Es ist der Alptraum eines jeden Autofahrers, der unter Zeitdruck ein anderes Auto auf einem Anhänger durch die Dunkelheit befördern möchte: Du kuppelst den flachen Trailer an, wirfst die Fangleine über, steckst den Stecker rein, kontrollierst das Licht – und nichts, aber auch wirklich gar nichts leuchtet da hinten. Wackeln am Stecker, noch mal alles aus und wieder an, Kontaktspray. Nichts. Alle Lichter hinten am Anhänger bleiben dunkel. So kann ich nicht fahren, ohne Bremslicht und Blinker, auch nicht bei Helligkeit und auch nicht mal ein kleines Stück. Also kuppel ich den gerade teuer gemieteten doppelachsigen Stahlkoloss brummelnd wieder ab und begebe mich mit meinem Auto in die nächstgelegene freie Werkstatt, ob man sich des Problems bitte einmal zügig und möglichst erfolgreich annehmen könne. Ja, könne man. Aber mit Eigenleistung …

Nun kann man so einer Steckdose, egal ob sie sieben Pins oder dreizehn hat, nicht viel vorwerfen. Sie fristet ein weitestgehend unbeachtetes Dasein unter dem Heck des Autos, ist mit ihren offenen Kontakten der Witterung ungeschützt ausgesetzt und wird bevorzugt von Spritzwasser, Schmutz und Salz durchdrungen. Das machen Leiterenden und Stecker nicht lange mit, sie rosten schlicht weg. Bei Neuwagen ist das noch kein großes Problem, zumal aufmerksame Werkstätten bei der Inspektion eben diese Dosen prüfen, reinigen und auch fetten. Werden die Fahrzeuge älter, wird das schon mal vergessen. Oder es wird nicht als notwendig angesehen, weil sowieso nur einmal im Jahr ein Anhänger gezogen wird. Wohnwagenmenschen werden da eher selbst einmal Hand anlegen, so einer bin ich aber nicht. In der freien Werkstatt hat man eine neue Steckdose da, aber jetzt sofort keine Zeit. Ob es okay sei, wenn ich auf dem Hof selbst Hand anlegen würde, und bei Bedarf stünde man mir mit Rat und Tat zur Seite. Aus Mangel an Alternativen stimme ich zu und rolle den alten Kombi rückwärts auf zwei Auffahrrampen. Werkzeug habe ich dabei, also los.

Oha. Die Steckdose ist auf einen ausklappbaren Metallbügel geschraubt und hängt echt schief. Da hat wohl jemand beim rückwärts Einparken mal einen Stein mitgenommen. Nach dem Lösen der Schrauben zerfällt die Plastikkappe in drei Teile und gibt den Blick frei auf ein verrostetes Kabelgewirr auf einer ebenfalls verrosteten und verbogenen Trägerplatte. Gummidichtungen gibt es gar nicht mehr. Puh. Zum Glück ist so etwas kein Hexenwerk, ich zieh alle Litzen raus, kappe sie um drei korrodierte Zentimeter und lege frisches Kupfer frei. Nach dem Schema der alten Steckdose schraube ich die farblich gekennzeichneten Leiter in die richtigen Buchsen und baue alles wieder zusammen. Eine neue Dichtung, ein wenig korrosionshemmendes Fett, und schon sieht da hinten alles wieder aus wie neu. Der Meister kommt mit einem Prüfgerät raus, schließt es an und attestiert allen Kontakten einwandfreie Funktion. Das alles hat rund eine Stunde gedauert und so viel gekostet wie eine Pizza und eine Flasche Rotwein. Aber was für ein Stress. Hätte ich das vermeiden können?

Ja. Hätte ich. Wer regelmäßig mal unter seinem Auto nachschaut, kann Schlimmeres verhindern. Dann sieht man, ob der Träger der Dose verbogen ist, kann sie von Schmutz befreien und auch mal einen Hub Sprühöl spendieren. Ich kenne leider viele Leute, die das nicht machen und dann aber auch nicht die Konsequenzen ziehen – sondern trotzdem mit dem Hänger losfahren. Wird schon niemand merken. Nee, nee. Als ich auf der A7 mit dem Hänger im Schlepp und einem alten Auto oben drauf bei Regen und Dunkelheit nach Hause fahre, bin ich heilfroh, dass alles richtig beleuchtet ist. Falls trotz funktionierender Steckdose zu allem Überfluss noch die Lampen am Anhänger kaputt sind, wisst ihr ja, wo ihr neue bekommt. In diesem Sinne – Kniefall und mal drunterschauen. Die nächste Tour kommt bestimmt.

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