Es ist draußen schon dämmerig, das Reisebrötchen wurde zwischen Kiel und Hamburg komplett aufgegessen – aber meine kleine Tochter will noch nicht aussteigen. Sie mag das Auto, die Musik aus dem Radio und die vielen leuchtenden Schalter bei Papa um das Lenkrad rum. Ob sie mal zu mir nach vorn dürfe? Ja, klar. Wir parken, der Motor ist aus – da kann die kleine, viertelfinnische Thronfolgerin natürlich gern mal auf den Fahrersitz, ihrer Neugier freien Lauf lassen. Sie kommt zwischen den vorderen Fauteuils durchgeklettert, nimmt hinter dem für sie viel zu großen Lenkrad auf meinen Oberschenkeln Platz und guckt mit riesengroßen, begeisterten Augen auf die vielen Lämpchen und Schalter rund um sie herum. So viele sind es ja gar nicht, wenn ich das mit neuen Autos vergleiche, aber mit vier Jahren („Papa! Viereinhalb!“) liegen die Dimensionen noch anders.

Sie sind dezent, bernsteinfarben beleuchtet, die kleinen elektromechanischen Schalter in dem Mercedes, der zwölf Jahre vor ihrer Geburt gebaut wurde. Mit einigem Respekt drückt sie ein paar Knöpfe und dreht an ein paar Drehschaltern. Den dicken runden für das Gebläse mag sie besonders gern, der ist nämlich so schön warm. Hm. Ja. Glühlampen, meine Kleine, wie soll ich dir das erklären? Da wandert Strom durch einen ganz dünnen Draht, der in einer kleinen Glasflasche steckt. Und der wird dann so heiß, dass der anfängt zu glühen. Der meiste Strom sorgt dabei dafür, dass drumrum alles wärmer wird. Aber ein bisschen von dem Strom wird dann auch zu Licht. Und das kannst du hier sehen. Damals haben die alle Lampen so gebaut, nicht nur in den Autos. Heute gibt es viel schönere und viel hellere Lampen, und die werden auch nicht so heiß und brauchen auch nicht so viel Strom. Verstehst du?

Sie nickt wissend und drückt verschmitzt auf den roten Warnblinker. Den kennt sie. Als sie vor ein paar Wochen allein und ohne Zündschlüssel hier am Steuer saß, war das der einzige Knopf, der was gemacht hatte. Außerdem ist der so schön rot. Sie feierte das seinerzeit damit, dass sie den gesamten Vorrat an Gummibärchen im Türfach auffutterte. Heute wandern ihre Blicke weiter, über die Tasten am Lenkrad, mit denen sich andere Musik anmachen lässt. Spannend. Wenn sie hier vor sich drückt, passiert ganz woanders was. Manchmal passiert auch nichts. Und bei der kleinen, roten LED am Schalter der Klimaanlage ist das Ergebnis eher enttäuschend. Die macht es nur kalt oder warm, wenn der Motor an ist. Na gut. Aber die Fenster lassen sich herrlich rauf und runter fahren, die Schalter sind ebenfalls schön warm, der Frühherbst kann ansonsten gern draußen bleiben.

Ich sauge morgen mal die ganzen Krümel hier vorn weg. Wie unangenehm. Meine drei Mädchen (ich habe noch zwei ganz große) sind alle schon sehr früh mit viel Neugier und Begeisterung an „das Auto“ herangegangen. Und ich habe sie gelassen, sogar unterstützt in ihrem Forscherdrang. Knöpfchen drücken, Licht an und aus, am Lenkrad drehen. Es sind (und werden) sehr autoaffine Damen. Die Große hat seit drei Jahren ihren Führerschein, die Mittlere macht ihn gerade. Und die kleine Viertelfinnin hier – nun, wenn sie so weit ist, dann werden Autos von innen und außen sicherlich noch einmal ganz anders aussehen als heute. Ein spannendes Thema. Aber beleuchtete Schalter werden die dann wohl auch noch haben. Oder Touch-Displays. Wir werden sehen, und sowohl Osram als auch meine (noch) kleine Tochter sind definitiv mit dabei.

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  • Ich denke wenn die Kleene soweit ist gibt es keine Schalter und Knöpfe mehr. Mit ein bischen Glück noch große Touchscreen Oberflächen die die Kinder dann mit ihren eiskrem-gummibärchenverschwitzten Patschhändchen vollsauen können……aber der Rest wird Gestensteuerung sein. Nix mehr anfassen oder berühren, nur noch rumfuchteln wie beim Fliegen scheuchen um seinen Willen zu diktieren.?

    Ich persönlich freue mich auf diese ferne nahe Zukunft nicht so sehr, habe schon Probleme genug mit der aktuellen meines Arbeitgebers : Touchbedienung am Radio, kaltes glattes Zeugs ohne wirkliche Rückmeldung über das Gewünschte oder Ausgeführte. Mal schnell Lautstärke runter…..wo ist der Drehknopf ? Bevor ich das entsprechende Touchfeld am Radio finde ist eher noch die entsprechende Taste am ohnehin überfrachteten Multifunktionslenkrad erreicht.
    Schnelles Schalten der Gänge bzw. schnelles Hinlangen zum Schalthebel beantwortet der Golf stets mit Sender-oder Titelwechseln dank Annäherungssensor und Gestensteuerung durch „Wischbewegung“.
    Einfach nur grauenvoll, dies neue Autofahren.
    Schön daher das dein glückliches Kind noch Schalter, Knöpfe und Drucktasten kennenlernen darf und auch will. Ich kenne genügend andere die sowas völlig kalt lässt, aber anfangen zu sabbern sobald sie ein Feld zum Wischen oder touchen sehen.

    • Hey Jo,

      ich bin prinzipiell deiner Meinung, aber trotzdem neugierig, wie die automobile Zukunft aussehen wird. Kinder heute wachsen mit berührungsintensiven Displays auf, die werden ihnen quasi in die Wiege gelegt. Da kommen wir mit unseren 70er Jahre Wurstfingern einfach nicht hinterher.

      Ich freue mich über meinen Verbrennungsmotor und die dicken Knöpfe im Taunus und im Daimler. In meinem Leben werde ich wohl nicht mehr umdenken müssen. Aber dranbleiben will ich trotzdem. Mein Telefon hat ja auch keine Wählscheibe mehr 😉

      Beleuchtete Grüße
      Jens