Verschiedene Farben haben historische Bedeutungen, sie wecken Emotionen, sie erregen Aufmerksamkeit, sie kaschieren. Wer sich ein Auto kauft und sich bewusst für eine Farbe entscheidet, wird dabei von seinem Inneren gelenkt. Wenn es sich bei euren Autos also nicht um den dunkelblauen Kombi handelt, der nur Arbeitstier ist und wegen des Wiederverkaufswerts schlicht und zeitlos sein sollte – dann präsentieren wir ein paar farbliche Erkenntnisse. Die sind nicht wissenschaftlich und gelten nicht für jeden Einzelnen – aber vielleicht erkennt ihr euch oder Freunde wieder? Heute sind die WEISSEN Autos dran.

Weiß ist physikalisch die Summe aller Farben, also im eigentlichen Sinne gar keine Farbe. Sie ist schlicht und wertfrei und man kann super Werbung draufkleben. Außerdem ist Weiß bei jeder Witterung gut zu sehen, außer bei Schnee. Weiß steht in der Geschichte für die Unschuld, den Glauben und die Reinheit. Wem das zu esoterisch klingt, der kann sich Weiß auch als einen Modetrend zurechtlegen: Seit es Smartphones, PCs und Fernseher besonders schick in Weiß gibt, geht auch der Trend in der Automobilindustrie in diese Richtung. Käufer assoziieren ein weißes Auto mit technischem Fortschritt und ökologischer Nachhaltigkeit, weshalb vor allem kleine und sparsame, bestenfalls elektrisch betriebene Fahrzeuge gern in Weiß gekauft werden. Ein Kontrast zu den Dickschiffen auf den Bildern hier? Nein, Weiß kann noch mehr.

Berufskleidung von Ärzten ist weiß. Weiß ist sauber und Sauberkeit ist leicht zu kontrollieren. Sind die Fahrer weißer Autos Kontrollfreaks? In Feldversuchen und Umfragen hat sich herauskristallisiert, dass diese Personen ihren Wagen häufiger waschen als die Fahrer andersfarbiger Autos. Sie gelten als zurückhaltend und pflichtbewusst, als unauffällig und sensibel. Wer ein weißes Fahrzeug bewegt, beachtet überdurchschnittlich häufig die Straßenverkehrsordnung. Erkennt ihr euch wieder? Nein? Dann habt ihr vielleicht kein Auto in einem reinen Weiß.

Eskimos kennen rund 200 verschiedene Namen für die Nicht-Farbe Weiß, je nach Tönung, Lichteinfall und dem Farbton der Umwelt. Wir Europäer sind da nicht ganz so kreativ, wir kennen umgangssprachlich sowas wie Brillantweiß, Schneeweiß, Altweiß, Elfenbein und Kreidebleich. Das macht es den Werbetextern einfach, schillernde neue Farbnamen zu ersinnen. Der Golf GTI strahlt in „candy white“, der CLS Shooting Brake in einem mystischen „bionic-white Perlmutteffekt“. Da wirkt das „alpin white“ der BMW M-Serie fast schon unkreativ, das „cosmic white“ des Volvo C30 wiederum recht abgehoben. Ein Auto darf heute nicht mehr einfach nur weiß sein. Der Farbton muss sich von den anderen absetzen. „White pearl“, „white nacre“ oder „ibisweiß“? Die armen Marketingverantwortlichen.

Fragen wir Designer, sind auch die voll sprühender Euphorie. Chris Bangle von BMW sagt, dass die Farbe die Formen so wundervoll nachmodelliert, auch wenn sie „so viel Licht braucht“. Marco Tencone von Lancia schätzt besonders die Kombination aus einem weißen Body mit einem schwarzen Dach. Walter de Silva von Volkswagen ist sogar davon überzeugt, dass überhaupt nur gut gestaltete Formen „Weiß“ vertragen. Im Kontrast zu grünem Gras und blauem Himmel lassen sie noch viele weitere Assoziationen zu, aber das überlassen wir nun euch. Und vielleicht seht ihr euer eigenes Auto ja ab heute mit etwas anderen Augen?

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  • De Silva hat recht. „Gut gestaltete Form“ gilt aber nur für die Umrisse der Karosserie, also Abgrenzung insgesamt als auch ggü. wesentlichen Details wie Fenster, Kühlergrill, Leuchten und Radausschnitte. Details wie seitliche Sicken und Wölbungen im Blech werden bei Weiß eher cachiert. (Durch Silber werden die eher betont.)
    Den gezeigten W116er Benz hatte ich in Gold, lieber wäre er mir in Silber oder Weiß gewesen. Weiß wirkt neu und frisch und lässt die Autos größer wirken. So ein W116er wird dadurch noch länger und breiter als er ohnehin schon ist. Gar nicht geht für mich das allgegenwärtige Schwarz. Das macht die Autos klein, alt und schmuddelig und „frisst“ alles Design auf.
    Heute fahre ich lieber Silber oder Grau, da ich inzwischen ein Autowaschmuffel geworden bin…

    • Ay Romiman,
      stimmt, der W 116 wirkt in weiß sehr massig und dabei trotzdem schön.
      Schwarz mag ich an älteren Autos. Mein Audi V8 war pantheroschwarz, und aktuell denke ich gerade wieder über eine Designsünde aus den 90ern nach, die dann auch schwarz wäre. Bei dem ist das aber alles egal 😉
      Silber war in meinem Autoleben nur der Audi 100, und das habe ich nur ertragen, weil er ein schwarzes Vinyldach hatte, was ihn schlank machte. Ich (persönlich) kann mit silber nichts anfangen. Gefühlt sind alle Autos um mich rum silber. Bäh. Da sollte ich mal eine Farbgeschichte zu ersinnen, mach ich auch. Ich bin auch Waschmuffel, und zwar einer der ganz harten Sorte. Mein Auto ist aber grün. Denn – es ist mir egal, wenn es außen schmutzig ist. Und was dann andere darüber sagen auch 😉 Ich habe nie verstanden, warum ein Auto unbedingt sauber sein muss….
      So haben wir alle unsere Macken.
      Jens