Cockpits. Dashboards. Kombiinstrumente. Wir Autofahrer gucken jeden Tag auf die Anordnung von Tacho, Drehzahlmesser, Uhr und anderen Instrumenten. Mal sind sie beleuchtet, mal nicht. Keiner dieser Instrumententräger gleicht dem anderen, und in den letzten 50 Jahren sind wahre Wunderwerke der mehr oder weniger geschmackvollen Cockpitbeleuchtung und -gestaltung entstanden. In dieser kleinen Reihe stellen wir euch einige davon vor. Wer kennt noch diese sich drehenden, kleinen Walzen hinter Glas? Oh ja. Damit konnte man die Geschwindigkeit anzeigen …

Und immer wieder diese kreativen Franzosen. Als die Göttin DS nach 20 Jahren Bauzeit in den verdienten Oldtimerolymp gehoben wurde, warfen die Designer ein Jahr lang schon parallel einen neuen Raumgleiter auf den Markt. Moderner, preiswerter zu produzieren und ab 1974 randvoll mit Innovationen. Der nach dem französischen Wort für den „Luftwiderstandsbeiwert“ benannte CX kam ein bisschen daher wie eine Mischung aus dem legendären XM und einer fliegenden Untertasse. Er hatte mit quer eingebauten Motoren ein regelrecht verschwenderisches Raumangebot. Außen war er wieder anders als die anderen, dabei sexy und neu. Wie der italienische Designer Pininfarina einmal sagte: Eine Form ist erst dann perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann. Passt, auch in Frankreich. Dazu gab es eine konkave Heckscheibe, die hydropneumatische Federung und eine geschwindigkeitsabhängige, hydraulisch unterstützte Servolenkung (DIRAVI).

So richtig speziell ist ein CX vor allem im Inneren. Beim Einsteigen fällt man sehr tief. Den Zündschlüssel muss man mit verdrehtem Arm schräg unter der Lenksäule einfädeln. Unbequem – aber modern! Ist der große Motor zum Leben erwacht und pumpt grünes Blut in die Venen des Raumgleiters, fällt der Blick auf den Instrumententräger. Oh là là. Unter einer breiten Batterie aus Warnlampen (gut, wenn die alle aus sind) rotieren zwischen der analogen Uhr und den Anzeigen für Tank und Temperatur ein Walzentacho und ein Walzendrehzahlmesser. Auf kleinen Tönnchen aufgedruckte Zahlen drehen sich unter Lupenglas, wie es sonst die Rundinstrumente machen. Ohne eine lange Gewöhnungszeit schlecht abzulesen, aber irgendwie extrem stylisch und vor allem – anders als die anderen. Beleuchtet von 4W-Stecklämpchen in Sockeln mit Bajonettverschluss; wer die jemals wechseln musste, erzählt diese Geschichte reich bebildert in den entsprechenden Foren und bekommt Heldenstatus.

Flankiert werden die Instrumente von sogenannten „Satelliten“, das sind zwei kleine Schalteransammlungen in Reichweite der am Einspeichenlenkrad liegenden Hände. Das wiederum war recht ergonomisch und passt ins Raumschiffgefühl. Besonders bei Nachtfahrten hatten CX-Piloten das Gefühl, in einer sphärisch beleuchteten fliegenden Untertasse zu sitzen. Die Anordnung und die Art der Instrumente, ihre Illumination und das Gesamtkonzept des CX haben heute keinen vergleichbaren Nachfolger. Die Welt hat sich weitergedreht, genau wie der Lupentacho. Das mag auch Sinn machen, trotzdem ist das über 40 Jahre alte Auto auch heute noch in seinem Handling und seinen Fahrleistungen zeitgemäß. Und es unterscheidet sich vor allem in einem von den aktuellen Fahrzeugen, damals wie heute: Der CX ist extravagant, anders und individuell. Kein Wunder, dass er vor allem von Architekten und Chirurgen gefahren wurde. Allein schon dem Cockpit muss ein Denkmal gesetzt werden.

 

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    • Hallo Romiman,

      ja, da hast du Recht. Leider standen nach Einbruch der Dunkelheit keine CX mehr hier rum, deshalb war ich schon froh, überhaupt zwei zu finden, wo mir Einlass gewährt wurde.
      Bei Nacht sieht das natürlich auch sehr schön aus…

      Jens

  • Wenn unsere von deutschen Automobilherstellern geprägte automobile Medienlandschaft nicht immer nur das konservative Design in ihren Vergleichstesten zum Nonplusultra erklärt hätten und auch mal die freigeistigen Entwürfe und Umsetzungen ausländischer Hersteller honoriert hätten, dann gäbe es im Rückblick bestimmt mehr innovative oder auch kuriose Lösungen im Automobilbau.
    Es sind doch gerade heute diese Entwürfe die unsere Oldtimerszene so interessant machen. Wir waren doch als Kind alle fasziniert vom Citroen SM einer Design-Ikone mit fragiler Technik oder von einem De Tomaso Mangusta, einer unfahrbaren Höllenmaschine die aber schon im Stand schneller war als jeder Porsche, einem Rover SD1, wunderschön aber leider durch British Leyland total vermurkst.
    Natürlich hat auch ein 123er Mercedes oder ein VW Käfer seine Fangemeinde aber ganz ehrlich, eigentlich schielen wir doch immer wieder zu diesen ausländischen Exoten, vor denen wir Angst haben sie könnten mit einem Biss unser ganzes Bankkonto vertilgen. Aber gerade diese Unperfektheit macht viele Fahrzeuge einfach nur sympathisch und ihre Fahrer (innen) zu Abenteurern unserer Zeit.

    • Hallo Don Pedro,

      oh ja oh ja. Und genau dieses Abenteuer in dieser zeit wird noch ein bisschen abenteuerlicher, wenn du heute noch immer so ein altes Auto jeden Tag bewegst! So wie ich…
      Ich hatte zwei Verhältnisse mit extravaganten Französinnen. XM Y4. Wenn man sie mit Liebe und Pflege bedacht hatte, waren sie sehr hochwertig. Leider fehlte mir da das Geld und die Zeit, deshalb bin ich später auf einfacher gestrickte Fords zurück gekommen. Aber ich bin professionell genug, zu differenzieren. Ein alter Franzose ist Lebensgenuss und Freude. Man muss sich nur drauf einlassen und möglichst noch einen Zweitwagen haben 🙂

      Jens

  • Hallo Jens,
    habe durch Zufall diese Text und die Bild gesehen.
    Man merkt wie Du noch deinem XM nachtrauerst, auch ich hätte gern meinen immer mal wieder zurück
    wenn die Strassen einen wieder mal extrem durchschütteln.(nicht geschüttelt sondern geschwebt)
    Schweben!!!!! ist das Zauberwort.
    mit freundichen Gruß
    E.Grade