Das Wort „Doppel“ beflügelt seit jeher das Denken von Autofans. Der Doppelvergaser versprach einst auskömmliche Leistung, womöglich verstärkt noch per doppelter Nockenwellen. Doppel-Auspuffanlagen sind wieder groß in Mode, und zwar ausschließlich unter Designgesichtspunkten. Ist das bei Doppelscheinwerfern auch so?

Ja und nein. Doppelscheinwerfer sind zunächst eine Erfindung der 1960-er Jahre. Für Einzelscheinwerfer mit kombiniertem Abblend- und Fernlicht stand damals nur eine einzige Lichtquelle zur Verfügung. Es war die Zweifadenlampe R2, gern auch nach dem Warenzeichen von Osram Bilux® genannt. Aber dann gab es gab ja seit 1961 Halogenlampen. Doch die hatten nur eine Glühwendel, konnten also nur entweder Abblend- oder Fernlicht bedienen. Da lag der Gedanke nahe, für jede der Lichtfunktionen einen eigenen Scheinwerfer zu nehmen. Doppelscheinwerfer waren geboren.

Seit 1974 gibt es zwar in Form der H4 auch Halogenlampen, die Abblend- und Fernlicht aus einem Scheinwerfer ermöglichen. Doppelscheinwerfer in Halogentechnik sind aber bis heute sinnvoll. Die dabei eingesetzten Lampentypen wie H1 und H7 sind der H4 überlegen und die Scheinwerfer können auf das jeweilige Licht optimiert werden. Nur sollten sie dabei nicht zu klein werden. Es gibt Fälle, in denen ein einzelner wirklich großer Scheinwerfer mit einer H4 seinen kleinen doppelten Brüdern überlegen ist – zumindest im Abblendlicht.

Als die Xenontechnik Einzug ins Auto hielt, waren zunächst wieder Doppelscheinwerfer angesagt. Die ersten Jahre gab es das neue Licht nur im Abblendscheinwerfer. Das wesentlich seltener benutzte Fernlicht kam weiterhin aus einem separaten Halogenscheinwerfer. Dann erblickte Bi-Xenon die Dunkelheit der Welt und eigentlich wurden Doppelscheinwerfer damit überflüssig. Abblend- und Fernlicht leuchteten nun aus einem Scheinwerfer und es wäre gut gewesen, hätte er den gesamten zur Verfügung stehenden Platz an der Fahrzeugfront bekommen. Auch bei Xenon spielt die Größe eine Rolle. Doch gegen die Abschaffung der Doppelscheinwerfer wehrten sich die Designer mit Händen und Zeichenstiften. So bekam also auch Bi-Xenon vielfach zusätzliche Fernscheinwerfer. Diese wurden aber nur für die Lichthupe benutzt. Dafür gibt es zwar auch einen guten, technischen Grund. Das Zünden der Xenonlampen nur für die Lichthupe zieht einen übermäßigen Verschleiß nach sich. Der Hauptgrund lag aber eindeutig im Design.

Genau so sieht es bei der neuesten Lichttechnik, LED, aus. Hier sind alle Lichtfunktionen aus nur einem Scheinwerfer möglich und aus technischer Sicht sogar sinnvoll. Nun halten aber Designer einiger Autohersteller an den Gestaltungsmöglichkeiten von Doppelscheinwerfern eisern fest. Auch schöne Begriffe wie „Vier-Augen-Gesicht“ spielen immer noch eine herausragende Rolle. Auch wenn die Technik eigentlich von gestern ist.

Was Jens zu dem Thema sagt, lest ihr hier.

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