Für viele deutsche Autofahrer scheint die Sache klar: Der TÜV legt fest, was am Auto leuchten darf. Hier wie in anderen Ländern gibt es vielleicht sogar den Glauben an die Zuständigkeit der Polizei. Doch es ist ganz anders.

Alles, was außen am Auto leuchtet, muss genehmigt sein. Aber von wem und nach welchen Regeln? An Tuning interessierte deutsche Autofans schauen für letztere gern in ein Gesetzeswerk namens Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO). Darin steht so einiges zum Licht, aber man kann sich die Lektüre sparen. Denn diese auch von Polizisten immer noch geschätzte Informationsquelle ist bei Scheinwerfern und Leuchten nicht mehr up to date. Die entsprechenden Abschnitte sollen schon seit über zehn Jahren gestrichen werden, aber die Mühlen der Bürokratie mahlen auch in diesem Fall langsam.

Wie das Licht am Auto auszusehen hat, legen schon seit langem praktisch nur noch die Regeln der Economic Commission for Europe (ECE) fest. Zwar gern für eine Institution der Europäischen Union (EU) gehalten, ist sie aber eine Unterorganisation der Vereinten Nationen (UN). Den ständigen Verwechselungen leid, nennt sie sich deshalb inzwischen gern UNECE.

Nun bekommen die Mitglieder dieser Kommission keine Scheinwerfer, Rückleuchten und Lampen auf den Tisch, verbunden mit der Bitte, sie zu genehmigen. Die Stempel knallen immer noch Behörden unter die Erlaubnis-Papiere. Da die Ämter aber meist keine so große Ahnung von der Technik haben, überlassen sie die praktische Seite Prüfstellen. Die darf man sich dann irgendwie ähnlich wie die bekannten Einrichtungen von TÜV, Dekra & Co. vorstellen – nur, dass es davon viel weniger gibt. Für Deutschland sind es drei.

An eine davon schicken Hersteller von – wie es im Amtsdeutsch so (un-)schön heißt – lichttechnischen Einrichtungen Prototypen ihrer neuen Produkte zur Begutachtung. Gemeint sind nicht nur Scheinwerfer, sondern beispielsweise auch Lampen und Reflektoren. Die Prüfstellen bekommen bei Lampen fünf Muster und bei Scheinwerfern zwei. Die Experten vermessen die Teile penibel und überprüfen sie auf die Einhaltung aller Regeln der ECE. Stimmt alles, landet die entsprechende Aussage in einem Gutachten. Das allein ist noch keine Genehmigung.

Diese kommt von einer Zulassungsbehörde aus einem der rund 60 Mitgliedsstaaten der ECE. 60? So viele Länder gibt es doch gar nicht in Europa! Richtig, unser Kontinent hat selbst inklusive aller Kleinstaaten nur 47. Aber ECE-Regelungen werden inzwischen in aller Welt angewandt. Deshalb ist es gut möglich, dass eine in Korea hergestellte Lampe das deutsche Prüfzeichen E1 trägt. Die Genehmigung stammt dann von Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg. Umgekehrt kann ein in Deutschland produzierter Scheinwerfer in Luxemburg genehmigt worden sein, was gar nicht selten ist und am Zeichen E13 zu erkennen ist. Sehr gebräuchlich sind auch Zulassungen aus Frankreich (E2) und Italien (E3). Entsprechend markierte Teile sind in Deutschland hundertprozentig legal; eine einheimische Genehmigung ist nicht notwendig. Auch sind Rückschlüsse auf die Qualität über das Herkunftsland des E-Zeichens nicht angebracht. Die beste Gewähr für eine noch über die Mindestanforderungen der EECE hinausgehende Performance ist Markenware.

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