„Oh, was ist das da denn für ein Auto …?“ Schwer zu sagen in diesem Jahrtausend. Mit einigen Ausnahmen. Es gab und gibt noch immer Gesichter in der Menge, die sich von allen anderen abheben – nicht zuletzt durch das Design und die Anordnung ihrer Scheinwerfer. Unsere kleine Reihe stellt subjektiv ausgewählt die spektakulärsten oder schrägsten Autofronten vor, einige längst vergessen, andere noch immer im Straßenbild vorhanden. Heute ist der Tag, auf den sich der Autor lange vorbereiten musste. Heute kommt … der Fiat Multipla!

Schreibt man über „Gesichter“ im Straßenverkehr, kommt man an dem einfach nicht vorbei. Fiat hat von 1999 bis 2010 ein echt gutes Auto gebaut, einen Minivan auf einer sehr variablen Spaceframe-Konstruktion. Dank vieler optionaler Einzelsitze ein wandelbarer Begleiter mit vielen verschiedenen Motoren, BluPower-Dieselaggregaten und später auch bivalenten Erdgastriebwerken. Klasse. Multipla, quasi.

Wenn nur die Designer damals nicht ihren finalen Entwurf direkt nach einer durchzechten Nacht abgegeben hätten. Sie fabulierten wohl von Geschöpfen mit sechs Augen, rund und knubbelig, die niedlich grinsend die Weltherrschaft übernehmen wollten. Diesen sonderbaren Fabelwesen setzten sie ein Denkmal und ließen sie fünf Jahre lang in Italien bauen. Immerhin bekam der multiple Van drei Sterne beim NCAP Crashtest, aber auch nur, weil alle gegnerischen Fahrzeuge und sogar die Offset-Rammböcke beim Anblick der Front schreiend aus dem Weg sprangen. Ja, ich gebe zu, dass ich dieses Fahrzeug ein kleines bisschen schlimm finde. Nicht so schlimm, dass es schon wieder „Kult“ ist, wie einige Magazine behauptet. Nein. Weit darüber hinaus.

„Hack doch nicht immer so auf dem Auto rum“, beschimpft man mich auf Facebook. Andere finden dagegen noch viel drastischere Worte als ich, um ihre Abneigung gegenüber dem Fiat Multipla auszudrücken. Aber ein paar sind ihm treu. Einer steht im New Yorker Museum of Modern Art, wegen seines … ungewöhnlichen … Designs. Oh. Er polarisiert. Und das wiederum finde ich gut. Die glücklichen Multipla-Besitzer, die nach der Außenbegehung das ähnlich knubbelige Innenraumdesign überlebt haben, mögen ihren Fiat. Sie lieben ihn, wie man einen ausgestoßenen Babyfrosch liebt. Und dieser Babyfrosch ist auch noch sehr treu, denn der Multipla ist wahrhaftig kein schlechtes Auto!

Irgendwas passierte 2004, als die Front krass geglättet wurde. Was von da an im eigenen Rückspiegel auftauchte, war eher unspektakulär. Vielleicht sprechen wir dem Auto einfach mal zu, dass es sich von der Masse abhebt und seinem Besitzer ein treuer Begleiter ist. Der Rest ist Geschmacksache, und über die kann man sich bekanntlich streiten. Der arme Multipla kann schließlich genauso wenig für sein Design wie der kleine Justin-Kevin von nebenan für seinen Vornamen. Die Fernlicht-Wurst unter der Frontscheibe kombiniert die anderen vier Lichtwarzen und die zwei Blinker zu einem einzigartigen Konglomerat des Automobilbaus. Danke, Fiat, dass du uns so ein unfassbar polarisierendes Auto geschenkt hast. Ernsthaft jetzt. DANKE! Wir werden uns auch noch in 20 Jahren über dieses Design streiten, und das ist auch gut so!

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder

  • Babyfrosch, Fernlicht-Wurst und Lichtwarzen – das sind noch sehr freundliche Formulierungen für diesen Ausbund an misslungenem Design.

    Die Wahrheit ist: Der Fiat Multipla sah damals Sch***e aus, sieht immer noch Sch***e aus und wird auch immer Sch***e aussehen. So einfach ist das. Und dann ist es auch noch eine Fehl-Investion Aus Turin mit Für Italiener Ausreichender Technik, LOL.

    • Hi Impartial,

      deine Meinung teilen viele. Allerdings…. bin ich inzwischen ein bisschen versöhnlicher mit dem Multipla. Meinen Worten wird man entnehmen können, dass auch ich ihm nicht gerade den Designpreis für Gefälligkeit geben würde (schon wieder so lieb), aber ich kenne viele Leute, die den mögen. Und die sind nicht alle blind oder blöd 🙂

      Praktisch ist er allemal, und er setzt sich so oder so von der Masse ab. Ich finde, er hat seine Berechtigung, und jeder kann ja damit machen oder darüber denken, was er oder sie will. Mit dem Alter kommt die Toleranz 😀

      Viele Grüße aus verschieden schönen Autos
      Jens