Das Design ist derzeit die treibende Kraft hinter der automobilen Lichttechnik. Wenn der schöne Glanz nicht übertrieben wird, ist das auch gut für den hellen Schein.

„Licht ist das neue Chrom“ – so beschrieb unlängst die Süddeutsche Zeitung einen Trend in der Automobilindustrie. Zog früher eine Zierleiste die Blicke an, erregt jetzt etwa die geschwungene Tagfahrleuchte oder ein durchgestyltes Rücklicht die Aufmerksamkeit. Sogar in der Werbung sind moderne Scheinwerfer auf dem Weg, beispielsweise supergroßen Rädern den Rang abzulaufen.

Diese Entwicklung ist zunächst gut für das Autolicht. Design lassen sich die Autokonzerne etwas kosten und so fließt der eine oder andere Geldschein mehr in das Licht. Die LED verdankt ihren Siegeszug im Auto vor allem den mit ihr verbundenen gestalterischen Freiheiten. Fast schon nebenbei konnten die Entwickler so fortschrittliche Dinge wie Matrixlicht in den stylischen Scheinwerfern unterbringen. Diese und andere technische Lösungen tauchen auch groß auf Messen und in Prospekten auf, was früher alles andere als selbstverständlich war.

Dass sich Lichtentwickler bei einem Glas Bier oder Wein trotzdem oft frustriert äußern, hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl, dass sich ihre Arbeit zu selten um das Licht selbst dreht. Dessen Qualität, also Punkte wie Reichweite und Homogenität, genießt geringe Priorität. Allenfalls zählt noch die Farbe und da muss es möglichst viel Blau sein. Das ist keine technische Herausforderung für Ingenieure. Die LED-Technik begrenzt Farbtemperaturen nicht. Es sind die Zulassungsvorschriften, die wenigstens bei rund 6000 Kelvin einen Riegel vorschieben. Sauer sind Entwickler auch darüber, dass eine elegante, lasergravierte Zierblende in ihrem Scheinwerfer oder ihrer Rückleuchte schon mal mehr kostet als die LEDs – und dass folgerichtig nicht die leistungsfähigsten zum Einsatz kommen.

Nun spielen Design und Emotionen beim Auto seit jeher eine große Rolle. Sonst würden wir alle in jahrzehntelang unverändert produzierten, langweiligen Kisten herumfahren. Selbst Käufer von Vernunftfahrzeugen erfreuen sich – bewusst oder unbewusst – an schönen Details. Aber gerade der Spaß an gutem Design könnte doch ein Anreiz sein, Vielfalt zu bieten. Was dabei derzeit im Bereich des Lichts geboten wird, fällt leider nicht immer darunter. Die ersten geschwungenen Tagfahrleuchten waren – und sind! – sensationell. Inzwischen haben viele etwas Ähnliches. Diese Einfallslosigkeit wird nicht gemildert dadurch, dass Tagfahrlicht, Positionslicht und Blinker unbedingt den gleichen Bogen nutzen müssen. Die erste an einer solchen Stelle eingesetzte Schaltung zum Dimmen des Tagfahrlichts beim Blinken war noch originell; dutzendfach in Modellen genutzt, erzeugt sie jetzt nicht einmal mehr ein Gähnen.

Ärgerlich ist dabei nur, dass oftmals die Blinker von der Seite so gut wie nicht mehr zu sehen sind. Ein Rückschritt, der nicht sein müsste.

Ist es vielleicht wirklich so, wie Der Spiegel schon vor längerer Zeit gemutmaßt hat? Nämlich, dass Designern nichts Besseres mehr einfällt, als mit Licht und Leuchten zu spielen? Indizien dafür gibt es. Sind „Welcome modes“ mit inszenierten Lichtteppichen um das Auto, animierten Rückleuchten und ähnlichem physiologischen Mumpitz wirklich Zeichen guten Designs? Oder gar technischer Kompetenz?

Ich freue mich über technische Lösungen wie blendfreies Fernlicht, den Fortschritt beim Matrixlicht hinsichtlich Homogenität und immer mehr LED-Scheinwerfer, die sich bei der Leistung nicht an H7, sondern an Xenon orientieren. Vor allem, wenn sich solche Dinge nicht nur in Oberklasse-Fahrzeugen finden. Ja, und gut aussehen dürfen sie durchaus auch.

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