Klappscheinwerfer

Eigentlich war die „Baby Corvette“ aus Rüsselsheim schon in den 80ern ein Klassiker, und besonders in der nicht „schicken“ Szene sorgte sie für Unkenrufe. Rötger Feldmann, der als „Brösel“ die Kultfigur „Werner“ durch Norddeutschland choppern ließ, frotzelte in einem seiner Bände über die Opel GT Fahrer: Man erkenne sie am dicken Arm. Lampe hoch, Lampe runter. Haha. Witz verstanden? Arm. Hebel. Die Fahrer hatten alle einen Tennisarm, weil die Klappscheinwerfer des zweisitzigen Sportcoupés mechanisch mit Muskelkraft ausgeklappt wurden. Ganz so schlimm war es nicht, über den Humor von damals sind wir hinweg – aber der Opel GT hat nicht an Reiz verloren, im Gegenteil. Heute setzen wir uns mal rein und klappen diese tollen Lampen raus und rein.

Klappscheinwerfer
Klappscheinwerfer-Opel-GT

Er ist eng, der deutsche Cokebottle-Sportwagen der späten 60er. Zwei Sitze, die wie eine Badehose passen, dahinter eine nur von innen erreichbare Ablage. Der Blick ruht auf der sündig geformten, ausladenden Motorhaube, die ihre Hutze nicht als muskulösen Designgag trägt – sondern weil sonst der Vergaser des großen 1.9 Liter Motors aus dem Opel Rekord nicht drunter passt. Auch der Zylinderkopf musste vorn angeschrägt werden. Alles für die schlanke Linie. Diese Linie thront auf dem Fahrwerk und der Bodengruppe des B-Kadett und hat auf der IAA 1965 alle Anwesenden dermaßen aus den Schuhen gefegt, dass Opel gar nicht so schnell reagieren konnte, wie man es gern wollte. Die Karosserien für die anlaufende Serienproduktion mussten bei Partnerfirmen in Frankreich hergestellt, lackiert und ausgestattet werden, in Bochum wurden sie dann mit dem Motor und dem Fahrwerk verheiratet. Zwischen 1968 und 1973 entstanden etwas mehr als 100.000 Stück von dem rassigen Flitzer.

Die Scheinwerfer klappen nicht auf, sondern werden um die Längsachse gedreht.

Und nein, die Scheinwerfer klappen nicht „auf“. Mit einem kleinen Hebel am Mitteltunnel neben dem Fahrersitz werden sie um die Längsachse gedreht, was zugegebenermaßen spektakulär aussieht. Und was tatsächlich auch mit ein wenig Kraft geschehen muss. Kein Wunder, dass ein paar Poser das in den Innenstädten vornehmlich an Ampeln immer wieder machten. Mit einem satten *klonk* sind sie da und leuchten, so gut Bilux eben leuchten kann. Wenn sie nicht später auf H4 umgerüstet wurden. Zur Unterstützung hatte der GT sein Fernlicht unter der schmalen Stoßstange in zwei kleinen, runden und permanent sichtbaren Scheinwerfern. Dieses Gesicht war in den 70ern sehr präsent, und mit der beliebteren großen Motorvariante auch durchaus auf der linken Spur unterwegs. Mit eingeklappten Scheinwerfern und Rückenwind knackte ein Opel GT (mit dem großen Motor) durchaus auch die 190 km/h Marke, was damals schon fast Raketenstatus war.

Klappscheinwerfer
Klappscheinwerfer-Opel-GT

Auch die vier kleinen, runden Rücklichter über dem Doppelauspuff am kurzen Heck sehen nach 50 Jahren immer noch sportlich und sexy aus. Der Wagen hat in den USA und in Deutschland heute eine große, gut organisierte Fangemeinde, die sich um den Erhalt und die Ersatzteilversorgung kümmert. *klonk* genau so, wie sie rausgeklappt kamen, werden sie drehend wieder versenkt, diese herrlichen Scheinwerfer. Ein paar sportliche Runden um die Werkshalle in Rüsselsheim lassen wir uns natürlich nicht nehmen, aber das ist ein anderes Thema. Ausgeleuchtet. Bis es nachher dunkel wird, steht das gute Stück schon wieder warm und trocken in seiner Garage …

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