Für sparsame Autofahrer war das ein Aufreger: Ein Nachrichtenmagazin verbreitete in einem Video die Nachricht, der kostenlose Lichttest im Oktober sei gefährdet. Bis zu 25 Euro würden Werkstätten in Zukunft nehmen. Schuld daran sein die EU. Nur stimmt es so nicht.

Eines haben fast alle Fake News gemein. Sie verbreiten sich schnell und erzeugen dann auch gleich jede Menge und zumeist wütende Kommentare. So war das auch bei jenem Beitrag, der eine Institution des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes infrage stellte. Seit über 60 Jahren checken Werkstätten im Oktober gratis das Autolicht. Jetzt, so hieß es im Video, hätten die Betriebe viel Geld in die Ausrüstung zur Scheinwerfereinstellung investieren müssen und könnten den Test nicht mehr umsonst anbieten. Schuld sei die Europäische Union, die eine – so schwang es unterschwellig mit – völlig überzogene Direktive erlassen habe. Klar ließen die drastischen Kommentare zu Brüssel und den dort ausschließlich vermuteten Bürokraten nicht lang auf sich warten. Nur stimmt die Nachricht halt nicht. Hier sind die Fakten.

Neue Richtlinie zur Scheinwerfereinstellung

Seit Jahresanfang gilt in der Tat eine neue Richtlinie zur Scheinwerfereinstellung. Und in der Tat zwingt sie viele Werkstätten zu Investitionen. Manche müssen ein neues, modernes Einstellgerät kaufen. Das ist nicht weiter zu kritisieren. Warum sollte in Werkstätten alle paar Jahre nur eine neue Generation Motortester stehen, während die Scheinwerfer mit veralteten Geräten eingestellt werden? Das war wirklich so. Etliche bis zum Schluss verwendete Gerätschaften waren noch aus Zeiten der Scheinwerferlampe R2, auch nach dem Warenzeichen von Osram Bilux genannt. Theoretisch war bis Ende vergangenen Jahres ein Scheinwerfereinstellgerät noch nicht einmal vorgeschrieben. Werkstätten hätten das Licht über Markierungen an einer Wand justieren dürfen.

Ärgerlicher als die vielleicht zwei- oder dreitausend Euro für ein Spitzen-Einstellgerät sind für die Werkstätten eventuell notwendige bauliche Maßnahmen. Der Einstellplatz muss hochgenau eben sein. Neigungen sind auf einen niedrigen einstelligen Millimeterbereich pro Autolänge beschränkt. Das halten Experten für etwas übertrieben.

Der Drang zur Perfektion kommt übrigens mitnichten aus Brüssel. Die Richtlinie zur Scheinwerfereinstellung ist eine rein deutsche Angelegenheit. Weder die EU noch die UN-Organisation ECE haben sie erlassen, sondern das Bundesverkehrsministerium.

Für Autofahrer wird sich nicht viel ändern.

Für Autofahrer wird sich nicht viel ändern. Schon jetzt kostet die Scheinwerfereinstellung außerhalb der Lichttestwochen im Herbst Geld. Und bei aufwendigeren Arbeiten wie jenen an adaptiven Systemen oder beim Austausch von defekten Xenonlampen war das sogar beim Lichttest schon bislang so. Außerdem müssen immer mehr Scheinwerfer praktisch nie mehr neu eingestellt werden, weil ein Lampentausch nicht mehr anfällt. LEDs halten in der Regel ein Autoleben lang. Für andere Fälle darf gelten, dass für eine wirklich sorgfältige Arbeit bei der Justierung des Lichts 25 Euro nicht zu viel sind. Scheinwerfer richtig einstellen heißt ja nicht, einfach mal an vier Schrauben zu drehen. Zuvor müssen der Luftdruck in den Reifen geprüft, der Kofferraum auf eventuelle Ladung und der Tankinhalt gecheckt werden. Hat das Auto so etwas wie blendfreies Fernlicht, braucht es den Werkstatttester, um die Scheinwerfer in den Einstellmodus zu versetzen. Solchen Aufwand darf niemand für umsonst erwarten. Der schnelle Check im Oktober wird es dennoch bleiben.

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