Nora wird beschimpft. Denn Nora hat auf der Umgehungsstraße im lichten Verkehr des Donnerstag Nachmittag ihr Handy am Ohr, um ihrem Freund kurz zu sagen, dass sie noch beim Supermarkt anhält und Sachen fürs Abendessen einkauft. Er brauche sich also nicht zu kümmern. Tschüss. Das sieht die Zivilstreife neben ihr. Sie wird angehalten, verwarnt, von einem Reporter fotografiert, bekommt einen Punkt in Flensburg und ein Bußgeld von aktuell 60 Euro. Und sie lernt, dass auch das Tippen von Nachrichten und schon das Ablehnen eines eingehenden Anrufs, also das In-die-Hand-Nehmen ihres Telefons, ähnliche Konsequenzen hat.  Die Tageszeitung berichtet ebenso dazu, um ein weiteres Exempel zu statuieren. Schon am nächsten Tag sieht man Nora auf dem Titelblatt und in den sozialen Netzwerken. Die braven Bürger sind erschüttert, weil Nora sich vom Straßenverkehr ablenken ließ. Und das ist gefährlich.

Jason wird gefeiert. Denn Jason hat sich seinen Traum erfüllt und ein erst zwei Jahre altes, amerikanisches Musclecar gekauft. Auf der Umgehungsstraße im lichten Verkehr des Donnerstagnachmittags rollt er zügig mit und stellt auf dem großen, farbigen Display in der Mittelkonsole seine ganz persönlichen Telemetriedaten für das Fahrwerk ein. Wahnsinn, was da alles möglich ist. Vorn etwas weicher, hinten härter, und was ist das da? Das kann Jason nicht richtig lesen, es ist sehr klein geschrieben. Und Englisch. Ah. Als er sich im Tunnel direkt zur Mittelkonsole runterbeugt erkennt er, dass sogar die Farbe der Tachobeleuchtung hier per Touchdisplay regelbar ist. Geil. Und die Sitzheizung. Und der Motorsound, die voreingestellten Radiosender und YouTube. Hammer. Als Jason wieder auftaucht, ist er mit seinem Auto über ein paar 100 Meter von der linken Spur auf die rechte geraten. Links neben ihm fährt eine Zivilstreife. Der freundliche Polizist hebt anerkennend den Daumen, die neue Karre von Jason ist aber auch ne scharfe Fuhre!

Nora hat etwas gemacht, was man rechtlich nicht darf. Sie hat am Steuer telefoniert, wurde offiziell vom Straßenverkehr abgelenkt und hat sich und andere gefährdet. Soweit ist auch alles korrekt. Jason hat wiederum etwas gemacht, was rechtlich nicht geregelt ist. Er hat sich während der Fahr an den beeindruckenden elektronischen Möglichkeiten seines Autos berauscht, vieles ausprobiert und auf dem Display herumgedrückt. Dabei hat er den Blick immer wieder für mehrere Sekunden von der Fahrbahn genommen. Und jetzt?

Böse Menschen sind beide nicht. Straftäter schon gar nicht. Ist mit zunehmender Digitalisierung der automobilen Inneneinrichtung, mit vermehrter Steuerelektronik und einem Überangebot an digitalem Entertainment direkt im Fahrzeug nicht auch ein Umdenken über Gefährdungen gefragt? Nun bin ich weder ein Fachmann für Verkehrspsychologie noch ein Neurologe, der die Fälle fachlich einschätzen könnte. Ich bin nur ein lichtfreundlicher Autofahrer, der sich subjektiv fragt, was eigentlich während der Fahrt „gefährlich“ ist und wie viele Informationen ein einzelner Mensch gleichzeitig verarbeiten kann. Vielleicht habt ihr da ja bessere Ansätze als ich? Dann teilt sie uns gern mit.

Was euch nicht von der Straße ablenkt sind unsere LEDambient Tuning Lights. Die sind schnell eingebaut und dann einfach nur da. Und sie sind schön. Natürlich auch per App oder auf Knopfdruck steuerbar – aber doch nicht während der Fahrt, oder?

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  • Stimmt. Aber bekanntlich malen die Mühlen der Justiz eben langsam. Sehr langsam. Diese Gesetzgebung stammt eben noch aus der Zeit piepsender Nokias und 1DIN-CD-Radios. An die heutigen Touchscreens mit ihren Möglichkeiten war eben noch nicht zu denken.
    Viel mehr Sorge macht mir der Trend der Hersteller zu angeblich „moderneren“, in Wirklichkeit aber schlechteren Bedienkonzepten. Egal ob Spracheingabe, Touchen oder Wedeln, nichts lässt sich so intuitiv und sicher bedienen wie ein gut zugänglicher Drehknopf!

    • Ich hatte neulich (auch schon wieder ein oder zwei Jahre her…) aufgrund nicht verfügbarer Ersatzteile das zweifelhafte Vergnügen, für eine Woche einen aktuellen Golf als Ersatzwagen zu fahren.
      Um dort die Instrumentenbeleuchtung zu dimmen, mußte man ich über einen Touchscreen durch drei Untermenues klicken.

      Wer bitte denkt sich solche Bedienkonzepte aus? Einen Touchscreen kann man, anders als klassische Schalter, Taster oder Drehregler, nicht blind bedienen. Man MUSS hinschauen. Und damit den Blick von der Straße nehmen.
      Man sollte die Designer, die so etwas entwerfen, und die Manager, die sowas abnicken, zur Strafe einfach mal selber ihre Karren fahren lassen…

    • Ay Jungs,

      und was wurde bei Mercedes geschimpft, dass sie „noch immer“ einen dicken Drehknopf auf der Mittelkonsole haben. Der Kunde will es so. Smartphonefeeling auch im Auto. Ist ja auch okay, wenn es intuitiv (und nicht während der Fahrt) zu bedienen ist!

      Ich freu mich immer so über die dicken Kippschalter in meinem Auto. Ich glaube ich fahr gleich mal eine Runde sinnlos durch die Gegend und mache das Licht an und aus, das Gebläse und den Scheibenwischer. Einfach so. Viel mehr geht da auch gar nicht 😉

      Jens