Oh, was ist das denn für ein Auto…?“ Schwer zu sagen im neuen Jahrtausend. Mit einigen Ausnahmen. Es gab eine Zeit, da haben sich die verschiedenen Automarken auch optisch markant voneinander unterschieden. Und es gab und gibt noch immer Fahrzeuge, die sich von allen anderen in der Menge abheben – nicht zuletzt durch das Design und die Anordnung ihrer Scheinwerfer. Wir schließen diese Reihe ab mit dem Auto, das mir als Kind am meisten Angst gemacht hat. Ein 1958er Plymouth Fury, bekannt aus der Verfilmung von Stephen Kings Roman „Christine“. Wenn der (oder die…?) einen anguckt, gefriert einem das Blut in den Adern!

Nein, dieses Auto hat man hierzulande wahrlich nicht oft im Rückspiegel. Drüben in Nordamerika auch nicht mehr – dazu ist der Wagen zu alt. Aber wenn! Und wenn man in den 80ern den Film von John Carpenter gesehen hat! Dann… ja, dann packt einen die Angst, mehr als bei jedem anderen Autogesicht. Im Film von 1983 geht es um die Liebe eines nerdigen Teenagers zu einem alten, anfangs runtergekommenen Plymouth Fury. So ein Flossenkreuzer, mit dem nicht alles ganz koscher ist. Nach und nach räumt der Wagen mit dem Namen „Christine“ in nächtlichen Aktionen jeden aus dem Weg, der sich mit seinem jugendlichen Besitzer angelegt hat. Die dabei erlittenen Schäden heilt das böse Auto selbst. Irgendwann kommt Arnie, sein Besitzer, dahinter. Er steht in der dunklen Halle, hat das völlig zerstörte Wrack seines geliebten Autos vor sich und flüstert in die Dunkelheit: „Los, zeig’s mir, Christine…“ Die Scheinwerfer blitzen abrupt auf und zu düsterer Musik (übrigens von Carpenter selbst komponiert) knickt und faltet sich der Wagen wieder zu ursprünglichem Glanz auseinander – und macht dann Jagd auf diejenigen, die ihm das „angetan“ haben.

Es ist unfassbar gruselig, diesem Auto nun leibhaftig gegenüber zu stehen. Ich habe den Film mit zwölf Jahren mehrmals im Kino gesehen und mich anschließend nach jedem Opel Rekord und jedem VW Passat umgedreht, der in der Dämmerung hinter mir und meinem Fahrrad auftauchte. Das prägt. Mein Kumpel Andreas Schmidt, dem der Fury gehört, hat sich an die Reaktionen gewöhnt und zeigt Humor. Auf dem Rücksitz liegt Chucky, die Mörderpuppe. Dann geht plötzlich das Licht aus und Andreas murmelt irgendetwas von „nanu, was ist denn jetzt passiert…?“ Der gewaltige, goldene V8-Motor startet in der Dunkelheit und die Doppelscheinwerfer strahlen mich an. WAAAHHH! Gänsehaut. Christine, das ist Christine! Gut, dass ich ihr nichts getan oder mich zwischen sie und Andreas gedrängt habe. Eifersüchtige Frauen… das geht selten gut.

Andreas‘ Christine wird in der Mitte Deutschlands, in der Nähe des Neandertals, fast täglich gefahren. Auf jedem Oldtimertreffen ist der junge Mann mit dem bösen Auto der Star. Die Doppelscheinwerfer sind nach dem Import im Zuge der Umrüstung auf EU-Richtlinien umgebaut worden. Sealed Beams sind hier verboten, dafür leuchten jetzt feine helle H4-Lampen in den ehrwürdigen „Augen“. Das macht das Licht allerdings nicht weniger gruselig. In Zeiten des „bösen Blicks“ bei vielen Fahrzeugherstellern ist der alte Plymouth wieder voll im Trend. Er „guckt“ auch böse. Und dazu braucht er keine comichaft nach unten gezogenen Augenbrauen, das macht er einfach so. Mit seinen Augen, seinen Zähnen und seiner schlichten Masse. Also, passt auf euch auf!

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    • Hallo Jürgen,

      ja, es hat sie so nie gegeben. An anderer Stelle wurde ich auch schon darüber „belehrt“, dass das ja gar kein Fury sei, sondern ein Savoy. Weil es den Fury in der Farbe in diesem Jahr so nicht gegeben hat.
      Weiß ich. Es geht ja auch nicht um vergleichende Korrektheit, sondern um einen Roman. Und Stephen King hat nun einmal einen Plymouth Fury fahren lassen, und zwar einen roten. Dass es auch im Film alles Savoys waren, weil die viel billiger zu bekommen waren – wen interessiert es? 😉

      Fassen wir zusammen: Ja, ich könnte mir den Wagen auch immer und immer wieder anschauen…
      Jens