Wo kommt man noch selbst ran?

Glühlampen von Fern- und Abblendlicht wechseln. Was noch in den 70ern der freundliche Tankwart gemacht hat, machte man später am liebsten selbst. Der Selbstschrauber wird allerdings immer mehr entmündigt, je neuer die Autos werden. Das kann man mögen (weil der Lampenwechsel auch selbstverzapfte Fehler beinhaltet), das kann man aber auch nicht so schön finden. Denn wer hier und da selbst Hand an sein Auto legt, hat einen guten Überblick, wie es dem kleinen vierrädrigen Freund so geht. Von vorn sind uns viele Scheinwerfer der Autos aus dem Alltag bekannt. Von hinten aber nur wenige. Wir zeigen euch in dieser Serie ein paar Beispiele, von der schon fast historischen H4-Konstruktion bis hin zu den ersten Xenon-Lampen. Heute wechseln wir an einem Ford aus den 90ern das Abblendlicht und das Fernlicht, beides sind H1-Lampen.

Erst Platz schaffen, dann rankommen

Je neuer und kompakter Autos in ihrer Bauweise sind, desto mehr Tricks und Kniffe müssen angewendet werden, um mit dem Werkzeug alle Baugruppen zu erreichen. Bei unserem Testobjekt (ja – es ist schon wieder der so heftig polarisierende Scorpio) ist Platz zum Glück noch kein Problem. In der Mittel- und Oberklasse der 90er-Jahre war noch nicht alles mit Steuergeräten und elektronischen Helferchen vollgestopft, sodass man hier (und auch beim Mondeo, Escort und Fiesta) ganz gut an die Rückseiten der Scheinwerfer herankommt. Vielleicht muss ein Wischwaschbehälter ausgehängt oder eine Ansaugleitung abgeschraubt werden, aber das war es dann auch schon. Wer sich diese Kleinigkeiten „gönnt“ und nicht aus vermeintlicher Zeitersparnis versucht, um drei Ecken mit der Hand doch noch die Lampen zu erreichen, kann sich nach 30 Minuten glücklich und erfolgreich die Hände waschen. Der Deckel hinter dem Scheinwerfer ist schnell abgeklappt und herausgeholt (Vorsicht im Winter – Kunststoff bricht bei Kälte leichter) und die beiden getrennten Halogenlampen für Abblendlicht und Fernlicht liegen frei.

Nur nicht den Glaskörper berühren!

Mit einigermaßen geschickten Fingern lässt sich der kleine Stecker von den Lampen abziehen und die Lampe selbst nach Entriegelung nach hinten herausziehen. Vorsicht. Wenn gerade noch das Licht eingeschaltet war und die Lampen „auf Verdacht“ getauscht oder gegen hochwertigere Produkte von Osram ersetzt werden, können die wirklich verdammt heiß sein. Sowohl Fernlicht (hier unten) als auch Abblendlicht (hier oben) sind H1-Halogenlampen. Sie haben am Sockel eine Abschrägung und lassen sich nicht falsch einsetzen, solange man keine rohe Gewalt anwendet. Wichtig ist, dass mindestens bei der neuen Lampe der Glaskörper nicht mit den Fingern berührt wird, egal ob die sauber oder schmutzig sind. Check:

  • Lampen passgenau eingesetzt?
  • Drahtbügel richtig und sicher verriegelt?
  • Alle Stecker wieder drauf?
  • Massekabel noch am Platz?
  • Deckel wieder fest und sauber eingerastet?

 

Dann sind wir im Prinzip schon fertig.

Alles so hell hier!

Ich persönlich habe in den letzten 30 Minuten einiges gelernt. Zum Beispiel, dass ich kein modernes Kompaktfahrzeug haben möchte und mit meinen mittelalten Kähnen sehr glücklich bin, was die Schrauberfreundlichkeit betrifft. Dann, dass Vorbesitzer nicht immer 100 % legal unterwegs sind. In den Fernscheinwerfern steckten in Deutschland verbotene 100-W-Lampen. Die habe ich mal fein gegen völlig legale Osram H1 Nightbreaker Unlimited ausgetauscht. Gefühlt sind die sogar noch heller, hihi … Und – nun leuchten auch beide Seiten wieder gleich farbig und sehr hell. Das hat sich gelohnt. Und auch wenn alle über dieses Auto lachen, wir sprechen uns wieder, wenn es um selbst durchgeführte Reparaturen geht. Ich wünsche euch allen jedenfalls einen erfolgreichen Lampenwechsel!

H1 Lampen
Deckel ab, Wischwasch weg. Muss nicht, schafft aber Platz.

 

H1 Lampe
Die H1-Lampe fürs Abblendlicht. Klein, nur ein Stecker.

 

H1 Lampe
Fernlicht, weiter unten und auch H1.

 

H1 Lampe
Fragwürdiges Design, aber nun leuchtet es wieder hell.

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  • Toller Experte!

    Es fehlt der wichtige Hinweis, nach einem Lampenwechsel unbedingt die Scheinwerfereinstellung zu prüfen.

    Außerdem ist ein Lampenwechsel längst kein Problem mehr, weil seit Erstzulassung 2006 ein solcher ohne Werkzeug mit Bordmitteln möglich sein muss.

    Liest das hier überhaupt jemand von Osram gegen?

    MfG!

    HCT

    • Moin Herr Thiele,
      irgend jemand weiß es ja oft besser als man selbst, deshalb vielen Dank für Ihren freundlichen Hinweis. Allerdings ist eine Überprüfung der Scheinwerfereinstellung zwar empfehlenswert, aber nicht unbedingt nötig, wenn man nicht gerade mit roher Gewalt die Lampen ausgetauscht hat. So fragil ist das System nicht, dass beim Tausch einer Halogenlampe gleich alles aus dem Ruder kippt. Spätestens beim jährlichen Licht Test im Herbst guckt dann wieder ein Fachmann drauf.

      Die Aussage, dass nach 2006 eine Lampe mit Bordmitteln zu wechseln sein muss ist in der Praxis eine wundervolle Theorie. Sie kommen leider an die meisten Rückseiten der Scheinwerfer nicht einmal ran, ohne vorher die halbe Front zu zerlegen. Ausnahmen gibt es da natürlich immer.

      Ich halte mich daher gern bei praktischen Tipps und Anleitungen mit solchen Äußerungen zurück, sie entsprechen schlicht nicht dem erlebten und rückgemeldeten Alltag der Autofahrer. Aber ich freue mich natürlich auch weiterhin, wenn Sie mit wachen Augen meine Artikel lesen und mich gegebenenfalls zu neuen Erkenntnissen führen. Auf bald.

      Jens Tanz