Die Grundform von Scheinwerfern an Autos veränderte sich über Jahrzehnte kaum und erlebt erst jetzt durch den Einsatz von LEDs eine gestalterische Renaissance. Allerdings hat man sich an den Rücklichtern schon immer gern ausgetobt. Zwischen den 50ern und heute liegen viele Auf- und Abbewegungen in Größe, Form und Funktion. Der Osram Autolichtblog hat sich auf die Reise gemacht und zeigt euch alte, vergessene und neue Lampenformen. Denn auch „ein Rücken kann entzücken“. Das Heck eines Fahrzeugs mit seinen Rückleuchten ist mindestens so charakteristisch wie seine Front. Und die gerippten oder geriffelten Rückleuchten von Mercedes haben ganze Generationen von Straßenbildern geprägt.

Das Automobil polarisiert wie kein zweites Alltagsobjekt. Wie so oft scheiden sich die Geister beim Thema Schönheit und die Erfahrungswerte kollidieren beim Nutzen. Bei der Generation von Rückleuchten, die Mercedes-Benz in den frühen 70ern in allen seinen Fahrzeugen einführte, bleibt mindestens ein Wiedererkennungswert hängen: Sie sind stark konturiert, geriffelt, gerippt, allein hier weiß man nicht so recht, wie man das eigentlich nennen soll. Die S-Klasse der Baureihe W 116 machte es 1972 wieder einmal allen vor, andere Modelle zogen nach. Große Rückleuchten, die nicht glatt waren, sondern aus einem horizontalen Rippengebilde bestanden. In den Prospekten wurden sie als neues Sicherheitsdetail eingeführt, da sie nicht so stark verschmutzen sollten wie die glatte Variante. Auch hätten sie bei einer Verschmutzung immer noch eine bessere Lichtausbeute nach außen. Klasse Sache?

Die Fans der über Jahrzehnte beibehaltenen, mehr oder weniger stark ausgeprägten Formgebung sind sich heute vor allem darüber einig, dass es sich um ein gelungenes Design mit Wiedererkennungswert handelte. Bis in die 2000er-Jahre hinein wurden die geriffelten Kunststoffgläser beibehalten, noch heute finden sich Andeutungen davon als Designelement in den aktuellen Limousinen. Bei der weniger starken Verschmutzung oder der Lichtausbeute teilen sich die Meinungen. Anders als beim Vorgänger mit glatten Rücklichtern (vor allem beim „Strich 8“, also den Baureihen W 114 und W 115, war der optische Wechsel bei der großen Modellpflege 1973 hart) ließen sich nun verschmutzte Leuchten an der Tankstelle nicht mehr mit einem einzigen Wisch säubern, dazu musste filigraner in die Ritzen gestochert werden. Oder der sonntägliche Griff zum Dampfstrahler fiel ein wenig zeitaufwendiger aus. Auch setzten sich Schmutzpartikel bei längerer Vernachlässigung dauerhaft fest. Wer erinnert sich nicht noch an die 200er Diesel „Wanderdünen“, deren linkes Rücklicht über dem Auspuff grundsätzlich rabenschwarz und trübe war?

Designer der Zeit wie Paul Bracq arbeiteten mit den Ingenieuren zusammen. Gute Ideen wurden konsequent umgesetzt und prägten das Gesamtbild der Fahrzeuge mit. Die Rillen bei den etwas kleineren Rücklichtern der T-Modelle fielen grundsätzlich weniger konturiert aus. Bis in die Baureihe W/S 210 waren die Riffel noch da, später konnten sie nur als angedeutete Hommage ausgemacht werden, die einen Effekt, wenn es je einen gab, nicht mehr hatten. Aber egal, ob sie wie die schmutzfreien Seitenscheiben einen Nutzen hatten – die Rillen der Rückleuchten sind ein wundervolles Stilmittel gewesen, was der Sternenflotte in den 70ern und 80ern ein klares Gesicht gab. Zudem war ein Lampenwechsel von innen mit drei Handgriffen getan. Schöne neue Welt.

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