Die Tage der Scheinwerfer-Reinigungsanlage könnten gezählt sein. Immer mehr Autohersteller nehmen sie sang- und klanglos aus den Ausstattungslisten. Dabei sorgt erst sie dafür, dass Spitzen-Scheinwerfer auch Spitzenleistungen bei der Sicht bringen und nebenbei Blendung verhindern.

Überall vorgeschrieben: Die Scheinwerfer-Reinigungsanlage ist nicht nur in Deutschland Pflicht.

 

Seit fast 50 Jahren gibt es die Scheinwerfer-Reinigungsanlage (SRA). Die ersten zwei Jahrzehnte war sie praktisch nur in Skandinavien – hauptsächlich Schweden – und in von dort stammenden Autos gebräuchlich und zeitweise sogar vorgeschrieben. Der Grund: Die damals noch per kleinen Scheibenwischer arbeitenden Systeme sorgten bei Schmuddelwetter für eine dramatisch weitere Sicht. Die heute nahezu ausschließlich verbaute Hochdruck-Reinigung – im Fachjargon auch gern „Dusche“ genannt –  kam erst später.

Als Anfang der 1990-er Jahre das Xenonlicht Einzug in die Autos hielt, kam ein neuer Grund hinzu. Die SRA verhindert zu starke Blendung bei leichten Verschmutzungen. Deshalb wurde eine Reinigungsanlage für die damals neue Lichttechnik in Europa Pflicht. Und um präzise zu sein: Nicht nur für Xenonscheinwerfer, sondern alle, deren Lichtquelle über 2000 Lumen im Abblendlicht bringt. Das ist beim gebräuchlichen 35-Watt-Xenon mit 3000 Lumen der Fall.
Schon leichte Verschmutzungen wie ein feiner Salzschleier wirken wie ein Diffusor. Die Lichtverteilung ist in der Folge gestört. Das Licht wird nicht mehr nur auf die wichtigen Stellen der Straße, sondern auch in den Gegenverkehr und die Rückspiegel gelenkt. Die unangenehme Folge: Eigentlich schwächere Scheinwerfer wie solche in Halogentechnik, blenden mit einem dünnen Schmutzfilm dann mehr als ein sauberer Xenonscheinwerfer.

Bei zunehmender Verschmutzung bleibt die Blendung im dicken Dreckfilm oder auch im Schnee stecken. Leider sinkt dabei aber die Leuchtweite dramatisch. Sie fällt von typischen 60 bis 70 Meter auf unter 30. In der Endphase und bei besonders hinterhältigem Schmutz kommt nur noch so viel heraus wie beim Standlicht eines sauberen Scheinwerfers. Eigentlich sollte und müsste der Fahrer alle paar Dutzend Kilometer anhalten und die Abschlussscheiben von Hand reinigen. Doch wer macht das schon?
Die SRA ist also höchst sinnvoll und das übrigens auch bei Halogen und anderen Scheinwerfern, deren Lampen unter 2000 Lumen bleiben. Bei den meisten aktuell angebotenen Autos ist die SRA aber leider aus den Ausstattungslisten verschwunden. Neben der allgemeinen Sparsamkeit der Hersteller hat das viel mit dem zusätzlichen Gewicht des vergrößerten Wasservorrats und dessen Unterbringung im immer volleren Motorraum zu tun.

Geradezu lächerlich wäre aber, wenn auch Designer hinter dem Tod der SRA steckten. Jedenfalls wird von Experten schon mal kolportiert, dass sichtbare Düsen im Stoßfänger angeblich „das gesamte Design der Front verhunzen“. Dabei gibt es so schöne Teleskopdüsen, die nur zur Arbeit der Dusche ausfahren und die restliche Zeit nahezu unsichtbar sind.  Sie kosten halt ein wenig mehr.
Vielfach ist eine Reinigungsanlage überhaupt nicht mehr lieferbar, und das beileibe nicht nur in den unteren Fahrzeugklassen. Bei einigen Modellen versteckt sie sich tief in den Aufpreislisten, ist aber prinzipiell noch erhältlich. In wieder anderen Fällen lässt der Hersteller sie nur in anderen Ländern als dem eigenen einbauen. So ist eine solche Anlage zum Beispiel in Skandinavien noch weitgehend üblich. Es lohnt es sich womöglich auch andernorts, beim Autokauf nachdrücklich auf der Reinigungsanlage zu bestehen. Nicht immer, aber manchmal, kann der Händler mit etwas gutem Willen die Auslands-Ausrüstung ab Werk bestellen.

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