Bietet der Mond genügend Licht, um damit bei Nacht zu fahren? Ja, sagten Argentinier früher und nutzten im südlichsten Teil des Landes oft nur den Erdtrabanten zur Beleuchtung der Straße. Das geschah nicht aus Sparsamkeit, sondern hatte handfeste Vorteile – aber nur in dieser Region der Erde.

Patagonien ist eine dünn besiedelte Region. Statistisch gesehen leben nur zwei Einwohner pro Quadratkilometer in diesem südlichsten Teil von Südamerika, zu dem auch die Insel Feuerland zählt. Außerhalb von Städten oder Dörfern also praktisch niemand. Der größte Teil des Gebiets gehört zu Argentinien. Und die bedeutendste Route durch Patagonien ist die Nationalstraße 3, die von Buenos Aires bis zur chilenischen Grenze an der Meerenge Magellanstraße führt.Im Süden Argentiniens ist es jetzt recht lang hell, denn auf der Südhalbkugel herrscht ja gerade Sommer. Im Winter hat die Region aber in etwa die gleichen Lichtverhältnisse wie Deutschland, sprich die Dauer der Nacht und des Mondscheins ist wegen der vergleichbaren geografischen Breite ähnlich lang. Aber die Verkehrsverhältnisse waren vor ein paar Jahrzehnten extrem unterschiedlich.

Da war zunächst einmal die Verkehrsdichte. Von Dichte kann eigentlich keine Rede sein. Selbst auf der AU03 genannten Nationalstraße begegnete einem in den 1970-ern manchmal nur ein Fahrzeug pro Stunde oder gar Nacht. Dafür umso mehr Tiere. Lamas, verwilderte Pferde und Rinder, ja sogar bis zu eineinhalb Meter große Vögel namens Nandu sprangen gern auf die Fahrbahn. Vorzugsweise bei Nacht, wenn sie von den Autoscheinwerfern angezogen wurden. Das ist nicht nur in Patagonien unangenehm und kann bös ausgehen.

Als Mittel dagegen kam irgendwann die Idee auf, bei Mondschein ohne Licht zu fahren. Die Regierung Argentiniens war nicht vom Virus des Bedenkentragens befallen und ließ gewähren. Es stellte sich heraus, dass nicht nur die Zahl der gefährlichen Begegnungen mit Tieren dramatisch zurückging. Es stieg nämlich auch die Sichtweite. Der Mond lieferte zumindest an klaren Tagen und wenn er nicht nur als mickrige Sichel am Himmel über der Pampa stand genügend Licht für kilometerweite Sicht auf in aller Regel freie Straße ohne Gegenverkehr.

Ohne Licht: So sahen früher Autofahrer im südlichen Argentinien weiter. Heute funktioniert das auch dort nicht mehr.

 

Heute wird in ganz Argentinien nachts mit Licht gefahren, denn auch in Patagonien und sogar dem zu dem Land gehörenden Teil von Feuerland ist auf und entlang der Straßen mehr los. Und so kommen wir zu den Gründen, warum das südamerikanische Experiment in anderen Regionen nicht empfehlenswert ist.

So sind die AU03 und viele andere Straßen Patagoniens oft zig Kilometer schnurgerade und das Gelände flach. Pampa halt. Der Verlauf ist also leicht erkennbar. Rechts und links war selten eine menschliche Ansiedlung und somit kein Licht. Schon eine einzelne Funzel an einem Gebäude oder gar ein Autoscheinwerfer machen das Auge nämlich für viele Minuten unempfindlicher. Es dauert bis zu einer Viertelstunde um die maximale Empfindlichkeit zu erreichen. Dann genügt aber übrigens sogar das Licht der Sterne für die Fortbewegung zu Fuß.

Doch gibt es heute praktisch auf der ganzen Welt kaum noch eine Ecke, in der sich dem Auge solche Verhältnisse bieten. Und dann ist ja noch der Mond, der doch nicht immer in optimaler Weise für die Nachfahrt leuchtet. Es ist übrigens nicht bekannt, ob Fernfahrer damals in Patagonien ihre Touren nach dem Mondkalender planten. Möglich wär’s.

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  • Selbst wenn man in der Pampa mit dem Auto unterwegs ist, sollte man doch immer das Licht anhaben. Man weiß ja schließlich nie ob da nicht eventuell doch ein anderes Auto oder Fußgänger unterwegs sind. Sehr wichtig ist beim Auto auch die Rückfahrleuchte. Denn ohne diese würde man denke ich in so einige Autos hineinfahren.