Über Geschmack kann man klasse diskutieren, sich am Ende aber nicht streiten. Denn was der eine mag, muss dem anderen ja nicht unbedingt gefallen. Auch nicht, wenn verschiedene Argumente dafür aufgeführt werden. Was man nicht mag, das mag man nicht. Basta. Deshalb ist die folgende Gegenüberstellung auch eher als Denkanstoß und „Abfrage“ gedacht, gar nicht wertend, gar nicht richtungsweisend. Wie denn auch, wenn es dabei um Geschmack geht? Wir sprechen heute über Doppelscheinwerfer. Die gab es schon immer, und die wird es immer geben. Die einen finden die toll, die anderen eher überflüssig. Hand hoch. Wie sieht das mit euch aus?

In der Zeitspanne, die ich aus meinem eigenen Leben überblicken kann, galten doppelte Lampen an der Front eines Autos immer als etwas Rassiges, Sportliches. Als der sehr bieder daherkommende VW K70 auch mit runden Doppelscheinwerfern angeboten wurde, hatte er sofort einen Hauch italienische Klasse im kantigen Kleid. Oder nehmen wir die Coupés von BMW. Flache, spitze Haifischnase. Irgendwie grimmig wirkende runde Doppelscheinwerfer, ein echter Kandidat für die linke Spur. Selbst die 3er BMW gab es mit doppelten Scheinwerfern, später auch als Standlicht fein rund beleuchtet. Großartig. Kantig doppelt konnte es der DeLorean, mit einfachen Lampen hätte der nur halb so gut ausgesehen. Finde ich. Parallel sehen amerikanische Butter-und-Brot-Limousinen vom Typ Chevy Caprice oder Ford LTD trotz ihrer einheitlichen, doppelten Scheinwerfer aus wie überdimensionierte Schrankwände. Eine Frage des Modells, der Form, des Designs und – des Geschmacks.

Die Welt schrie auf, als Mercedes-Benz nach dem W 124 seiner neuen E-Klasse W 210 das „Vieraugengesicht“ verpasste und für das Design sogar den Red Dot Award abräumte. Ich mochte die vier Augen gern. Die Welt schrie erneut auf, als mit der 2013er Modellpflege die doppelten Scheinwerfer beim Nach-Nachfolger W 212 wieder zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Die Welt schreit bei Veränderungen immer auf. Auch so ein SL sieht mit einteiligen Scheinwerfern sportlich und sexy aus, diverse US-Varianten mit doppelten Scheinwerfern hingegen … nun, das ist ja alles Geschmackssache. Ein alter Ford Mustang kann mit einfachen, runden Lampen schlicht, gut und gelungen aussehen. Ein Ferrari F430 braucht keine doppelten Lampen, auch wenn die hinter der einteiligen Scheibe fast so aussehen. Und wisst ihr aus dem Kopf, was beim alten Testarossa rausklappt? Na? Doppelscheinwerfer. Ja, was denn nun?

Es ist heute immer noch so – je kleiner das Fahrzeug, desto unwahrscheinlicher sind zwei getrennte Scheinwerfer auf jeder Seite. Allein aus Platzgründen. Oft werden heute Abblendlicht und Nebelscheinwerfer in einer Einheit integriert. Vor langer Zeit wiederum galten extra Halogenscheinwerfer im Grill entweder als sportlich oder als luxuriös. Es gibt da tatsächlich keine Regel für. Deshalb fragen wir euch heute mal: Wie findet ihr klassische Doppelscheinwerfer? Nennt uns gern eure favorisierten Modelle. Oder schreibt uns, welche Autos mit einfachen Lampen definitiv besser aussehen. Wir sind neugierig. Und am Ende – ist ja alles Geschmackssache.

Was Fritz zu dem Thema sagt, lest ihr hier.

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  • Mein erstes Auto hatte Doppelscheinwerfer, ein Audi 80 B1. Das zweite auch, ein Manta A. Ich finde das steht beiden Autos sehr gut.
    Heute ist dank von bi-xenon oder Led Technik viel möglich, damals ging es vor allem um viel Licht. Das hat man heute automatisch, zusätzliche Scheinwerfer sind dann nicht mehr nötig.

    • Hallo Krolo,
      da waren deine ersten beiden Autos aber sehr würdige Vertreter des klassischen, sportlichen „Normalwagens“. Beiden standen, das finde ich auch, die runden Doppelscheinwerfer extrem gut.
      Heute werden Doppelscheinwerfer mehr wegen einer Designsprache eingesetzt. Aber auch das kann ja durchaus gefallen. Ich muss mal in aktuellen Modellen suchen, was mir da so zusagt…
      Grüße
      Jens

  • Der „klassische“ Doppelscheinwerfer macht mich heutzutage immer noch an. Da helfen auch keine futuristischen Laser-Lichtorgeln.
    Wahrscheinlich auch, weil ich eben in die Zeit hineingeboren wurde, als die Doppelscheinwerfer Eleganz und Kraft symbolisierten. Es entstand das gewisse Überholprestige, welches sich wohl bei 98% der Autofahrer im Unterbewusstsein mit „der ist schnell, den lass ich lieber vorbei & ziehen…“ eingebrannt hat, so dass es heute immer noch als Klischee und Vorurteil nicht verebbt ist.

    Man nehme mal das Design des 62er Alfa Romeo 2600… Stilvoll, können die Italiener. Wie Lancia, eine Fulvia ohne Doppelscheinwerfer? Oder gehen wir nach Neckarsulm. Wie traurig sieht der NSU 1200 gegen den älteren Prinz TT aus, der im wahrsten Sinne des Wortes ohne geöffnete Haube gern mal eine ganz heiße Kiste war.

    Ich durfte die Unterschiede (noch) er“fahren“. Einem schönen Rochen von Opel wurde bereitwillig Platz gemacht -der Manta B musste sich das über Tuning zurück holen-, ein gleich schnell gefahrener Rekord E 2.0E lief selbst mit eingeschaltetem Abblendlicht immer auf.

    Dito bei unseren Audis. Das 100er Coupé S mit Rechteckscheinwerfern nicht vorstellbar. Bei zwei Audi 100 (C1) im Haus konntest du den 72er 100 LS/A Viertürer mit den Rechteckscheinwerfern gern nehmen, wenn´s kommod über die Bahn ging, wenn ich es eiliger hatte nahm ich doch lieber den 75er 100 GL Zweitürer mit den (eingeschalteten) Doppelscheinwerfern.

    Auch beim 2,3er Capri III gab es nix zu nörgeln mit „Linksbremsern“.
    Tja, und das (Feind-?)Bild hat BMW ja wohl entscheidend mitgeprägt.

    Gut; der 2002 turbo hatte keine, aber die Handvoll der Klientel gönnte sich dann doch als erstes nach der Auslieferung, die in München angesichts des Reinplatzens in die Ölkrise 1973 doch verschämt zurückgehaltene „Kriegsbemalung“, den 2002 turbo Schriftzug (in Spiegelschrift, damit der Cordhutlenker auf der linken Spur beim Blick in den Rückspiegel sofort wusste wer hier das Lamm, und wer hier der Wolf ist) als erstes auf dem Frontspoiler zu installieren.

    Mit der E3 Limousine, CS / CSi war nun auch der 200 km/h Club auf deutschen Kraftfahrstrassen eindeutig besetzt. Dass das reflexartige Räumen der linken Spur beim schnittigen „Yachtbug“ mit den Doppelscheinwerfern des 6er Coupé E24 pronto erfolgte beruhigte doch schon ungemein; gerade wenn man den M 635 mal ausfahren konnte. Es war einfach unschön für den Magen (und den Oberkörper im Gurtbereich) wenn du mit einem Alpina B7 Turbo Coupé die maximalen G-Kräfte beim spontanen „Ankern“ von Vmax auf 80 Klamotten auf´fe Bahn erleben durftest, weil Paul Brause seinen Herbie so zugepackt hatte, dass er niemals zurückblicken konnte…

    Es geht / ging aber nicht nur um Highspeed. Ein Jaguar MK II mit Rechteckscheinwerfern? Da wären dreieckige wohl besser gewesen.

    Ein Rolls rollt vornehmer mit den Doppelscheinwerfern. Selbst im Lada 1600 fühlte man sich gleich vornehmer als im Shiguli, WAS-2101:-)

    Man könnte es noch weit, weiter fortsetzen; die moderneren 4-Augen Gesichter vom Daimler oder Skoda wurden ja auch schon erwähnt…

    …gehen wir weiter zu „Triple“-Scheinwerfern. Wer jemals nachts am Col du Turini mit´ner Alpine A 110 unterwegs war, schätzte wohl sechs helle Augen, die die Felswände und Schluchten etwas sichtbarer machten.

    Wer weiß, was uns die Lasertechnik dazu noch bringen wird, vielleicht die Jungs (& Deerns) bei Osram?

    • Hallo Null Zwo,
      klasse, danke für deine sehr ausfühlichen Anmerkungen. Auch wenn ich selbst immer Limousinen mit einfachen Scheinwerfern fuhr (bis auf Cadillac Eldorado und Ford LTD, die erwähnten „eckigen“) gehe ich jeden Satz von dir mit. Und beim 100 Coupé S werde ich regelrecht sentimental. Es war das erste Auto, in dem ich (als verunfalltes, zwischengelagertes Wrack) als Kind spielte und in dem ich meine ersten haptischen Erfahrungen hinter einem echten Lenkrad auf echten Fahrersitzen machen durfte. Ich verehre dieses Fahrzeug. Und ja, ohne Doppelscheinwerfer wirkt der nur halb so schnell.
      Es ist spannend, als Autor für OSRAM quasi an der Quelle der Entwicklung zu sitzen. Wie es weitergehen wird – da bin ich genau so neugierig wie du. Fritz und ich werden es euch erzählen. Bleibt neugierig!
      Jens

  • Seit frühester Jugend bin ich auf Doppelscheinwerfer fixiert. Der neue BMW 528i (E12) des Vaters meines besten Freundes sowie der Manta A meines Großvaters verbanden die Synapsen zwischen Sportlichkeit und Doppelscheinwerfer auf Ewig in meinem Hirn auf direktem Weg. Aber auch ohne Doppelscheinwerfer konnte ich damals nachts die Fahrzeuge mit hoher Treffersicherheit an den Scheinwerfern identifizieren: Hochgestellt: StrichAcht! Funzelig: 6Volt Käfer! Total verstellt: Ente ! usw usf. Ganz grausam finde ich den heutzutage serienmäßig verbauten „Bösen Blick“ – jedes Auto, und hat es nur kaltblütige 50 Diesel PS muß heute in die Welt schauen als ob es einem gleich in die Wade beißt. Furchtbar. Wo sind die niedlichen „Gesichter“ hin zu deren Freundlichkeit die Scheinwerfer maßgeblich beigetragen haben? Krönung der Verschandelung sind die neuen 4-LED-Scheinwerfern an den Porsche. Ein 911 sieht damit mehr einem Insekt oder einer Kröte ähnlich als einer automobilen Legende. Möge der Designer dafür drei Ewigkeiten in der Hölle schmoren. Grüssle Baur-eta