Ich gelte als großer Fan der Economic Commission for Europe, kurz ECE. Meine Begeisterung für deren Arbeit und Regelungen teilt nicht jeder. Na ja, das sind überwiegend Leute, die internationale Vorschriften sowieso nicht mögen und die ECE in Richtung der von ihnen nicht besonders geschätzten EU verorten. Dabei ist die ECE eine UN-Einrichtung, älter als die EU. In der Kommission sitzen Vertreter von vielen, auch außereuropäischen, Staaten und aus der Industrie. Auf sie prasseln kontinuierlich Wünsche der unterschiedlichsten Interessensgruppen ein. Und nun auch von mir. Hier ist mein Wunschzettel an die Mitglieder der Kommission:

  1. Beschränkt die Leuchtdichte! Wenn sich Menschen geblendet fühlen, dann sind sehr oft zu kleine Lichtaustrittsflächen die Ursache. Man kann sich das so vorstellen: Die gleiche Menge Licht aus einer Scheinwerfervorderseite der Größe eines Desserttellers wird als weniger störend empfunden als die aus einer nur wenige Zentimeter großen Linse. Das ist eine Sache der Leuchtdichte. Natürlich haben wir alle in der Fahrschule gelernt, nicht in die Scheinwerfer eines Entgegenkommenden zu blicken. Die menschliche Natur tut es zumindest mitunter dennoch.
  2. Konzentriert euch auf Licht! Lasst den Designern die Chance, sich mal an etwas anderem auszutoben! Wer sagt denn, dass ein Kühlergrill so groß sein muss, dass für Scheinwerfer und Leuchten kaum noch Platz bleibt? Oder dass ein von der Seite gut sichtbarer Blinker hässlich ist? Wer will denn statt zweier Rück- und Bremsleuchten nur noch ein gestyltes Band? Ihr doch nicht! Also regelt es!
  3. Schafft günstige Reparaturmethoden! Wie alles am Auto, verschleißen auch die Abschlussscheiben der Scheinwerfer. Bislang ist rechtlich umstritten, ob und in welcher Form die Reparatur oder Aufarbeitung erlaubt ist. Der Kauf eines neuen Scheinwerfers für viel Geld nur wegen einer zerkratzten oder stumpfen Abschlussscheibe ist nicht jedem möglich oder zumutbar. Ihr könntet vorschreiben, dass die Dinger wieder austauschbar sein müssen. Gegen qualitativ hochwertige Originalteile statt des minderwertigen Zeugs, das teilweise im Internet angeboten wird, versteht sich. Die geringen Mehrkosten für Klammern statt Kleben würden keinen Autohersteller in den Ruin treiben. Oder wie wäre es mit Regeln für das fachgerechte Aufarbeiten und die Produkte dafür? Die Autofahrer und Hersteller sinnvoller Teile wären euch dankbar.
  4. Entscheidet endlich über Retrofits! Es gibt viele gute Argumente für oder gegen Retrofits. Gemeint sind LED-Leuchtmittel, die in für Glühlampen vorgesehene Leuchten eingesetzt werden. Der Markt ist voll von denen und die Tauglichkeit für die Anwendung unterscheidet sich gewaltig – weil es eben keine Regeln gibt. Macht welche oder sagt, dass Retrofits verboten bleiben! Ich könnte mit beidem leben.
  5. Wehret den Anfängen! Die Versuchung ist groß. Da hat jemand in der Entwicklung oder dem Design eine mehr oder weniger tolle Idee und ihr Regulierer habt noch keine Vorschrift dazu gemacht. Eine nette Zulassungsbehörde erlaubt die Sache dennoch. Manchmal findet die Mehrheit von euch das gar nicht gut. Dann könntet ihr euch doch gegen das nachträgliche Abnicken wehren.

Wie das so mit Wunschzetteln ist, werde ich sicher nicht alle fünf Wünsche erfüllt bekommen. Aber zumindest ein paar könnt ihr doch eurem Fan erfüllen, oder? Dann nehme ich euch auch weiter gegen ungerechtfertigte Kritik in Schutz. Versprochen.

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