Das nächste große Ding beim Autoscheinwerfer heißt Pixellicht. Es ermöglicht eine Vielzahl von Lichtverteilungen. Das jetzt vorgestellte Liquid Crystal HD bietet dank eines neuen technischen Ansatzes mit 30.000 Pixeln nahezu unendlich viele. Die meisten Autos auf unseren Straßen haben nur zwei oder drei sogenannte Lichtverteilungen. Alle müssen Fern- und Abblendlicht haben. Nebellicht ist freiwillig, aber viele Autos haben entsprechende Scheinwerfer. Im täglichen Verkehr passt oft keine der drei Lichtverteilungen hundertprozentig. Deshalb fährt der mitteleuropäische Autofahrer 97 Prozent der Zeit mit Abblendlicht, obwohl viele Stellen, ohne jemanden zu stören, mehr Licht abbekommen könnten. Zum Beispiel Hindernisse auf der Straße.

Pixellicht kann das ändern. Eine Kamera analysiert ständig die Verkehrssituation vor dem Auto und steuert die Beleuchtung. Alle Stellen, an denen kein menschliches Auge geblendet wird, bekommen das volle Licht. Dazu setzen diese Scheinwerfer eine Vielzahl einzelner Lichtquellen ein, von denen jede eine ganz bestimmte Region anstrahlt. Ideal dafür sind LEDs. Aktuell schon angebotene Scheinwerfer haben zwischen unter 20 und knapp hundert LEDs in einer Matrix-Anordnung, weshalb solche Systeme auch Matrixlicht genannt werden. Mit ihnen ist schon einiges an Ausblenden und Ausleuchten möglich. Ein paar Dutzend bis Hunderte Lichtverteilungen, vielleicht.

So richtig scharf wird das Pixellicht aber, wenn viel mehr, dafür kleinere einzelne Lichtflächen zur Verfügung stehen. Dann kann das System beispielsweise ein zu stark reflektierendes und damit den Fahrer störendes Verkehrsschild schwächer oder gar nicht anleuchten.

Die Idee und das Pixellicht sind überhaupt keine neue Sache. Schon in den 1990er-Jahren dachten Entwickler daran, das Prinzip eines Diaprojektors auf das Autolicht anzuwenden. Doch erst LEDs und Digitaltechnik machten das Pixellicht serienreif. Vor rund zwei Jahren präsentierte Osram zusammen mit Daimler und dem Scheinwerferhersteller Hella das Micro Advanced Frontlighting System (µAFS). Es bietet immerhin schon rund 3.000 Pixel pro Scheinwerfer, die alle einzeln angesteuert werden können. Jeder Pixel entspricht dabei einer LED von Osram.

Hella hat jetzt ein neues Prinzip vorgestellt. Es heißt Liquid Crystal HD. Die namensgebenden Flüssigkristalle („Liquid Crystals“) deuten auf eine LCD-Anzeige hin, die zwischen den LEDs und der Linse des Scheinwerfers angeordnet ist. Solche von anderen Anwendungen bekannten LCD-Displays können ja nahezu durchsichtig sein, angesteuert aber einzelne Stellen abdunkeln – in üblichen Anwendungen beispielsweise in modernen Fernsehern oder Computerbildschirmen. Im „Liquid Crystal HD“-Scheinwerfer dunkelt das „Display“ das Licht einzelner LEDs ab. Die Technik kann das so fein, dass sie jede einzelne Lichtquelle in ganz vielen einzelnen Sektoren ausblenden oder durchlassen kann. Aus den nur 25 Hochleistungs-LEDs des Hella-Systems werden auf diesem Weg rund 30.000 Pixel.

Damit lassen sich nicht nur sehr viele Lichtverteilungen sehr fein abgestuft herstellen. Die Entwickler träumen von Erweiterungen wie dem Projizieren von Anzeigen auf die Straße. Zebrastreifen und Radspuren könnten mit Licht hervorgehoben werden. Schlecht oder gar nicht beleuchtete Fußgänger und Radfahrer würden per Anleuchten besser und vor allem früher sichtbar. Noch weiter geht die Idee, Hinweispfeile des Navigationssystems auf die Straße zu projizieren oder gar Informationen aus dem Telefon wie „Anruf von xyz“.

Doch hier beginnen die Unwägbarkeiten. Solche Anwendungen werden von den für die Vorschriften zuständigen Gremien sehr zurückhaltend gesehen. Schließlich würden alle Verkehrsteilnehmer die Hinweise wahrnehmen und sie möglicherweise verwirren. Noch sind diese Erweiterungen nirgends erlaubt.

Auch sind vor einer Serieneinführung noch Probleme zu lösen. Das LCD-Display schluckt auch an den nicht gedimmten Stellen Licht. Vor allem aber sind die hohen Anforderungen an Hitze- und Kältebeständigkeit eine Herausforderung für die Firma Merck, die das Display entwickelt. Es dürfte noch rund zweieinhalb Jahre dauern, bis das Liquid Crystal HD auf der Straße ist. Sicher scheint nur, dass das in einem Porsche sein wird. Der Sportwagenhersteller ist nämlich Partner von Hella bei der Entwicklung.

Schon jetzt zeigt das Lichtunternehmen in einem Werbe-Video einige Details der Technik.

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder