Es ist so weit. Die Anzeigen in unseren Autos morphen mit riesigen Schritten in Richtung digitale Displays. Das kann man mögen oder nicht – es ist einfach so. Zahlen. Zahlen statt Zeiger, das konnten in den 70ern die komplett analogen Klappzahlenwecker gut simulieren. Später kamen Radiowecker mit einzeln angesteuerten Leuchtelementen auf den Markt, die einen analogen Hauch von Digital versprühten. Später in den 80ern mussten wir, um endgültig hip zu sein, eine Digitaluhr am Handgelenk tragen. Die aus der Raumfahrt übernommenen LCD-Displays zogen parallel als „Mäusekino“ in viele gehobene Automodelle als Sonderausstattung ein, verschwanden aber nach und nach wieder. Die Instrumentenwelt, auf die wir blickten, wurde wieder analog. Ich bin einmal abgetaucht in die 90er, als unbeholfene Versuche der Autohersteller ahnen ließen, wohin die Reise von da an vielleicht einmal gehen wird.

Denn die 90er waren es, in denen verschiedene Autos nicht nur besonders spektakulär rosteten und ganze Kabelbäume sich selbst kompostierten – in den 90ern kamen wieder Zahlen statt Zeiger. Erst klein und unscheinbar, hier eine Digitaluhr, da ein kleines rundes Display mit per Knopfdruck schrittweise zu ändernden Temperaturen im Innenraum. Während in den Mäusekinos der 80er Tacho und Drehzahlmesser als bunte Flüssigkristalle über einem analogen Kilometerzähler platziert angesteuert wurden, ging der Trend nun genau in die andere Richtung. Unter analogen, meist runden Zeigerinstrumenten wurden Displays eingebaut, die gleichfarbig wie der Rest illuminiert den Kilometerstand, die Uhrzeit, die Temperatur und andere mehr oder weniger wichtige Daten anzeigen konnten. Bei Audi schon in den späten 80ern in Rot, bei Mercedes-Benz in warmem Amber und bei Ford in Grün. Geschmack ist umstritten, aber das war der Anfang der Ent-Analogisierung.

Nach der Jahrtausendwende wurden die Displays größer.

Und genau das macht die Autos der 90er so besonders. Diese leichte Unentschlossenheit, gepaart mit knubbeligem Design und manchmal auch unbewusst vorprogrammiertem Verfallsdatum. Nach der Jahrtausendwende wurden die Displays größer, heute nehmen sie je nach Modell das ganze Cockpit ein. Ein Zweitbildschirm auf der Mittelkonsole ist obligatorisch, inzwischen gibt es darunter auch Drittbildschirme für die Klimaanlage und andere Gadgets. Auf den letzten Auto- und Technikmessen haben wir erfahren, dass sich simulierte Schalter von einem Display aufs andere wischen lassen und über Ultraschall sogar Oberflächen haptisch simuliert werden können. Wem das alles nicht reicht: Berührungssensitive Flächen auf dem Lenkrad, Gestensteuerung und Eyetracking werden in wenigen Jahren Serie sein. Die Firmen BOSCH und Harmann arbeiten längst daran. Eure Stimme verstehen die meisten Autos ja schon jetzt.

Spannend. Und hier, zurück bei diesen grünen Zeigern und den grobpixeligen Displays, wurden die Grundsteine gelegt. Schöne neue Welt, weit, weit weg vom reinen Informieren über den Zustand des Fahrzeugs und seiner Geschwindigkeit. Das ist einerseits konsequent, andererseits macht es ein bisschen Angst vor der dauerhaften Zuverlässigkeit oder der fehlenden Einsicht, was da eigentlich alles um mich herum passiert. Wer es wissen will – ab zum Neuwagenverkäufer. Wer noch zögert – nie waren die Autos der 90er so preiswert wie heute.

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