Zu Ostern setzen sich die ersten Reisekarawanen in Bewegung. Wenn es in ein Land mit Linksverkehr geht, ist Vorsorge beim Scheinwerferlicht notwendig. Es muss für den Verkehr auf der anderen Straßenseite ausgerichtet sein.

Jetzt stellt sich erst einmal die Frage, was das Autolicht eigentlich mit Rechts- oder Linksverkehr zu tun hat. Der Grund heißt asymmetrisches Abblendlicht. Das ist keine neue Technik, hat nichts mit Halogen, Xenon oder LED zu tun. Denn schon seit vielen Jahrzehnten leuchten Autoscheinwerfer beim Abblendlicht die eigene Straßenseite stärker aus, als die des Gegenverkehrs. Logisch, denn das Licht soll ja die Entgegenkommenden nicht blenden. Bei Rechtsverkehr reicht es auf der eigenen Fahrbahn zwischen 60 und 90 Meter weit, während auf der Gegenfahrbahn bei rund 25 Schluss ist. Folgerichtig haben Autos für Linksverkehr nicht nur das Lenkrad auf der anderen Seite, sondern auch andere Scheinwerfer. Das asymmetrische Licht funktioniert prima, solange die Autos nicht vom Rechts- zum Linksverkehr oder umgekehrt wechseln. Dann nämlich würde die weiter reichende Ausleuchtung der eigenen Straßenseite voll in den Gegenverkehr blenden.

Die Abhilfe im Reiseverkehr heißt „Touristenlösung“. So nennen Scheinwerferkonstrukteure und andere Lichtexperten Vorkehrungen, um das Licht für Fahrten in Länder mit anderem Verkehr passend zu machen. Leider fallen unter diesen Begriff eine ganze Menge unterschiedliche Dinge. Sie reichen von der praktisch vollautomatischen Steuerung über die einfache Umstellung vermittels Hebel im Motorraum bis zu Abdeckfolien, die kaum noch als eine hochwertige Sache zu bezeichnen sind. Allen gemein ist, dass sie den Teil des Lichts auf die „fremde“ Straßenseite stark reduzieren. Richtig gute Touristenlösungen schalten sogar die komplette Lichtverteilung auf die andere Straßenseite um. Mit so etwas bekommt der Fahrer weiterhin das beste Licht. Vielfach nimmt die Umschaltung aber nur den asymmetrischen Teil weg und damit viel von der Reichweite. Das bedeutet auch, das Tempo bei Nachtfahrten deutlich zu drosseln.

Welche Lösung für das eigene Auto vorgesehen ist, erfährt der Besitzer aus der Betriebsanleitung. Seit einigen Jahren muss sie Hinweise für die Umstellung von Rechts- auf Linksverkehr oder umgekehrt enthalten. Die größten Chancen für eine praktische und hochwertige Lösung gibt es bei Linsenscheinwerfern. Und ganz moderne Systeme mit Matrixlicht lassen sich sogar vom Fahrersitz aus umstellen. Kläglich geht es dagegen vielfach bei einfachen Halogenscheinwerfern zu. Für sie zeigen die Betriebsanleitungen oft nur in einer Zeichnung, welche Teile der Abschlussscheibe des Scheinwerfers abgedeckt werden müssen. Für manche Modelle gibt es aber selbstklebende Folien bereits zugeschnitten als Zubehör.

Welche Touristenlösung auch immer das Auto für die „andere Straßenseite“ braucht – sie ist notwendig. Wer nichts tut, erscheint dem Gegenverkehr praktisch wie mit Fernlicht fahrend.

In Europa wird übrigens nicht nur in Großbritannien links gefahren. Auch Irland, Malta und das gesamte Zypern frönt der Insel-Sitte.

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  • Das war mir so noch gar nicht bewusst, also nicht einmal, dass das Abblendlicht asymmetrisch ausgelegt ist. Und dass das zu Problemen kommen kann, wenn der Verkehr wechselt erst Recht nicht. Da ist das Verkehrsrecht ja ganz schön raffiniert.
    Zum Glück fährt man ja nicht so oft mit dem Auto nach Australien 😀