Die Grundform von Scheinwerfern an Autos blieb über Jahrzehnte ähnlich und erlebt erst jetzt durch den Einsatz von LEDs eine gestalterische Renaissance. Allerdings hat man sich an den Rücklichtern schon immer gern ausgetobt. Zwischen den 50ern und heute liegen viele Auf- und Abwärtstrends in Größe, Form und Funktion. Der Osram Autolichtblog hat sich auf die Reise gemacht und zeigt euch alte, vergessene und neue Lampenformen. Denn auch „ein Rücken kann entzücken“. Das Heck eines Fahrzeugs mit seinen Rückleuchten ist mindestens so charakteristisch wie seine Front. Den Anfang macht das kleine, unscheinbare Quadrat eines Ford aus den 70ern.

Die Straßen füllten sich nach und nach. Auch wenn die 70er von den ersten echten Ölkrisen gebeutelt wurden – man fuhr Auto. Zur Arbeit, ins Wochenende, mit der Familie in den Urlaub. Die knopfgroßen Katzenäuglein (die noch in den 60ern das Heck vieler Personenkraftwagen mit 6-Volt-Lämpchen illuminierten) genügten nicht mehr, sie waren nicht gut zu sehen und von Motorrädern kaum zu unterscheiden. Autos wurden größer, komfortabler und schneller. Eine „neue Klasse“ wurde geboren, und wenn vorn schon moderne H4 Scheinwerfer die Nacht zum Tag machten, sollte ein Fahrzeug auch von hinten zu sehen und gar auch zu erkennen sein. Ford in Köln hat das ganz unaufgeregt vorgemacht. Blinker, Licht, Bremslicht und Rückfahrscheinwerfer. Einer links, einer rechts. Das war’s dann auch schon in der Mittelklasse.

Die handelsüblichen Lampen mit einem Sockel, der auf den Namen BAY15D oder Ähnliches hört (viele nennen ihn einfach „Bajonettsockel“), stecken in einem Träger aus Kunststoff. Keine metallenen Reflektoren, keine farbigen Lampen, nur eine Dichtung und ein orange und rot gefärbtes Deckglas – ebenfalls aus Kunststoff. Dass hier so wenig Metall außerhalb der Lampenfassungen verwendet wurde, hat den großen Vorteil, dass auch im hohen Alter keine Kriechströme, Massefehler oder Kurzschlüsse auftauchen können. Während bei anderen Herstellern gern mal das gesamte Rücklicht beim Abbiegen blinkt, fallen hier maximal die einzelnen Lampen bei zu viel Korrosion auf den Kontakten aus. Dann gibt es in jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle preiswerten Ersatz. Immer noch, und sehr oft von Osram. Die Kontakte im Träger kann man mit einem Schraubendreher oder feinem Schleifpapier wieder blank schmirgeln.

Damit keine Zweifel aufkommen, sind die Leistungsdaten direkt neben die Fassungen in den Kunststoff gestanzt. Der Blinker oben hat 21 Watt, der kleine Rückfahrscheinwerfer 15 Watt und das kombinierte Brems- und Rücklicht 21 / 5 Watt. Durch ein kleines Fensterchen an der Rückseite des Lampenträgers beleuchtet das eingeschaltete Abblendlicht gleichzeitig den Kofferraum. Einfach und genial. Nebelschlussleuchten waren höheren Ausstattungen vorbehalten oder als Zubehör unter der Stoßstange zu montieren. Die Rückleuchten waren gut zu sehen, die Bremslichter blendeten nicht und die Blinker erfüllten ihren Zweck. Damals benutzte man sie auch noch beim Abbiegen.

Einige Eskalationsstufen gab es natürlich trotzdem, damit befassen wir uns beizeiten noch genauer. Geschmack ändert sich über die Zeit, und die gestalterischen Möglichkeiten der LED sind fast grenzenlos. Bei aktuellen Rücklichtern ist die Brücke zwischen Funktionalität und Design schon beschritten. Aber einer der schlichtesten und funktionellsten Vertreter wird bald 50 Jahre alt. Schön, dass er es noch bringt.

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  • Es gab auch schon früher ausgefallene Gestaltung von Rückleuchten – aber eben nicht bei den Brot-&-Butter-Autos. Mein Eindruck ist: Je narzisstischer die potenzielle Kundschaft, desto ausgefallener die Rückleuchten.

    Die narzisstischen Tendenzen nehmen in der Gegenwart immer mehr zu. Während es früher nur der „Upper Class“ möglich war, ihren Narzissmus auszuleben und auszudrücken, ist das Ego als Sinnstifter des Daseins im Volk angekommen.

    Gemäß meiner oben genannten These müssten Rückleuchten immer abgedrehter, bis zur Absurdität übergestaltet und immer durchgeknallter geformt werden und sich immer weiter von reiner Zweckerfüllung entfernen.

    Es kann sich jetzt jeder seine Gedanken drum machen, ob die These richtig ist oder nicht. Mir jedenfalls werden grade die Rückleuchten des frühen Wartburg 353 (Design-Vorgabe vermutlich „Irgendeine Form müssen sie ja haben!“) immer sympathischer!

    • Hallo Thorsten,
      ich glaube, dass jede Form von Design nicht zwingend etwas mit Narzissmus zu tun hat. Na klar gab es in den späten 50ern Autos, vor allem in Nordamerika, die wollten vor allem groß, breit und luxuriös sein. Und ihre Käufer wollten zeigen, dass die die tollsten sind. Trotzdem bin ich der Mainung, dass es verschiedene Ansätze gibt. Der von dir angesproche Wartburg ist schlicht und zweckmäßig. Das kann man ja schon fast „Industriedesign“ nennen 😉 Andere Modelle waren da emotionaler, und das ist auch heute noch so.
      Wie du schreibst – da wird sich jeder seine eigenen Gedanken drüber machen. Wenn etwas polarisiert, ist es schonmal nicht komplett verkehrt.

      Jens

  • Gestalterische Freiheiten mag man ja haben, nur werden die nicht genutzt. Ich persönlich finde die flackernden Weihnachtsbaumketten aus einzelnen Lichtpunkten als Rück- und Tagfahrlich ziemlich einfallslos.

    Narzisstisch ist n.m.M. daran nichts, denn die Leute fahren ja alle Brot- und Butterautos und nichts, was eine Individualität unterstreichen kann.

    Mich stören tatsächlich eher die aggressiven Fronten der allermeisten Autos. Das löst wirklich Stress aus, wenn man in den Rückspiegel schaut. Auch wenn ich i.d.R. schneller als die Masse auf den Straßen unterwegs bin.

    • Hallo Hessi,

      über die bösen Fronten der neueren Autogeneration schrieb ich ja an dieser Stelle auch schon. Da bin ich ganz bei dir, obwohl ich mir auch hier vorstellen kann, dass manche das schick, sportlich oder auch schön finden. Ich nicht. Aber ich bin ein älter werdender Mann ohne Neuwagenambitionen und bestimmt kein Maßstab…

      Jens

  • Bis in die 70er hatten die Autos auch hinten noch ein Gesicht. Die 80er brachten die sachliche Schlichtheit mit viel Plastik und geraden Linien. Ab den 90ern begann wieder das Individualisieren – leider schauten die Autohersteller wohl vielfach alle voneinander ab, so dass teilweise schön designte Autos in der großen Masse nicht mehr auffielen. Heute – vielleicht bin ich doch schon ein alter Sack 😉 – empfinde ich die meisten Fahrzeuge als Einheitsbrei. Flimmernd beleuchtet, wie ein türkischer Weihnachtsbaum, aber man braucht nur noch das Emblem zu wechseln, um eine andere Marke zu fahren. Schade – ich wünsche den Ingenieuren wieder den Mut und das Herzblut, das früher in die Entwicklung eines Autos gelegt wurde..

    • Hallo Jeff,

      da sprichst du eine These aus, die viele Altautofreunde heute gern verbreiten. Da ist meiner Meinung nach auch durchaus was dran – ich glaube aber diese Wahrnehmung wird durch etwas anderes beeinflusst. Denn ich finde durchaus, dass sich ein BMW von einem Audi unterscheiden lässt, der wiederum von einem Ford und einem Mercedes und so weiter.
      Allerdings hat inzwischen jeder Hersteller so unfassbar viele Modelle im Angebot, dass ein Eindruck der kompletten Gleichgültigkeit entsteht. Es gibt nicht mehr Kleinwagen, Mittelklasse, Kombi und Oberklasse. Es gibt noch alles dazwischen, und jedes Auto will heute alles gleichzeitig können. Das wirkt auf „die alte Schule“ beliebig und austauschbar.

      Ich finde, dass es auch heute noch Autos mit „Gesicht“ gibt. Vorn wie hinten. Es sind einfach insgesamt zu viele geworden, um noch einen Überblick zu haben…

      Jens