Seit 25 Jahren gibt es Xenon-Licht im Kfz. Wir beleuchten Mythen und Technik.

Der Wunsch war nachvollziehbar: bitte mehr Licht vorn am Auto, aber bitte nicht mehr Energieverbrauch. Klar. Findige Techniker dachten sich daher in den späten 80er-Jahren, was auf der Sonne hell ist, kann doch auch im Auto hell sein? Kein Problem. Also, jedenfalls kein unüberwindbares. Große Hallen oder öffentliche Plätze wurden schon lange von „Gasentladungslampen“ ausgeleuchtet. In den neu konstruierten Lampen für den Kfz-Bereich befand sich also kein herkömmlicher Glühfaden mehr, sondern eine kleine Menge des Edelgases Xenon. Legt man da eine hohe Spannung an, verwandelt sich das Gas in „Plasma“. So ein bisschen wie auf der Sonne. Wer noch tiefer gehen möchte: Im Plasma lösen sich viele Elektronen von den dann positiv geladenen Rest-Atomen und bewegen sich unabhängig von ihnen. Das nehmen wir in diesem Fall als helles Licht wahr.

Die Temperatur des Xenon-Lichts liegt in den ersten Serien bei ungefähr 5000 Kelvin, das ist ganz in der Nähe von normalem Tageslicht. Trotz kleinerer Bauweisen der Scheinwerfer und bis zu 50 % mehr Lichtausbeute wird nicht mehr Energie benötigt, die Straße wiederum aber wesentlich besser und weiter ausgeleuchtet. Der 7er BMW war 1991 das erste Serienfahrzeug, für das optional Xenon-Scheinwerfer angeboten wurden. Schon 1997 wurden über 50 % der Oberklassefahrzeuge von BMW, Porsche, Mercedes-Benz und Audi mit Xenon-Licht geordert. Ab 1999 konnte der Mercedes C215 erstmals auch mit Bi-Xenon bestellt werden. Nun funktionierte also auch das Fernlicht über Gasentladungslampen. Ältere Fahrzeuge konnten nicht einfach problemlos per Plug & Play auf Xenon-Scheinwerfer umgerüstet werden, denn die neuen Lampen benötigen eine eigene Hochspannungsquelle (im Volksmund „Brenner“ genannt), die das Gas zünden kann. Es musste also immer ein ganzes Lampensystem getauscht werden, die Kosten waren (und sind) nicht unerheblich.

Klingt – zumindest für Neufahrzeuge – klasse. Ist es auch. Trotzdem mehrten sich vor allem in den Anfangszeiten von Xenon die Beschwerden anderer Autofahrer, das „neue“ Licht würde sie blenden. Es wäre bei entgegenkommenden Fahrzeugen sehr blau und sehr unangenehm. In der Theorie konnte das widerlegt werden, Xenon-Licht ist nicht blauer als Tageslicht und die neuen Scheinwerfer entsprachen in ihrer Ausleuchtung der Straße absolut den Vorschriften.

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Es ist also ein bisschen Psychologie dabei. Und auch die ist inzwischen nachvollzogen. Die Abstrahlfläche vieler Xenon-Scheinwerfer ist kleiner als die normaler Halogenscheinwerfer, dadurch wirken sie bei gleicher Lichtausbeute heller. Das bläuliche Licht erregt die Aufmerksamkeit stärker als gelbliches Licht, auch diese andere Farbverteilung scheint deshalb heller als „gewohnt“. Dieser Effekt verschwindet aber nach und nach, weil immer mehr Fahrzeuge mit Xenon-Lampen unterwegs sind. Und nicht zuletzt wird blaues Licht von der Augenlinse stärker gestreut als gelbes oder weißes, sodass ein Streulichtschleier auf der Netzhaut einen Blendeffekt vorgaukelt. Wahrnehmung ist alles.

Ich habe schon lange keinen mehr über das „schlimme blaue Licht“ der anderen schimpfen hören. Geht doch. Wer von euch Xenon-Lampen im Auto eingebaut hat, kann diese natürlich auch noch verbessern, schaut mal her. Und wer nicht … auch da gibt es von Osram noch Performance-Steigerung. Für den ungetrübten Blick nach vorn.

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  • Gasentladungslampen in kleiner Bauform kommen seit den 1980ern zum Einsatz. Nicht nur für Hallen und auf öffentlichen Plätzen, sondern z.B. bei Effektscheinwerfern im Eventbereich.
    Farb-Temperatur des Lichts bzw. Lichtfarbe sollte es wohl heißen. Weil 5000 Grad Kelvin wäre dannn doch ein wenig warm.
    Das Leuchtmittel selbst wird auch Brenner genannt.
    Zum Zünden und Betreiben desselben braucht es ein Zünd- bzw. Vorschaltgerät.

  • Auch ich kenne den Ausdruck „Brenner“ nur für das Leuchtmittel, also dort, wo auch der Lichtbogen zustande kommt.
    Die vergleichsweise angenehmen 5000K sind heute ja eher grün-gelblichen 4300K gewichen.
    Der Gewöhnungseffekt an das bläulichere Licht (im Vgl. zu Halogen) wird ja von den inzwischen auch nicht mehr seltenen, und meist noch blaueren LED-Scheinwerfern vorangetrieben.
    Ich denke, der Blendeffekt von Xenons wurde aber auch wegen der heute höheren Anbauhöhen der Scheinwerfer (SUV, Fußgängerschutz…) verstärkt.

    • Hallo zurück,

      nein, das muss man natürlich nicht wissen, für die Information dass er der erste mit Bi-Xenon war reicht ja auch die Information des Erscheinungsjahres.
      Aber was sonst hätte ich schreiben sollen? Der heißt nun mal so 😉 Alternativ wird er CL-Klasse genannt, das war das Coupé auf der Plattform der S-Klasse.

      Konnte ich einen Durchblick verschaffen? Ungeblendet? Schönes Wochenende
      Jens

  • Guten Tag,

    ich habe einen RANGE ROVER III (L322) 4.4 4×4 210kW Bj 03.2002-08.2012 bis 2006, mit Bi-Xenon Lampen. Gibt es Angaben zu der Leuchtstärke in LUX in einem bestimmten Abstand um die Verschleißgrenze zu ermitteln. Falls die so ermittelte Leuchtkraft nicht mehr ausreichend ist, gibt es eine Lampenempfehlung für den Ü60 Fahrer? Bisher ist Xenarc 66040 verbaut. Laut aktuellen Lampenfinder wird 66240CBI empfohlen.

    Mit freundlichem Gruß

    Dirk Hecker

    • Hallo Dirk,
      zu deiner ersten Frage: Es ist leider nicht möglich, die Leuchtstärke in einem bestimmten Abstand um die Verschleißgrenze zu ermitteln. Die Beleuchtungsstärke an bestimmten Stellen ist nicht nur von der Lampe, sondern auch vom Scheinwerfer selbst abhängig. Dazu kommt noch, dass Scheinwerfer heute nur noch in Candela vermessen werden. Eine korrekte Messung des Lichtverlusts in Folge der Lebensdauer wäre nur über den Lichtstrom in einer Ulbrichtkugel möglich (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ulbricht-Kugel).
      Wir können dir unsere stärkste Xenonlampe, die XENARC® NIGHT BREAKER® UNLIMITED D2S, empfehlen: http://bit.ly/2moYRnL.
      Viele Grüße, dein OSRAM Automotive-Team