Schmutz ist schlecht für die Reichweite des Autolichts. Deshalb ist der Wunsch nach einer Reinigungsanlage für Scheinwerfer alt. Er kam hauptsächlich in Schweden auf. Frühe Ideen aus den 1960-er Jahren waren kreativ, aber störanfällig.

90 Prozent des Lichts eines Scheinwerfers verschwinden schon bei einer kurzen Fahrt auf einer nicht asphaltierten Straße in einer Schmutzschicht. Und Schotterstraßen hatte Schweden in den 1960-er Jahren reichlich. Sie sind übrigens noch heute im ländlichen Raum alles andere als ungewöhnlich. Gleichzeitig war (und ist) eine weite Sicht in den Wäldern des Nordens besonders wichtig, denn mit dem Elch als Unfallgegner ist nicht zu spaßen. Die andernorts fast ausgestorbenen Zusatzscheinwerfer für Fernlicht sind in Skandinavien deshalb immer noch sehr beliebt.

Mit Abblendlicht war vor der Marktreife der Halogenlampe H4 Mitte der 1970-er Jahre kein Staat zu machen. In seinen Scheinwerfern leuchtete bis dahin die Lampe R2, in Deutschland nach dem dazu gehörigen Warenzeichen von Osram nur „Bilux“ genannt. Verschmutzte Streuscheiben reduzierten ihr ohnehin bescheidenes Licht auf das Niveau der Positionsleuchten. Das wollten die sicherheitsbewussten Schweden nicht länger hinnehmen. Die Scheinwerferreinigungsanlage (SRA) war geboren.

Bei der Umsetzung fischten die Ingenieure noch eine Weile im Trüben. Die Anlage sollte nicht zu aufwendig sein. Dabei darf man sich vergegenwärtigen, dass in jenen Tagen elektrische Pumpen für die Scheibenwaschanlage noch eher selten waren. Viele Autos hatten eine Art Gummiball neben den Pedalen, mit dem der Fahrer per beherztem Fußtritt Wasser auf die Windschutzscheibe ausbringen konnte. Heckscheibenwischer waren nahezu unbekannt.

Die ersten Ideen erinnern im Nachhinein an die Hochdruck-Reinigungsanlagen, die erst Jahrzehnte später im Zusammenhang mit Xenonlicht auf den Markt kamen. Leider brachte die „Hochdruckpumpe“ nur rund fünf Bar , die mit angetrockneten Schmutz nicht fertig wurden. Moderne „Duschen“ – wie sie gern scherzhaft genannt werden – arbeiten mit etwa 30 Bar. Schnell kamen die Entwickler zur Ansicht: Wischer müssen her! Und weil die meisten Scheinwerfer dieser Jahre rund waren, boten sich rotierende Gummilippen an.

Ein findiger Techniker kam auf die Idee, für deren Antrieb das Waschwasser selbst zu nutzen. Er baute eine kleine Turbine in das Mittenlager ein. Strömte Waschwasser durch sie, begannen sich die Flügel der Scheinwerferwischer zu drehen. Erst nachdem diese Arbeit getan war, durfte das Wasser die Streuscheiben benetzen. Ja, es waren Flügel, denn sie waren wie ein Propeller geformt. Die Idee dahinter erscheint zunächst genial: Der Fahrtwind half bei der Bewegung mit – zumindest theoretisch. In der Praxis schatteten die in Propeller mehr oder weniger große Teile der Lichtverteilung ab und erzeugten dabei störende Lichteffekte.

In seiner Sicherheitsstudie Volvo Experimental Safety Car (VESC) von 1972 verzichtete der Autohersteller deshalb auf den Propeller und setzte ein nunmehr schmales Wischerblatt ein. Es wurde aber immer noch mit Hilfe des Waschwassers aus einer Turbine in der Mitte des Scheinwerferglases angetrieben.

Doch diese Lösung ging nie in Serie. Der schwedische Wettbewerber Saab baute nämlich praktisch zeitgleich die erste Anlage mit elektrischen Antrieb der Wischer ein. Dahinter stand der Elektrikspezialist Bosch. Der Elektromotor saß in der Mitte hinter dem Kühlergrill. Gestänge übertrugen die Bewegung auf die Wischerarme. An diesen waren Spritzdüsen für das Waschwasser befestigt. Dieses Konzept war ein paar Jahre lang zumindest in Skandinavien weit verbreitet. Abwandlungen setzten Bowdenzüge für die Verbindung des zentralen Antriebsmotors zu den Wischern ein. All diese Konstruktionen litten unter den grausamen Bedingungen, die im Bereich des Kühlergrills herrschen, allem voran dem Streusalz. Oft rührte sich die ganze Mechanik schon nach einem oder zwei Wintern nicht mehr.

Ende der 1970-er Jahre legt Bosch mit einem neuen Konzept nach. Jeder Scheinwerfer bekam einen eigenen Wischermotor. Die komplizierten und störanfälligen Verbindungen entfielen. Die Motoren selbst bestanden weitgehend aus Kunststoff, was die Korrosionsgefahr minderte.

Diese durchaus wirksame Art der Scheinwerferreinigungsanlage hielt sich noch bis nach der Jahrtausendwende, ab den 1990-ern parallel zur Hochdruck-Reinigungsanlage. Dass die danach allein übrigblieb, liegt am Siegeszug der Scheinwerfer-Abschlussscheiben aus Kunststoff. Wischer würden sie mit der Zeit zerkratzen. Und die heute oft sehr nach außen gewölbten Scheinwerfer lassen sich mit Wischern auch kaum noch vernünftig säubern. Nur die Dusche blieb also übrig.

 

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