Wie aus dem Nichts werden im Rückspiegel zwei Scheinwerfer größer. Und größer. Aufblenden in einem Meter Abstand bei 180 km/h, hupen. Offensichtlich möchte ein eiliger Zeitgenosse vorbei und scheut sich nicht, dabei mein Leben und das aller anderen um uns herum zu gefährden. Kosten? Dieser verkehrsgefährdende und nötigende Vorgang kostet 250 Euro.
Außerdem bekommt der Rowdy ein Fahrverbot für 3 Monate auferlegt.
Da gibt es preiswertere Alternativen:

Vorschlag 1:
Rechts vorbei fahren. Das beinhaltet einen unglaublichen erzieherischen Effekt, denn kein notorischer Linksfahrer rechnet wirklich damit, rechts überholt zu werden. Das darf man ja auch gar nicht. Neben dem ungläubigen Blick des Überholten fängt man sich außerdem den Respekt aller anderen Hinterherfahrer ein. Die wollten das eigentlich auch schon lange machen, haben es sich aber nicht getraut. Und das Allerbeste: Es kostet aktuell nur 100 Euro! Ein Fahrverbot wird erst nach mehrmaligen Wiederholungstaten auferlegt.
Ersparnis beim rechts Überholen: 150 Euro und das Fahrverbot!

Vorschlag 2:
Wenn das nicht genügt oder sich auf der rechten Spur ebenfalls Verkehrsteilnehmer befinden – Standstreifen benutzen! Dabei ist es völlig unerheblich, ob hier vielleicht havarierte Fahrzeuge stehen oder bei einem Verkehrsunfall die Rettungskräfte den Standstreifen oft als einzige Möglichkeit zum Vorankommen nutzen! Er ist frei. Er ist breit genug. Geschickte Fahrer erreichen hier durchaus Geschwindigkeiten von über 100 km/h, das spart auf dem Weg zum Flughafen eine Menge Zeit! Außerdem kostet das aktuell nur 75 Euro und schon wieder kein Fahrverbot! Das nenne ich Schnäppchenfahren!
Ersparnis beim Überholen auf der Standspur: 175 Euro und erneut kein Fahrverbot!

Vorschlag 3:
Schwupps … die in jedem Elektronikmarkt bestellbare Blaulicht-Sirenen-Kombination aufs Dach gepappt – und schon ist freie Bahn auf allen Fahrstreifen. Das macht nicht nur bei McDrive mächtig Eindruck und betört eventuell die Beifahrerinnen, nein, auch bei lästigen Staus wird man hörig Platz machen, wie man das in der Fahrschule gelernt hat. Stoppt ein tatsächlicher Vertreter des Gesetzes anschließend die Fahrt, kostet Sie das … na?… 20 Euro! Kein Fahrverbot. Allerdings wird man das Blaulicht einziehen, also vorsichtshalber schon einmal ein paar mehr von den kleinen preiswerten Dingern besorgen. Und beim rechts Vorbeifahren müssen Vorschlag 1 oder 2 dazu addiert werden.
Ersparnis beim Überholen mit eigenem Blaulicht: 230 Euro und auch kein Fahrverbot!

Vorschlag 4:
Dieser Text ist natürlich nicht ernst zu nehmen, obwohl die Zahlen stimmen. Rechts vorbei ist voll daneben, genauso wie Gedrängel mit Lichthupe oder das Blaulicht. Egal wie unterhaltsam der Bußgeldkatalog manchmal ist, spielt weder mit eurem Leben noch mit dem von anderen! Investiert die gesparten Bußgelder lieber in neue Lampen von Osram. Auch gern in Fernlicht. Aber nutzt es bitte nur, um nachts auf freier Strecke besser sehen zu können.

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  • Die Zahlen stimmen mindestens schon mal bei Vorschlag 3 nicht. Dort hinzu kommen meist noch Strafverfahren wegen der Nutzung eines Blaulichtes an Fahrzeugen wo keines auf irgendwelche Weise montiert sein darf und meistens kommt noch Amtsanmaßung hinzu. Außerdem basiert der Bußgeldkatalog auf der Annahme dass man Dinge nicht vorsätzlich tut, dass soll mal jemand bei einem Blaulicht erklären 😉

    • Hi Sam White,

      doch, die stimmen. Allerdings natürlich nicht im Zusammenhang mit dem Delikt „Amtsanmaßung“.
      Genau wie die anderen Beispiele ist natürlich alles Auslegungssache und soll vor allem eines verdeutlichen, während man liest und schmunzelt: Es GIBT Menschen, die so ticken und argumentieren. Ich weiß aktuell noch nicht, wie ich mich denen gegenüber da draußen verhalten soll, aber es gibt sie.

      Ich habe bei einem längeren Stau auf der A7 in Richtung Hamburg vor einiger Zeit hart gefeiert, als diverse Protagonisten tatsächlich mit sehr hoher Geschwindigkeit auf dem Standstreifen gefahren sind. Nicht etwa „nur“ die 200 Meter zur nächsten Abfahrt (auch das ist verboten) sondern richtig auf Strecke. Denen kam einen Kilometer weiter die Polizei auf genau diesem Standstreifen entgegen. Und niemand der anderen Autos auf den regulären Spuren, NIEMAND hat die aufgeschreckten Raser wieder reingelassen. Voll aufgelaufen. Ich habe den ganzen Abend gelacht, großartige Aktion.

      Jens

      Sandmann