Was einmal im Jahr in Schweden passiert, ist eigentlich nicht in Worte zu kleiden. Europas größtes Treffen von klassischen US Cars tobte drei Tage lang auf dem Johannisbergs Airfield, drumrum wurde gezeltet, gefeiert und vor allem: gecruised. Schlimmes Wort, Entschuldigung, es gibt keine sinnvolle deutsche Übersetzung. Schweden, Dänen, Finnen, Deutsche und allerhand weitere von weit her angereiste Benzinköpfe feierten vom 6. bis 8. Juli 2017 den Neustart der größten automobilen Party der Nordhalbkugel, und wir waren mittendrin. Dieses Mal nicht mit dem ganzen Osram-Team, dieses Mal inkognito in einem 1969er Cadillac DeVille. Mit dem braven Sedan fielen wir zwischen den wilden Wikingern allerdings gar nicht auf.

Nachdem das seit 1978 stattfindende „Power Big Meet“ im vergangenen Jahr zu groß geworden war und die Cruiser wie ein Heuschreckenschwarm über die kleine Stadt westlich von Stockholm zogen, ist die Veranstaltung in diesem Jahr nach Lidköping umgezogen. Das störte aber die meisten nicht – man fuhr trotzdem nach Västerås, wo sich der Event nun „Summer Meet“ nennt. Wer die begehrten Plätze auf den Fähren und ein kleines Stück bewohnbaren Rasen in der Nähe des Veranstaltungsplatzes ergattern konnte, war nach 1.000 gefahrenen Kilometern ganz vorn mit dabei und erlebte eine ganze US-Car-Nation außer Rand und Band. Viele autobegeisterte Schweden leben das ganze Jahr nur für dieses Wochenende, und entsprechend ausgelassen ist die Party dann vor Ort. Mehr Amischlitten auf einem Haufen gibt es vermutlich nicht einmal in den USA.

Tagsüber fand auf dem Flugplatzgelände das übliche Eventprogramm statt: Live-Rockabilly-Musik, Pokalvergabe für die schönsten Autos, eine Lifestyle Corner mit lustigen Friseuren, die euch und eure Haarpracht in die 50er zurückbeamten, ein Swapmeet (also eine große Ersatzteilmeile), eine Car Care Corner mit allerhand Politur und ein Cruising-Wettbewerb der 200 schönsten Fahrzeuge.

Der Abend wiederum gehörte der Eventmeile beim Hälla Shopping, ein paar Kilometer entfernt. Musik, Essen, Trinken (in Schweden gilt 0,0 Promille, das wird auf allen Straßen von der Polizei pustend nachgeprüft und sehr ernst genommen) und der vollkommen irre Legal Burnout. Auf einer abgesperrten und gesicherten Piste konnten alle, die Bremsen und Gaspedal im Griff hatten, ihren privaten Hinterrädern mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Ballernde Motoren am Drehzahlrand, brennendes Gummi, Qualm und Tausende applaudierende Zuschauer entlang der Strecke ließen jedes Drag-Herz schneller pochen.

Nach einem langen Tag im automobilen Grenzbereich ging der Rückweg zu den Zeltplätzen für alle per Cruising-Korso im Schritttempo durch die nächtlich beleuchtete Stadt Västerås. Die Straßenränder waren gesäumt von feiernden, applaudierenden Menschen. Überall bumsten Bässe, schwedischer Country und finnische Kinderlieder aus den Autos, Party People saßen in Kofferräumen, auf Dächern und Motorhauben und genossen die laue Nacht zwischen allen anderen. V8-Triebwerke und Automatikgetriebe ließen die hell beleuchteten Riesenschiffe gemächlich in den Hafen mit den Zelten gleiten. Licht wurde hier großgeschrieben. Am Auto, unter dem Auto, im Auto. Vielleicht will man damit der fast ein halbes Jahr andauernden Dunkelheit Paroli bieten. Rollende Discos, hopsende High Jackers, auf dem Boden schleifende Low Rider. Und überall die „Raggare“, eine Subkultur mit völlig runtergerockten Rostkarren, die der Hot-Rod-Szene zuzuordnen ist und die amerikanische Pop-Kultur der 50er-Jahre abfeiert. Wir verbrachten die drei schleichenden Stunden zurück entspannt auf der Ladefläche eines Pick-ups und freuten uns über Besuche von Schwedinnen, Finnen, Norwegern und anderen Menschen mit Hörnern am Helm. Hop on, hop off.  Wenig Schlaf, drei Tage lang. Wessen Herz irgendwie für amerikanische Autos und große Partys schlägt, dem sei gesagt – hin da im Jahr 2018!

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