Auf einem Auge blind?

Xenonlicht im Auto ist nun wahrhaftig nichts Neues mehr. Obwohl LED-Technologie inzwischen in allen Fahrzeugklassen das Maß der Dinge wird und Lasertechnik bei Fernscheinwerfern zur Unterstützung eingesetzt wird, fahren aber immer noch die meisten Autos auf diesem Planeten mit Halogenlampen durch die Nacht. Kommt daher vielleicht eine gewisse „Grundangst“ vor dem Xenonlicht? Oder halten viele Abstand, weil sie Respekt vor der Technologie und der Hochspannung haben? Scheuen sie gar die Kosten? Ich habe mir aus gegebenem Anlass einmal die „Brenner“ einer sehr frühen Xenon-Generation vorgenommen. Die D2R Brenner aus einer W 210 E-Klasse (Sondermodell „Avantgarde“) sind schon sehr, sehr alt und der rechte schummert nur noch gelblich vor sich hin.

Brenner sterben langsam

Die D2R Brenner sind die zweite Generation von Gasentladungslampen (das D steht für „discharge“) in Reflektorscheinwerfern (daher das R). Anders als bei Halogenlampen leuchtet in einem Xenonbrenner kein Glühfaden, sondern es wird zwischen zwei Elektroden über eine Hochspannung ein Lichtbogen „gezündet“. Die Zündspannung beträgt um die

20.000 Volt, im späteren Betrieb werden die meisten Lampen aber nur noch mit einer Leistung von 35 Watt versorgt. Das reicht trotzdem für einen deutlich helleren Lichtstrom (ca. 3.200 lm gegenüber maximal 1.500 lm bei einer H7 Lampe). Auch übertrifft die Lebensdauer einer Xenon-Lampe mit 2.000 Stunden die einer Halogenlampe durchschnittlich um das Vierfache. Aber unsterblich sind auch Xenonbrenner nicht, selbst 2.000 Stunden sind irgendwann einmal verstrichen. Allerdings verabschieden sie sich nicht wie ihre Halogen-Kollegen mit einem kleinen Knall und folgender Dunkelheit – sie verlieren langsam an Leuchtkraft und ändern ihre Farbe. Wenn ihr euch also einmal vor euer Auto stellt und bemerkt, dass einer der beiden Scheinwerfer trübe und gelblich wirkt, dann ist es langsam einmal Zeit für einen Brennerwechsel.

Sollte nicht, kann aber.

Ob man das selbst vornimmt, hängt ganz vom Typ des Scheinwerfers und den eigenen schraubenden Fähigkeiten ab. Während eine Halogenlampe bei den meisten Fahrzeugtypen auch von einem absoluten Laien innerhalb weniger Minuten gewechselt werden kann, sollte man generell von Xenonbrennern die fachfremden Finger lassen. Einerseits besteht durch die vom vorgeschalteten Zündgerät gelieferte Hochspannung eine Gefahr, die auch auf den Komponenten mit einem schwarzen Blitz auf einem gelben Dreieck gekennzeichnet wird. Weiterhin können die etwas aufwändigeren Stecker leicht abbrechen, und durch zu viel „sanfte Gewalt“ sitzt ein neuer Brenner auch gern einmal schief im Reflektor drin. Bei dem alten Mercedes ist alles relativ gut zu erreichen und auch einfach zu zerlegen. Deshalb habe ich euch einmal die „ausgebrannte“ Lampe rausgeholt und vergleiche sie einmal auch äußerlich mit einer neuen von Osram.

 

Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Der alte Brenner hat es tatsächlich sichtbar hinter sich. Mein Kollege Fritz hat in einem seiner Artikel  auch einmal den Verlust an Helligkeit beschrieben. Denn unsere Augen gewöhnen sich sehr gut an Mängel, und dass da vorn die Scheinwerfer nur noch lustlos vor sich hinfunzeln, fällt erst auf, wenn ein neuer Brenner seine Arbeit verrichtet. Dann ist plötzlich alles wieder taghell! Wer also kein Risiko der unterschiedlichen Lichtfarben eingehen will (denn so teuer sind Xenonbrenner  gar nicht mehr), der wechselt lieber gleich alle beide, wie es auch empfohlen wird. Anschließend hat man wieder 2.000 beleuchtete Stunden Ruhe, das rechtfertigt auch die Fahrt zur freundlichen Fachwerkstatt, in der man gleich das Licht einstellen lassen kann. Oder, wer sich nicht selbst an die Lampen heranwagt, wo man die neuen Brenner einbauen lassen kann. Auf dass es ein schöner, heller Herbst werde!

 

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