Flatternde Tachonadel, weil die Welle mal neu muss? Hängenbleibende Tageskilometerzähler, die erst weiterlaufen, wenn man draufklopft? Das klingt in den Ohren der jüngeren Generation wie Opis Geschichten aus dem Krieg. Heute ist das Cockpit digital, Anzeigen sind touchsensitiv und optische Analoginstrumente kommen aus dem Werkzeugkasten eines Grafikers. Das fühlt sich noch ein bisschen komisch an. Weil es noch ungewohnt ist, und weil das Vertrauen in dermaßen aufwendige Elektronik im Auto noch nicht im Kopf angekommen ist. Also, zumindest nicht in meinem. Aber ich lasse mich da gern in den folgenden Jahren überzeugen.

Bis dahin kann ich mir allerdings sicherlich noch immer keine S-Klasse leisten. In der sitzen wir gerade und machen die Probe aufs Exempel. Hier ist alles Display, und zwar rechenintensiver und hochauflösender als noch vor 10 Jahren die Supercomputer der NASA. Klare, kontrastreiche Instrumente. Nein. Keine Instrumente, die sehen nur so aus. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Die Digitaluhr, ein Abfallprodukt der Raumfahrt, verbuchte in den 80ern einen sagenhaften Siegeszug an die Handgelenke der Menschen. Klein, flach, cool. Es gibt sie zwar noch, aber wer in diesem Jahrtausend richtig fame sein will, trägt eine analoge, mechanische Automatikuhr in den Dimensionen einer Müslischüssel. Immer wieder haben Hersteller versucht, Displays in Autos unterzubringen. Die „Mäusekinos“ in Kadett GSI oder Omega CD sind in der Retrowelle heute heißbegehrt, damals wurden sie selten geordert. Zahlen als Geschwindigkeit? Bunte, wachsende Balken als Tankanzeige oder Drehzahl? Wie ungewöhnlich. Sie wurden in die Zusatzinstrumente verbannt, oder sie werteten unspektakuläre Kleinwagen als Mittelinstrument auf. Von durchsetzen kann man nicht sprechen.

Wird jetzt alles anders? Digital Hipster laufen wieder in die Plattenläden und kaufen Vinyl. Und im Auto sehen wir immer mehr Displays, die aber coolerweise die Form von analogen Instrumenten annehmen. Virtual Reality? Virtual Analogie? Das neue Flaggschiff von Mercedes treibt es auf die Spitze und prescht voran. Zwei Displays nebeneinander, das Kombiinstrument und das Comand-Display. Beide mit einer 12,3-Zoll-Diagonale und einer Auflösung von 1440×540 Pixeln zeigen hochaufgelöst und kontrastreich alles, was wir gewohnt sind. Sie simulieren Tacho und Drehzahlmesser, lassen Warnlampen leuchten und geben Auskunft über die Befindlichkeiten des Autos. Der Bildschirm des Navis sieht aus wie ein 3D-Flugsimulator mit echten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, Kameras vorn, an der Seite und hinten senden mir ein Bild auf die Mittelkonsole, wenn ich mal wieder die Dimensionen meines Autos nicht ganz abschätzen kann. So eine Art Menschheitstraum.

Autofahren ist nicht mehr das, was es vor 20 Jahren mal war. Und das ist auch okay so. Ich bin gespannt und freue mich auf das, was sich da in der Elektronik noch tun wird. Wir sind erst am Anfang, meine Augen sind offen und mein Kopf bereit. Vielleicht lassen sich ja bald auch Oldtimerinstrumente in den Displays simulieren? Cool. Ob das alles über die Jahre auch die Haltbarkeit eines alten V6-Gussblocks aus Köln hat – das werden wir sehen. Das Team von Osram ist auf jeden Fall dabei und hält euch immer mit den neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden. Nein. Auf dem Leuchtenden. Oder so.

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  • Die 10 Jahre alten Autos der Zukunft die ich wohl fahren werde, da graut es mir auch vor… ist ja nur noch „Hochtechnologie“ Sachen verbaut…

    Selbst beim Passat 3C kannst ja ohne Tester nicht mal die Bremse hinten machen…fürchterlich…

    • Ay Jan,

      vielleicht ändert sich nur die Herangehensweise an die Reparaturen. Für meinen XM habe ich mir auch ein altes Laptop mit der Diagnosesoftware aufgesetzt und die entsprechenden Stecker und Kabel gekauft. War nicht teuer. Wenn es damit getan ist, kann ich damit gut leben.
      Schwieriger fänd ich es, wenn die vielen elektronischen Bauteile und Bussysteme einfach nur zickig werden und sporadisch ausfallen. Wenn du trotz deines Equipments nicht mehr sicher sein kannst, ob du nicht an der nächsten Ampel liegenbleibst.
      Das -> würde mich viel mehr abschrecken…

      Jens

  • Was mir bei Autos mit Digital-Displays schon mehr als einmal passiert ist, ist, dass Leute nachts vergessen, das richtige Fahrlicht einzuschalten. Und sie merken es nicht einmal. Ich bin kürzlich wieder bei absoluter Finsternis (außerorts auf Landstraße) hinter so einem modernen Auto hergefahren, das hinten genau nichts an hatte. Vorn sah man allerdings einen fahlen Lichtschein auf die Fahrbahn fallen. Die beiden jungen Mädels am Steuer reagierten auf meine Lichthupe über mehrere Kilometer mit Ignoranz. Irgendwann konnte ich sie „stellen“ und auf den Grund meines Alarms hinweisen. „Oh Danke – gar nicht bemerkt,“ war der Kommentar. Und ich kann das sogar verstehen. Die digitale Armaturentafel ist schließlich „immer an“, das heutzutage pflichtgemäße (und in diesem Fall durchaus ordentlich helle) Tagfahrlicht auch, damit war für die Insassen alles in Butter! Sicher, es gibt auch eine Fahrlichtautomatik, aber wenn man die abschaltet, bleibt es hinten eben finster …

    • Ay Martin,
      alter Oldtimertester.
      Da schreibst du etwas, was auch mir schon oft aufgefallen ist und was mit hellen, klaren Displays sicherlich noch schlimmer werden wird.
      Leider sind ja nicht die Autos und ihre neue Technologie „Schuld“, sondern am Ende die Fahrer, die einfach immer oberflächlicher werden. Wenn ich mich in ein Auto setze, mache ich inzwischen immer das Licht an. Egal ob Tag oder Nacht. Wenn es draußen gar dunkel ist, ist der Griff zum Schalter obligatorisch. Das gehört für mich zum Bewegen eines potenziell sehr gefährlichen Fortbewegungsmittels dazu. Leider sehen nicht alle die Gefahren der Nachlässigkeit im Straßenverkehr. Siehe Nicht-Blinken, Kreuz-und-quer-Parken oder Rasen & Drängeln. Viele hängen einfach nicht so an ihrem Leben wie ich….

      Jens