Die Grundform von Scheinwerfern an Autos blieb über Jahrzehnte ähnlich und erlebt erst jetzt durch den Einsatz von LEDs eine gestalterische Renaissance. Allerdings hat man sich an den Rücklichtern schon immer gern ausgetobt. Zwischen den 50ern und heute liegen viele Auf- und Abbewegungen in Größe, Form und Funktion. Der Osram Autolichtblog hat sich auf die Reise gemacht und zeigt euch alte, vergessene und neue Lampenformen. Denn auch „ein Rücken kann entzücken“. Das Heck eines Fahrzeugs mit seinen Rückleuchten ist mindestens so charakteristisch wie seine Front. Eines der exotischsten Autos in Deutschland kann gestalterisch eine Vorreiterrolle einnehmen – der Lancia Thesis hatte ab 2002 so schmale Rückleuchten, dass keine herkömmlichen Lampen reinpassten. Also verbaute man schon damals konsequent LEDs.

Während die Überschrift irgendwie an einen Pharaonenfilm aus den 60ern erinnert, sieht auch die Oberklasselimousine Thesis aus, als käme sie nicht ganz von dieser Welt. Der italienische Autobauer Lancia bewies Mut und kombinierte zwischen 2002 und 2009 gewagte Retro-Optik und komfortable High-Tech zu einer agilen, aber rustikal anmutenden Stufenheck-Limousine. Da war alles drin, was der bequeme Reisende sich wünschen kann. Dreistufen-Klimaautomatik, Massagesitze, Elektronisches Fahrwerk, BOSE Soundsystem, Leder, Magnesium und Holz. Nach vorn erhellten ungewöhnlich geformte Bi-Xenonscheinwerfer den Highway. Hinten wiederum zeichneten die Designer so schmale, so ungewöhnliche Stableuchten ins Heck, dass in ihnen keine herkömmlichen Glühlampen Platz fanden. Also wurden hier von Anfang an LEDs verbaut, was besonders schön aussieht – und exotische Ersatzteile besonders teuer macht. Gar nicht wegen der LEDs, sondern weil es einfach so gut wie keine mehr zu kaufen gibt.

Es mag Geschmacksache sein, ob einem ein Thesis gefällt. Sicherlich haben sich auch viele potenzielle Käufer an den Exoten schlicht nicht herangetraut, sodass insgesamt nur rund 18.500 Limousinen produziert wurden. Nach Deutschland gelangten nur ein paar mehr als 1.300 Stück, gegen Ende der Produktion wurden im ganzen Jahr weniger Fahrzeuge zugelassen als vom 5er BMW an einem einzigen Tag. Das erklärt die Preise für gebrauchte Ersatzteile. Für ein einzelnes gebrauchtes Rücklicht legt man heute durchaus 160 € auf den virtuellen Tresen, wenn der Kunststoff Risse hat oder gesplittert ist, winken Schnäppchen für 120 €. Puh. Also wohl denen, die einen haben und ihn pflegen. Einer von ihnen ist mein geschätzter Kollege und Autofreund Lars Jakumeit, dessen Rücklichter hier abgebildet sind.

Was einen Lancia Thesis, neben all seinen technischen Finessen, so einzigartig macht, ist eben dieses mutige Design. Lancia ging es bei der Oberklasse damals nicht darum, die Massen zu begeistern. Man wollte die einzelnen Käufer zufriedenstellen. Wirtschaftlich ging das in die Hose, denn auch ein mutiger Designer möchte seine Pizza bezahlen können. Historisch baute man in Turin ein kleines Meisterwerk. Alles ist stimmig, filigran und gut beleuchtet – was danach mit dem Thema vorgestellt wurde, ist ein Abziehbild eines Chryslers. Schade.
Aber Augen auf im Straßenverkehr. Wenn euch einmal ein Thesis begegnet, werdet ihr ihn sofort erkennen. Wenn es draußen hell ist, aber erst recht, wenn sich die Nacht über das Land gesenkt hat und die außergewöhnliche Limousine ihre Besitzer an Orte fährt, die wir nur erahnen können.

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