Es dürfte das nächste große Ding beim Autolicht werden. Ein jetzt vorgestellter Scheinwerfer mit über 3000 Leuchtdioden von Osram kann jede Stelle vor dem Auto gezielt anleuchten oder dunkel lassen. Fein aufgelöstes blendfreies Fernlicht wird damit ohne mechanische Teile möglich.

Blendfreies Fernlicht gibt es schon zu kaufen. Matrixlicht ebenfalls. Was also ist neu an jenem Scheinwerfer, den ein Konsortium aus Daimler, Osram, dem Scheinwerferhersteller Hella, dem Halbleiterspezialisten Infineon und dem Fraunhofer-Institut jetzt vorgestellt hat? Nun, es handelt sich um Pixellicht, was man als Matrixlicht mit einer sehr viel höheren Zahl von LEDs ansehen kann. Während beispielsweise Opel im Astra die Straße mit 16 Stück pro Scheinwerfer beleuchtet und Mercedes in der aktuellen E-Klasse mit 84, sind es im seriennahen Versuchsscheinwerfer sage und schreibe 3072. Jede einzelne ist natürlich nicht so stark wie die in bereits verkauften Scheinwerfern. In der Summe übertreffen sie aber praktisch alles bislang Angebotene. Die LEDs des Pixellicht-Scheinwerfers bringen jeweils einen Lichtstrom von einem Lumen, was unter dem Strich rund 3000 ausmacht. Das ist das Niveau von Xenonlicht, das bislang Benchmark in dieser Disziplin ist.

Alle hellen Dinge sind drei: Je 1024 LEDs sind in jedem der drei Module im Versuchsscheinwerfer von Daimler für Pixellichteingesetzt. Zum Vergleich eine Kugelschreiberspitze.

 

Doch der hohe Lichtstrom ist nicht das Bedeutendste des Systems. Jede LED lässt sich einzeln ansteuern. Es sind sehr viel mehr unterschiedliche Lichtverteilungen möglich als beim aktuellen Matrixlicht. So muss ein entgegenkommendes Auto nicht mehr als ganzer „Kanal“ ausgeblendet werden, wie beispielsweise beim blendfreien Fernlicht in Xenontechnik. Jetzt kann sich das System zum Beispiel auf die Windschutzscheibe beschränken. Ein gleichzeitig Vorausfahrender wird ebenfalls nicht geblendet, doch schon die Fahrbahnteile zwischen den beiden Autos bleiben erleuchtet. Eine Stereokamera steuert diese Funktionen ohne Zutun des Fahrers. Der bekommt stets das maximal mögliche Licht, ohne dass jemand geblendet wird. Die Blendung ist sogar deutlich geringer als beim konventionellen Abblendlicht, vor allem in Rechtskurven. Wegen der hohen Zahl von Lichtquellen ist das Licht zudem sehr homogen. Der beim üblichen Matrixlicht mitunter zu beobachtende Schachbretteffekt ist , wenn überhaupt, nur noch sehr schwach wahrnehmbar.

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Moderne Pixellicht-Scheinwerfer werden keine mechanischen Teile mehr benötigen. Auch das schwenkende Kurvenlicht entsteht durch Einschalten passender LEDs. Die mechanische Leuchtweitenregelung lässt sich auf ähnliche Weise ersetzen.

Die Integration von über 3000 LEDs in nur einem Scheinwerfer war eine technische Herausforderung. Eine solch große Zahl kann nicht mehr konventionell verdrahtet werden. Die LEDs von Osram sind deshalb direkt mit einem Ansteuer-Chip von Infineon zusammengebaut. Die Technik für diese anspruchsvolle Verbindung hat das Fraunhofer-Institut entwickelt. Jeweils 1024 Leuchtdioden sind zu einem so genannten Array zusammengefasst. Drei davon tun in einem Scheinwerfer Dienst. Das Licht wird mit einer Linse auf die Straße projiziert. Sie und die gesamte Integration in das Gehäuse kommen von Hella.

Daimler erprobt das Pixellicht bereits auf der Straße und will es in der Zukunft ab Werk anbieten.

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