollte in den frühen 60ern das neue „Personal Luxury Car“ ursprünglich als Nachfolger des Cadillac La Salle entwerfen, was aber aus Kapazitätsgründen nicht möglich war. Cadillac hatte zu viel zu tun. Also bekam Buick den Wagen, indirekt als Antwort auf den viersitzigen Ford Thunderbird. GM schielte mit dem Design auch ein wenig auf den europäischen Markt und bot in seinen Werbeanzeigen das sportliche, schlanke Coupé als eine Symbiose aus Rolls-Royce und Ferrari an. In den 70ern eskalierten die Dimensionen, wie bekannt. Geklebte Front- und Heckscheiben, diverse verklebte Karosserieteile und Türen mit rahmenlosen Scheiben waren aber für kommende Fahrzeuggenerationen richtungsweisend und brachten dem Riviera gleich eine ganze Reihe Designpreise ein. Das markante, spitz zulaufende Heck sollte an die klassischen Roadster der 30er-Jahre erinnern und brachte dem über 5,5 Meter langen und über zwei Meter breiten Schiff den Spitznamen „Boattail“ ein. Der 7,5-Liter-V8 lieferte in der GS-Version sündige 330 SAE-PS, die Wanne verkaufte sich trotz sehr auseinandergehender Design-Kritiken immerhin mehr als 100.000 Mal. Danach wurden die Rivieras erst kleiner, dann belanglos und dann hässlich. Das hat Bill Mitchell zum Glück weitestgehend nicht mehr erleben müssen. Nach 1998 ließ man es dann mit dem Modell lieber bleiben.

Das tief liegende, lauernde Boot

In so einem tiefen und dadurch ungewöhnlich straffen US-Kahn aus den 70ern wird jede Fahrt direkt zu einem kleinen Roadmovie. Die über den Hebel am kleinen Holzlenkrad geschaltete TH400-Automatik legt die Fahrstufen geschmeidig ein, sodass das wuchtige Kraftwerk unter der langen Haube fast immer im selben niedrigen Drehzahlbereich schaufelt. Die Abwärme wird unter dem Buick rausgedrückt und paart sich mit dem warmen Asphalt im westlichen Thüringen. Kein Unterfahrschutz hält sie auf, keine Kapselung verhindert den akustischen Genuss.

Optisch wie technisch ist der Buick mit seinem zweifarbigen Lack und den Felgen ein perfekter Leckerbissen. Alles ist stimmig und deutet die Kraft an, die unter der Haube lauert. Und wer meint, ein altes Ami-Schiff taugt nicht als „Sportwagen“… der kann sich mit Gordon gern mal auf der Quartermile treffen. Viel Erfolg.

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