Vor genau 50 Jahren war ein Großereignis in der Geschichte des Straßenverkehrs. Als vorerst letztes Land von Bedeutung wechselte Schweden von Links- zu Rechtsverkehr. Das hatte durchaus etwas mit Autolicht zu tun.

Der 3. September 1967 war wie 2017 ein Sonntag. Wie am Wochenende üblich, war auf den meisten Straßen wenig los. Man kam gut voran. Außer in Schweden. Dort galt schon ab 1 Uhr morgens ein Fahrverbot für die meisten Autos. Um 4.50 Uhr mussten auch alle Fahrzeuge mit Sondergenehmigung anhalten. Auf ein Signal im Radio durften sie erst um 5 Uhr wieder losfahren – dann aber auf der rechten Straßenseite. Schweden hatte von Linksverkehr auf den in allen Nachbarländern und im gesamten Kontinentaleuropa verbreiteten Rechtsverkehr umgestellt.

Es war ein beispielloser Kraftakt. Viele tausend Kreuzungen mussten umgebaut werden. Verkehrsschilder wanderten zum anderen Straßenrand. Die gelben Fahrbahnmarkierungen wurden weiß, damit sich die Verkehrsteilnehmer im eher schwachen Verkehr auf dem Land ständig an die neue Regel erinnerten.

Der 3. September 1967 heißt bis heute H-Tag, benannt nach dem ersten Buchstaben des schwedischen Worts „Högertrafikomläggningen“ für Rechtsverkehrsumstellung. An ihm war der Verkehr erst einmal eingeschränkt und nur mit sehr beschränkter Geschwindigkeit zugelassen. Besitzer von Privatautos konnten den Tag nutzen, um zwei Aufkleber von ihren Fahrzeugen zu entfernen. Die Sticker deckten einen Teil der Scheinwerfer ab. Es war jener, der das Abblendlicht auf dem rechten Straßenrand betont. Die Schweden hatten sich in Vorbereitung neue Scheinwerfer für den Rechtsverkehr kaufen müssen. Abblendlicht ist nämlich seit etwa 1960 asymmetrisch, leuchtet den eigenen Fahrbahnrand stärker aus als die Gegenfahrbahn. Die alten Scheinwerfer für Linksverkehr hätten ab dem 5. September 1967 den Gegenverkehr massiv geblendet. Die neuen – für Rechtsverkehr – wiederum wären in den Wochen vor der Umstellung im Noch-Linksverkehr für Entgegenkommende lästig gewesen. Deshalb waren jene Teile der Streuscheibe abgedeckt, die für den asymmetrischen Teil der Lichtverteilung zuständig sind. „Darf nicht vor dem 3. September 1967 abgezogen werden“, stand auf der lichtdichten Selbstklebefolie.

Die Umstellung auf Rechtsverkehr war insgesamt noch recht billig zu bekommen. Das galt auch für die Neuanschaffung der Scheinwerfer. Nur zwei preisgünstige runde Standardtypen passten in nahezu alle Autos. Die Designer hatten sich noch nicht auf das Licht gestürzt und für jedes Modell einen eigenen Scheinwerfer verlangt. Heute würde der Umbau bei so manchem Auto einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten.

Wesentlich erleichtert wurde die Einführung des Rechtsverkehrs übrigens durch eine Besonderheit des Landes. Die Autos hatten in Schweden schon in der Linksverkehrszeit immer das Lenkrad auf der linken Seite. Das lag am großen Marktanteil amerikanischer Wagen, die in dieser Zeit gar nicht mit Rechtslenkung zu bekommen waren. Und weil der Ausstieg auf der Bordsteinseite so bequem erschien.

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