Viele Autos bieten heute Kurvenlicht. Nicht jedes verdient aber den Namen. Es gibt mehrere Formen, deren Performance sich beträchtlich unterscheidet.

Fangen wir mal mit dem besten Kurvenlicht an, das es für Geld gibt. Es ist das dynamische, bei dem das Licht nicht nur einfach der Bewegung des Lenkrads folgt. Bei Geodaten-gestützten Systemen leuchtet der Scheinwerfer schon leicht in die Kurve bevor der Fahrer auch nur am Lenkrad dreht. Das Auto weiß aus der digitalen Karte („Geodaten“), dass eine Kurve kommt und berücksichtigt den Straßenverlauf. Solche Finessen sind aber noch sehr selten und auch nur in sehr teuren Autos zu bekommen.

Das normale, verbreitete dynamische Kurvenlicht ist schon in der Kompaktklasse erhältlich und genügt den meisten Fahrern und ihren Fahrprofilen voll und ganz. Die Scheinwerfer sind elektronisch mit der Lenkung vernetzt. Lenkt der Fahrer, folgt das Licht bis zu 15 Grad in die entsprechende Richtung. Das passt für die meisten Kurvenradien auf Landstraßen und auf Autobahnen sowieso. Größere Schwenkwinkel sind deshalb nicht erlaubt. Dynamisches Kurvenlicht wird größtenteils erzeugt, indem ein Linsenmodul im Scheinwerfer leicht geschwenkt wird. Linsen – die Experten sprechen von Projektionssystemen – braucht es aber nicht zwangsläufig. Es gibt auch Systeme, bei denen Reflektoren leicht bewegt werden.

Das dynamische Kurvenlicht bietet in allen Leuchtwinkel eine optimale Reichweite, weil es aus dem Hauptscheinwerfer kommt. Und es arbeitet bei allen Geschwindigkeiten. Nur im Stand dürfen sich die Scheinwerfer nicht bewegen. Das Auto muss fahren. Und weil niemand bei Tageslicht in eine Kurve leuchten muss, schalten viele Autohersteller die Kurvenlichtfunktion dann über einen Helligkeitssensor automatisch aus.

In einer ganz anderen Liga spielt das statische Kurvenlicht, das man besser als Abbiegelicht bezeichnen sollte. Es sind jene Scheinwerfer, die im Stadtverkehr jedes Abbiegemanöver und jede Kurve begleiten und danach dimmend verlöschen. Gerade das Dimmen gefällt vielen Menschen. Sie sehen es als Teil eines schicken Designs an. Ansonsten liegen die Meinungen zum statischen Kurvenlicht weit auseinander. Mehr Sicht bringen eigentlich nur jene und eher seltenen Exemplare, bei denen der dafür benutzte Scheinwerfer in etwa in gleicher Höhe sitzt wie der Hauptscheinwerfer. In der Regel nutzen die Hersteller aber jene Leuchten, die auch als Nebelscheinwerfer Dienst tun. Diese sitzen nicht nur sehr tief, sondern haben zudem eine Lichtverteilung, die nicht gerade auf Reichweite ausgelegt ist. Schon aus diesem Grund dürfen die statischen Kurvenlichter auch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde einschalten. Gesteuert wird das Ganze automatisch und wie beim dynamischen Kurvenlicht über den so genannten Lenkwinkelsensor. Den hat jedes Auto, das mit ESP ausgerüstet ist ohnehin an Bord.

Anders ist es in den USA, wo es das Abbiegelicht schon seit Jahrzehnten gibt. Es schaltet sich dort aber einfach zusammen mit dem Blinker ein.

Die Frage, ob man dynamisches Kurvenlicht haben und bezahlen will, oder nicht, ist sehr von den Gewohnheiten abhängig. Wer überwiegend auf Autobahnen und in der Stadt unterwegs ist, wird davon nur wenig profitieren. Auch Landstraßenverkehr in der norddeutschen Tiefebene ist nicht gerade das Terrain für dynamisches Kurvenlicht. Anders sieht es aus, wenn kurvige Landstraßen oder gar Fahrten in gebirgigen Gegenden häufiger Teil des Fahrprofils sind. Das in der Regel deutlich billigere statische Kurvenlicht fällt in die Kategorie: Wenn es gefällt. Oft nehmen die Ausstattungslisten den Käufern die Entscheidung bereits ab: Vielfach ist die Ausrüstung bereits serienmäßig oder sie kommt in Kombination mit den dafür genutzten Nebelscheinwerfern als Paket daher.

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