Es ist noch nicht so lange her, da verbreiteten Automobilclubs und Medien einen unsinnigen Wert für den Mehrverbrauch durch Fahren mit Licht. Einen halben Liter pro hundert Kilometer  würde das ausmachen. Den Gegnern des Tagfahrlichts war das Wasser auf die Mühlen und manche waren schnell dabei mit der Umrechnung in Megatonnen CO₂. Doch bringt der Verzicht auf Licht wirklich eine Ersparnis?

Ja. Aber nur in der Theorie und rein rechnerisch. Natürlich brauchen Scheinwerfer und Leuchten Energie und die ist nicht kostenlos. Die gegenteilige Annahme, dass die „Lichtmaschine“ ohnehin ständig mitliefe und dass zusätzlicher Stromverbrauch keinen Unterschied mache, ist übrigens ebenso falsch. Der Generator – so heißt der Stromerzeuger im Auto nun mal – entnimmt dem Motor durchaus unterschiedlich viel Leistung.

Maximal 150 Watt

Doch wie viel er für das Licht auch immer aufnimmt: Es ist wenig. Ein paar Zahlen mögen das verdeutlichen. Zwei Halogenscheinwerfer benötigen 110 Watt. Dazu kommen noch 30 bis 40 Watt fürs Standlicht und auch das nur, falls das Auto noch mit konventionellen Glühlampen und nicht mit LEDs bestückt ist. Xenonlicht braucht weniger, weil jeder Scheinwerfer nur 40 Watt konsumiert. LED würde in einer vergleichbaren Größe liegen, aber auch nur theoretisch. Entsprechend ausgerüstete Autos haben in aller Regel ja Tagfahrleuchten, deren Verbrauch unter 20 Watt liegt.

Aber rechnen wir mal großzügig mit 150 Watt. Kaum ein Motor hat heute noch unter 50 Kilowatt, also 50.000 Watt. Bei konstanter Fahrt auf ebener Straße mit 50 Kilometern pro Stunde benötigt ein Auto der Golfklasse davon rund fünf Kilowatt, also 5.000 Watt. Schon da fallen 150 praktisch nicht ins Gewicht. Und mit den fünf Kilowatt ist es in der Praxis natürlich nicht getan. Straßen sind nicht immer eben und mit konstanter Geschwindigkeit lassen sie sich praktisch nie befahren. Von unnötig starkem Beschleunigen und hohen Geschwindigkeiten gar nicht zu reden.

Andere Verbraucher kosten viel mehr

Dazu kommt, dass es neben dem für das reine Vorwärtskommen noch eine ganze Menge andere Energiefresser im Auto gibt. Nein, die oft gescholtene Stereoanlage ist es auch nicht. Ihr Verbrauch kann durchaus mit dem des Lichts verglichen werden. Wer die jetzt zeitgleich mit den hohen Spritpreisen herrschenden Temperaturrekorde mit der Klimaanlage auf erträgliches Niveau reduziert, setzt dafür zwischen zwei und fünf Kilowatt ein. Also weit mehr als das Zehnfache des Bedarfs für das Licht. Die Motorkühlung mit einem elektrischen Lüfter schlägt bei der Sommerhitze mit 500 bis 800 Watt zu Buche. Kälte spart auch nicht viel, denn dann brauchen die heizbare Heckscheibe und das Heizgebläse zusammen nicht selten ein Kilowatt.

Seriöse Berechnungen gehen davon aus, dass selbst volles Abblendlicht aus Halogenscheinwerfern nicht mehr als 0,15 Liter pro 100 Kilometer  kostet. In der Regel liegt das unterhalb der bemerkbaren Grenze. Weit größeren Einfluss hat übrigens der korrekte Luftdruck in den Reifen. Ist zu wenig darin, erhöht sich der Rollwiderstand deutlich.

Das Licht kann also auch am Tag eingeschaltet bleiben, wenn es das Auto nicht automatisch tut.

 

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