Cockpits. Dashboards. Kombiinstrumente. Wir Autofahrer gucken jeden Tag auf die Anordnung von Tacho, Drehzahlmesser, Uhr und anderen Instrumenten. Mal sind sie beleuchtet, mal nicht. Keiner dieser Instrumententräger gleicht dem anderen, und in den letzten 50 Jahren sind wahre Wunderwerke der mehr oder weniger geschmackvollen Cockpitbeleuchtung und -gestaltung entstanden. In dieser kleinen Reihe stellen wir euch einige davon vor. Erinnert ihr euch an die frühen 80er, als das „Telespiel“ in Form von LCD-Displays plötzlich in die Autos einzog? Opel machte es vor, keiner machte es nach …

Was für eine Zeit. Die globale Angst vor einem atomaren Erstschlag schwelte im kollektiven Zeitgeist, nach den bunten 70ern zogen kühles Neonlicht und grauer Beton in die Architektur und die lederbeschlipsten Köpfe ein. Menschen der 80er wollten Digitaluhren haben und sparten auf einen eigenen Heimcomputer. Knarzige Computerstimmen heuchelten an jeder Ecke eine massive künstliche Intelligenz vor, die heute von jeder Küchenmaschine in den Schatten gestellt wird. Und Opel war einer der mutigen und schwamm auf der digitalen Welle mit. Für einige Topmodelle bot Rüsselsheim zu dieser Zeit ein digitales Armaturenbrett an! Im Kadett GSi, im Monza und unter der Hand auch im Senator B blickten die völlig faszinierten Käufer auf bunte LCD-Displays, in denen Drehzahl und Geschwindigkeit in leuchtenden, bunten Ziffern und Balken angezeigt und die Wegstrecke mit einer mechanischen Walze gemessen wurden. Heute ist das genau andersrum.

Während auf den heimischen Farbfernsehern noch verspielte Pixelbalken zuckten, die man in Ermangelung von Alternativen als „sehr realitätsgetreue Grafik“ bezeichnete, waren die Kombiinstrumente mit LCD-Einheiten bestückt. Anders als die heute verwendeten hochauflösenden Displays oder die aktive LED-Technik konnten diese Kristalle nicht selbst Licht abgeben. Je nachdem, welche Spannung man an die Flüssigkristalle anlegte, änderte sich ihre Orientierung. Das beeinflusste die Farbe von Fremdlicht, also einer dahinter geschalteten ordinären Glühlampe. Ähnlich simpel wie ein Klappzahlenwecker wurde uns hier also eine brutal neue Technik vorgegaukelt, die am Ende einfach nur Messwerte in bunten Leuchtflächen darstellte. Öldruck, Batteriespannung, Wassertemperatur und Tankinhalt wurden durch quasi-analoge Anzeigen ausgegeben, die aus verschiedenen Segmenten bestanden. Das war kein technisches Meisterwerk, aber es war im Automobil etwas völlig Neues und wurde gleichermaßen beklatscht wie belächelt.

Das Gewohnheitstier Mensch konnte und wollte sich nicht in breiter Masse daran gewöhnen. Erst heute, wo das Smartphone wichtiger ist als der Ehepartner, kommen wieder mehr Full-HD-Displays und digitale Anzeigen in die Armaturenbretter. Analoge Instrumente wirken da inzwischen fast „gediegen“. Man beachte schicke, runde Zeituhren auf den Mittelkonsolen der Oberklasse, die wieder wundervoll mechanisch ticken. Eine Fahrt in einem alten Opel mit „Mäusekino“, wie der Volksmund das Display und den Bordcomputer liebevoll nannte, ist wie eine Zeitreise in die Welt der ersten „Star Wars“-Filme. Als die Angst vor den eigenständig arbeitenden Supercomputern des Pentagon allgegenwärtig war und man am Joystick mit kleinen, pixeligen Raketen auf größere, pixelige Raketen schoss. Der Hightech von damals wirkt heute naiv-liebenswert – wohl denen, die so etwas zu Hause in der Garage stehen haben. Wir vom Osram-Team schauen uns an, was in weiteren 20 Jahren sein wird. Denn wir sind definitiv dabei

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    • Stimmt.
      Aber hier zeige ich die vom Opel.
      Und „keiner macht es nach“ beziehe ich auf die Tatsache, dass diese Art der Instrumentierung nur kurz weilte und wieder verschwand.
      Oder hat VAG das Opel etwa nachgemacht? Oder gar Opel den anderen? 😉
      Grüße von einem, der einen 1982er Cadillac Eldorado mit *Achtung* Digitalcockpit hatte.
      Jens

    • Ich würde sogar behaupten Audi war auf dem Deutschen Markt zuerst mit dem Digitalcockpit da. Müsste 1982 im Urquattro gewesen sein.

    • Jawoll, Audi war in einigen Sachen Vorreiter.
      Ich erinnere mich an die Computerstimme, die einen dezent darauf hinwies, dass man nicht angeschnallt sei. Und auf ein paar andere Dinge, die auch mit Warnlampen realisierbar gewesen wären 😉
      Das Cockpit im Quattro war aber meine ich einfarbig. Beim Opel war es so wundervoll bunt…..
      Jens

    • Ay Snoopy,

      der Tipo kam viel später, ab 1988. Ich fand bei dem diese zwei horizontalen Ebenen klasse, in denen das KI aufgebaut war. Und wenn die Zündung aus war, sah man nix. Alles dunkel. Echt Darth Vader… 😉
      Gruß
      Jens

  • Ich fand und finde Digi-Cockpits klasse. Habe eine große Ziffer viel schneller erfasst als irgendwelche Zwischenwerte zwischen Ziffern, die nicht selten noch vom Zeiger überdeckt werden.

    • Hi Romiman,
      ich persönlich finde sie nur aus „historischen“ Gründen gut. Die meisten Menschen, ich auch, leben besser mit einer visuellen Einschätzung der Verhältnisse. Also wenn die Nadel links auf der 50 steht, dann weiß man auch aus dem Augenwinkel, dass man nicht so schnell unterwegs ist. Bei Zahlen geht das ja nicht.
      Aber wenn das bei dir fein ist – dann ran ans digitale Cockpit 😀

      Jens