Es ist nicht Chris Rea, der zu Weihnachten nach Hause fährt und überall rote Lampen besingt. Nein. Ich bin es selbst. Ein dämmeriger Abend auf der notorisch verstopften A7 in Richtung Norden. Rote Lichter, so weit das Auge reicht, aber nur wenige im Sinne von Herrn Rea. Viele kommen mir sehr hell vor. Zu hell. Haben die alle vergessen, die Nebelschlussleuchte auszumachen? Das kann nicht sein, hier nebelt nichts. Es brennt rot in meinen Augen, rot wie die Glut, wie das Feuer und wie … offensichtlich ganz normale Rücklichter. Was ist denn da passiert? Soll das so?

Plötzlich blitzt es taghell, die ganze Welt färbt sich in den bedrohlichen Signalfarben von dramatisch inszenierten Warnhinweisen – und ich muss meine Augen zukneifen. Dabei hat der vor mir einfach nur gebremst. Seine Rücklichter haben sich in meine Augen eingebrannt und leuchten jetzt wie ein blinder Fleck nach. Kennt ihr das, wenn man als Kind mutig direkt in die Sonne geguckt hat? Da hatte man noch lange Spaß dran. Ich jetzt auch. Blick auf den Tacho: blinder Fleck. Blick in die Außenspiegel: blinder Fleck. Als sich meine Netzhaut gerade wieder beruhigt hat, bremst der Idiot vor mir erneut und alles geht von vorn los. Warum bremst der einfach so? Ich erblinde!

Gedanken:

Die Helligkeit der Lampen im Kombiinstrument hat einen direkten Einfluss auf die Wahrnehmung der Helligkeit der eigenen Scheinwerfer (und der der anderen natürlich auch). Habe ich also moderne, taghelle und klare Lampen, die den Tacho und den Drehzahlmesser schick in Szene setzen, kommt mir da draußen alles ein bisschen dunkler vor. Das ist auch mit der Öffnung der Pupille biologisch nachzuweisen. Iris und so. Das erklärt wiederum auch, warum ich persönlich schon eine Kerze vor einem Taschenspiegel wie einen Flutlichtscheinwerfer wahrnehme. Weil in meinem 46 Jahre alten Kombiinstrument schummerige, warme 3-Watt-Lämpchen vor sich hin funzeln. Mir genügt’s. Meistens. Aber das hier geht so nicht mehr.
Meine Lösung? Sonnenbrille bei Nacht im Stau.

Es sind nicht die roten LEDs, die viele Hersteller seit Jahren serienmäßig in ihren Autos verbauen. Die sind prinzipiell gut und senden ein klar konturiertes Licht aus, sie sind energiesparend und werden nicht so heiß.  Es sind wohl die Rücklichter einiger Autohersteller selbst. Ich weiß nicht, ob die nicht für LED konstruiert wurden oder noch nie ein Ingenieur von hinten geguckt hat … Aber bei einigen Automarken blenden die Rücklichter. Bei anderen nicht. Eine gute Beratung und den nachträglichen Einbau ausschließlich von Markenprodukten kann ich an dieser Stelle nur wärmstens und geblendet empfehlen.

Ich verdunkel mich jetzt selbst. Die Ray Ban sieht auch bei Nacht cool aus. Vielleicht werde ich auch nur alt und empfindlich. Wenn es bei denen hinten heller ist als bei mir vorn, wo ist dann der größere Fehler?

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  • Sehr gut geschrieben. Obwohl ich sagen muss das LED Scheinwerfer gerade von SUV Fahrzeugen auf Kopfhöhe noch viel agressiver sind. Zum Beispiel der aktuelle BMW X5. Verstehe nicht wie der TÜV die Zulassung erteilt.