Die gute alte „Glühbirne“, also das Ding, was mein Physiklehrer mit bösem Blick immer in „Lampe“ korrigierte (und an dem man sich beim Rausdrehen die Fingerkuppen anschmurgelte), wirkt heute fast antik. Zumindest im Haushalt. Kaum einer kauft noch herkömmliche Stromfresser, Alternativen gibt es genug. Im Kraftfahrzeug zieht die Technik wegen anderer Voraussetzungen nicht ganz so schnell nach, aber sie zieht nach! Heute geht alles in LED. Vorn und hinten und überall. Was ist das und was kann das? Wir haben im letzten Teil unserer kleinen Lichtgeschichte einmal die Stationen zusammengefasst.

Das Prinzip der Leuchtdiode ist bekannt. Der gleiche Physiklehrer, der bei der „Birne“ böse guckte, hat später in der Oberstufe auch was über Halbleiter mit p-Schichten und n-Schichten erzählt. Tatsächlich gibt es schon seit den 80ern Anwendungsbereiche für kleine LEDs (Light Emitting Diode), die Licht aussenden, wenn an sie eine Spannung angelegt wird. Das taten sie aufgrund ihres Aufbaus gern in rot, gelb, grün und orange. Und sie taten es mit einer langen Lebensdauer, einem sehr geringen Energiebedarf und weniger Abwärme als ihre Glühwendelfreunde. Cadillac setzte 1992 erstmals LED-Technik in der dritten Bremsleuchte ein, und der Siegeszug dieser Technologie kam ins Rollen. Ein amerikanischer Physiker entwickelte schon ein Jahr später die blaue Leuchtdiode, und plötzlich war theoretisch jede Lichtfarbe möglich.

Während in den Anfängen die Leuchtkraft noch Wünsche offenließ, weil mit zunehmender Stromstärke auch die Lebensdauer der Bauteile stark abnahm, entwickelte man ab der Jahrtausendwende die ersten Rücklichter, Bremsleuchten und Blinker in LED-Technik. Als weltweit erster Hersteller setzte Audi 2004 in seiner Limousine A8 W12 weiße LEDs als Tagfahrlicht ein. Der erste echte LED-Frontscheinwerfer leuchtete 2007 in einem Lexus und 2008 steckten im Audi R8 die ersten Voll-LED-Scheinwerfer mit Abblend- und Fernlicht. Seitdem ziehen fast alle Hersteller nach und die Preise für die Produktion erreichen auch für Klein- und Mittelklassewagen vertretbare Dimensionen.

Was macht LED-Technik so sexy? Zum einen der geringe Energieverbrauch gegenüber Glühfadenlampen, die vor allem ihre Umwelt heizen. Die damit einhergehende, mehr als dreimal so hohe Lebensdauer rechtfertigt schon den höheren Preis. Am interessantesten ist aber die Verbindung von LED-Verbünden („Matrix“) kombiniert mit einer intelligenten Mess- und Steuerungselektronik. So kann eine Kombination aus beispielsweise 24 einzelnen LEDs immer mit voller Leistung als Scheinwerfer leuchten. Nähert sich von vorn ein Fahrzeug, schaltet die Elektronik nur die LEDs ab, die den Fahrer des entgegenkommenden Autos blenden. Das Objekt wird quasi „ausgeblendet“. Die anderen Bereiche der Straße bleiben demnach hell beleuchtet, um Hindernisse und Gefahren früher zu erkennen. Klasse.

Das Osram-Team hat speziell für den Golf VI mit serienmäßigen Halogenscheinwerfern nagelneue LEDriving XENARC Scheinwerfer entwickelt, die auch eine gute Portion LED enthalten. Wie wir sie bei den ersten glücklichen Protagonisten eingebaut haben, könnt ihr hier nachlesen. Und verabschiedet euch mal so langsam von der GlühBIRNE. Mein Physiklehrer ist inzwischen auch pensioniert, aber die LED wird nicht mehr aufzuhalten sein.

 

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder
  • Die LED wird schon allein deshalb nicht aufzuhalten sein, weil sie gestalterisch sehr viel mehr Möglichkeiten bietet als die standardisierte Glühbirne im Reflektor oder hinter der Linse.
    An genau dieser Stelle, der Standardisierung, liegt aber auch das Problem: Selbst nach dreifacher Lebensdauer geht der Kram mal kaputt. Üblicherweise nachts im im Regen in der Einsamkeit…
    Früher oder im Heute der alten Autos geht man an den Kofferraum, holt Ersatz, setzt ihn ein und fährt sehend weiter. Aber bitte wer führt ganze Ersatzscheinwerfer mit? – Das Sicherheitsplus des Lichtgewinns über Lebensdauer kann man dann durchaus schnell verspielen… ganz abgesehen von der schlechter werdenden Ersatzteilversorgung mit steigendem Alter und der preislichen Komponente durch ein Quasi-Monopol.

    • Hallo elsch,

      ein interessanter Ansatz, den ich auch nachvollziehen kann. Wie es in Zukunft mit dem Wechsel von Lampen oder gar ganzen Scheinwerfern aussieht wird sich zeigen.
      Du und ich gehören anscheinend der „alten“ Generation an. Ich habe auch immer ein paar Lampen in einem kleinen Kistchen im Kofferraum, außerdem einen Keilriemen und ein bisschen Werkzeug. Aber wir sind eine aussterbende Generation. Junge Menschen warten ihr Auto heute sowieso nicht mehr selbst. Niemand macht mehr die Haube auf, um seinen Motor mal zu zeigen. Die Miet- und Leasinggeneration mit Versicherungsflatrate genießt die Unabhängigkeit im eigenen Fahrzeug und mag das Design und die Konnektivität zum Smartphone – aber niemand macht sich mehr die Hände schmutzig. Worauf ich hinaus will? Die Werkstätten tauschen im Rahmen einer Inspektion irgendwann die LEDs oder die Scheinwerfer aus. Das wird mit einkalkuliert.
      So ändern sich die Zeiten.

      Allzeit gute Fahrt
      Jens