Mehr oder weniger gut sichtbar, stehen auf Scheinwerfern eine Menge kryptischer Angaben. Eine sagt etwas über die Stärke des Fernlichts. Es ist die Referenzzahl.

Dass Fernlicht blenden kann, ist klar. Aus diesem Grund setzen die Vorschriften Grenzen für die Lichtstärke. In Europa und vielen anderen Ländern sind maximal 300000 Candela pro Auto erlaubt. Die USA und andere Staaten mit vergleichbaren Vorschriften lassen gar nur 150000 Candela zu – was übrigens den Wunsch mancher europäischen Tuner nach „echtem US-Licht“ dämpfen könnte. Nun ist Candela bei für Physik empfänglichen Menschen eine praktische Einheit. Und Lateiner wissen, dass das Wort eigentlich „Kerze“ bedeutet. In der Tat entspricht 1 cd – so kürzt sich Candela ab – dem Licht einer einfachen Kerze. Aus diesem Grund sprechen Nordamerikaner manchmal auch noch von „Candle Power“ (cp). Ansonsten aber sagt die Maßeinheit den meisten nichts.

Diese Einsicht führte zu der Einführung der Referenzzahl für das Fernlicht aus Scheinwerfern nach europäischen Regeln. Sie steht auf den Scheinwerfern in der Nähe des runden E-Zeichens. Früher war das Ganze ins Glas eingegossen. Heute finden sich die Angaben irgendwo auf dem Gehäuse. Theoretisch und per Vorschrift sollen sie spätestens nach dem Öffnen der Motorhaube ins Auge fallen. Manchmal ist aber leider eine akribische Suche notwendig. Bei US-Scheinwerfern führt sie bei der Referenzzahl übrigens nicht zum Erfolg. Die Amerikaner arbeiten nicht damit.

Zurück zu den 300000 Candela. Die entsprechen einer Referenzzahl von 100. Aha, aber wozu ist dieses Wissen gut?

Na beispielsweise, wenn Zusatzscheinwerfer nachgerüstet werden sollen. Ein solcher Wunsch ist in den vergangenen Jahren in Deutschland und Mitteleuropa zwar stark zurückgegangen, was auch am Design moderner Autos und dem Fehlen echter Stoßstangen als Montageplätze liegt. In Skandinavien oder anderen Regionen mit viel Überlandverkehr in dünnbesiedelten Gebieten hat Zusatzfernlicht immer noch viele Freunde. Auch Lastwagenfahrer schätzen es. Und ihnen allen helfen Referenzzahlen dabei, möglichst viel Licht, aber nicht ungesetzlich viel, auf die Straße zu bringen.

Die meisten Serienscheinwerfer liegen bei den Referenzzahlen deutlich unter 50, was ja die Grenze für eine Seite wäre. Hat einer zwischen 30 und 40, ist er schon richtig gut. Für die weit verbreiteten H4-Systeme sind ist 17,5 ein gebräuchlicher Wert. Die Differenz zwischen den beiden serienmäßigen Fernscheinwerfern und 100 darf man dann mit Zusatzscheinwerfern „auffüllen“. Im Beispiel mit dem H4-Licht wären also 35 – zweimal 17,5 – von 100 abzuziehen. Macht 65. Zwei Zusatzscheinwerfer mit je Referenzzahl 30 wären also gut möglich.

Insgesamt sollte aber niemand diese Zahlen zu ernst nehmen. Sie sagen etwas über das Fernlicht, aber nicht alles. Direkte Schlüsse auf die Reichweite lassen sie nicht zu. Und natürlich gar keine auf das Abblendlicht.

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder