Die einen frotzeln über animierte Blinkleuchten, die anderen schimpfen darüber, dass immer mehr Autofahrer überhaupt nicht blinken. Die Blinkleuchten sind in unserer Erinnerung ein normaler Bestandteil eines jeden Autos, aber ihre Art und Form hat sich im Laufe der Jahrzehnte grundsätzlich verändert. Es ist noch gar nicht soooo lange her, dass Blinkleuchten weniger wahrgenommen und auch seltener wirklich gebraucht wurden. In unserem kleinen Dreiteiler beleuchten wir die historische Entwicklung der Neuzeit an verschiedenen Beispielen und erklären ein paar skurrile und weitestgehend unbekannte Grundlagen zu dem, was heute orange an- und ausgeht. Wir starten mit: nur vorn und hinten. Viel Spaß.

Der umgangssprachliche Blinker ist „eine lichttechnische Einrichtung an Kraftfahrzeugen und dient Verkehrsteilnehmern im Straßenverkehr zur Information über eine Änderung der Fahrtrichtung oder die Ankündigung hierzu. In der Regel ist dieser als Blinklicht umgesetzt.“ So weit die Definition. Bis in die 50er-Jahre waren mechanische Winker an den Seiten des Autos durchaus aktuell, bis 1956 war es in der Deutschen Straßenverkehrsordnung sogar noch vorgeschrieben, dass ein Fahrtrichtungsanzeiger die Kontur des Fahrzeuges verändern müsse! Nun. Schon in den 40er-Jahren wurden in Nordamerika Blinklichter zur Richtungsanzeige verwendet, die sich auch in anderen Ländern nach und nach durchsetzten. Laut amerikanischen Studien wurde dabei ein rotes Blinklicht besser wahrgenommen als ein oranges, welches neben einem roten Bremslicht blinkt. Deshalb sind viele Blinker amerikanischer Fahrzeuge bis in die 70er hinein rot, manchmal blinkt die gesamte Rückleuchte. Bis 1969 waren übrigens auch in Deutschland rote Blinker zulässig, allerdings separat neben dem Bremslicht, anders als in Amerika.

Noch in den 60ern schimpfte der Journalist Carl Hertweck Blinker, vor allem an Motorrädern, als „überflüssig und gefährlich“. Er schrieb: „Der gute Fahrer fährt so, daß jeder Hintermann und jeder Gegenkommer schon aus seiner Fahrweise sehen muß, was er tut!“ Ja wenn das doch so einfach wäre. Die erst langsam in den Köpfen der Fahrer aufkommende Blinkpflicht sowie die noch recht überschaubare Verkehrsdichte ließen Blinkleuchten zunächst in Europa als kleine, funzelige orange Lämpchen vorn und hinten an den Fahrzeugen auftauchen. Neben oder unter dem Abblendlicht. Betrachtete man ein Fahrzeug seitlich, ahnte man weder seine Fahrtrichtung noch seine Länge noch ob es blinken würde. In den USA wurden seitliche Lampen (aber keine seitlichen Blinker) ab 1968 Pflicht. Mit höherem Verkehrsaufkommen verbesserten die Konstrukteure auch die Technik. Warnblinkanlagen mussten ab 1973 in jedem Fahrzeug vorhanden sein, immer mehr Blinkhebel stellten sich bei Geradeausfahrt von alleine wieder zurück. Man hatte ja auch so schon genug zu tun, wenn man ein Auto durch den dichter werdenden Verkehr bewegen wollte.

Bis tief in die 70er hinein finden wir (mit wenigen Ausnahmen) vor allem Autos, bei denen die Blinker wirklich nur vorn und hinten zu sehen sind. Einige europäische Marken bauten an den Kotflügeln nahe der A-Säule oder ganz vorn neben den Scheinwerfern seitliche Blinkleuchten an. Dieses Modell machte Schule. Dann ging der Trend zu größer werdenden Lampen und Blinkern, die „um die Ecke“ herumgezogen wurden. Aber davon erzählen wir euch in unserer nächsten Geschichte.

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder
  • Zitat: …“auch in Deutschland rote Blinker zulässig, allerdings separat neben dem Bremslicht, anders als in Amerika…“
    Kenne aber mindestens 2 deutsche Oldies, die ganz klassisch wie US-Cars rote Einkammer-Rückleuchten hatten, so dass sie nur Blinklicht ODER Bremslicht ausstrahlen können: Ford 17 M („Badewanne“) und Auto Union SP 1000 („Mini-Thunderbird“)

    • Ayo Romiman,
      bist du dir denn sicher dass diese Leuchten nicht zwei getrennte Lampen beherbergen?
      Ich habe das direkt aus der damaligen Straßenverkehrsordnung zitiert…. Vielleicht gab es ja auch Ausnahmen, das möchte ich nicht leugnen 🙂 Danke für deinen Hinweis.
      Jens

  • Die Briten -akurril wie gewohnt – hatten und haben! da noch ganz besonders witzige Regeln, wenn es ums Abbiegen geht.

    [img]http://up.picr.de/31717382hg.jpg[/img]

    • Hi Hoppsen,

      egal, das mit dem Link. Wer es sehen möchte, kann den ja in seinen Browser kopieren.
      Schräg, skurril, schrill, ich weiß gar nicht was ich davon halten soll 😀 Aber die Briten waren ja schon immer für eine antiquitierte Überraschung gut.

      Viele blinkende Grüße
      Jens