Cockpits. Dashboards. Kombiinstrumente. Wir Autofahrer gucken jeden Tag auf die Anordnung von Tacho, Drehzahlmesser, Uhr und anderen Instrumenten. Mal sind sie beleuchtet, mal nicht. Keiner dieser Instrumententräger gleicht dem anderen, und gerade in den letzten 50 Jahren sind wahre Wunderwerke der mehr oder weniger geschmackvollen Cockpitbeleuchtung und -gestaltung entstanden. In dieser kleinen Reihe stellen wir euch einige davon vor. Den Auftakt macht gleich ein sehr seltener Vertreter – die Hochspannungsbeleuchtung in einem 1966er Dodge Charger.

Grünblaue Farbe. Blendfrei, dimmbar und wunderschön. Die vier runden Armaturen im Dodge Charger meines Freundes Ralf erhellen die dunkle Garage wie ein Raumschiff aus „Star Wars“, dabei ist der Wagen von 1966 und definitiv zu alt für Science-Fiction dieser Art. Nein, das seien keine Glühlampen, sagt der Möbeltischler. Wenn es Glühlampen gewesen wären, hätte er nicht über 80 Arbeitsstunden in die Reparatur des Hochspannungstrafos und der Folien hinter den Rundinstrumenten investieren müssen. Was? Trafo? Folie? Wo bin ich denn hier gelandet?

Kleiner Exkurs: Georges Destriau wollte eigentlich nur die Leitfähigkeit verschiedener Legierungen testen, als er 30 Jahre vor dem Bau dieses Chargers in den Laboren der Kernphysikerin Marie Curie ein starkes elektrisches Feld an einen Zinksulfidstreifen legte. Der Streifen war versehentlich mit Kupfer verunreinigt worden, Georges hatte sich mal wieder nicht die Hände gewaschen, und der Streifen begann – zu leuchten. Ups? Mehr als zwei Jahrzehnte vor der Erfindung der Leuchtdiode fand man ein Material, das sich mit Hochspannung zum Leuchten bringen ließ. Ganz ohne jeden Glühfaden!

Was passiert da? Achtung, Physik: Das elektrolumineszente Material ist mit anderen Metallen dotiertes Zinksulfid. Es liegt in Form von sehr dünnen Folien isoliert zwischen zwei Elektroden, wie bei einem Kondensator. Durch das Anlegen eines starken Wechselfeldes werden Elektronen im Zinksulfid beschleunigt, die durch Kollisionen mit den Metallen aus der Dotierung (so nennt man die „Verunreinigung“) in einen angeregten Zustand versetzt werden. Ihr kennt das: Wenn euch einer ausbremst und ihr dem hinten draufkracht, seid ihr auch in einem angeregten Zustand.

Verlassen die Elektronen diesen Zustand wieder, wird Energie frei – die Folie beginnt zu leuchten. Zeigt euch der Unfallgegner seine Versicherungskarte, beginnen eure Augen auch zu leuchten. Klar?
Später wurden Elektrolumineszenz-Folien in Flugzeugcockpits und zur Beleuchtung von Tragflächen eingesetzt. Und eben auch experimentell in Autos.

Als der erste Dodge Charger mit solchen Folien auf den Markt kam, gab es die Leuchtdiode (LED) schon seit vier Jahren. Noch so eine Lampe ohne Glühfaden, aber damals noch nicht sehr weit entwickelt. Der recht komplexe Aufbau der Leuchtfolien, der Preis und die Anfälligkeit haben diese Form der Tachoilluminierung schnell wieder sterben lassen. Fragt Ralf, der ist bei der Neuwicklung des 200-Volt-Transformators fast wahnsinnig geworden. Elektrolumineszenz sieht wunderschön aus, ist messerscharf konturiert und schmeichelt völlig blendfrei dem Auge. Gleiche Effekte sind heute durch LED hinzubekommen, weniger aufwendig, weniger anfällig und wesentlich weniger energiehungrig. Aber geht es denn gerade bei alten Autos immer nur um Effizienz? Nein. Das Vermächtnis des Herrn Destriau ist heute noch als Hintergrundbeleuchtung von LCD-Displays zu finden. Cockpits von Automobilen erfuhren andere Lichtdesigns. Bis zum nächsten Mal.

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder