Oh, was ist das da denn für ein Auto…?“ Schwer zu sagen im neuen Jahrtausend. Mit einigen Ausnahmen. Es gab eine Zeit, da haben sich die verschiedenen Automarken auch optisch markant voneinander unterschieden. Und es gab und gibt noch immer Gesichter in der Menge, die sich von allen anderen abheben – nicht zuletzt durch das Design und die Anordnung ihrer Scheinwerfer. Unsere kleine Reihe stellt subjektiv ausgewählt die spektakulärsten oder schrägsten Autofronten vor, einige längst vergessen, andere noch immer im Straßenbild vorhanden. Heute widmen wir uns einem Auto, was vielleicht eure Eltern mal hatten. Der Ford Taunus 12M P4, das „Mandelauge“.

Es ist eines dieser Autos, bei denen man von hinten heute gar nicht mehr weiß, was es denn eigentlich ist. Mandelförmige, wunderschöne Rücklichter und knubbelige, blechlastige Rundungen. Zum Glück steht da überall aus dicken, metallenen Lettern „TAUNUS“ drauf, das verifiziert die kölner Heimat. Von vorn wiederum, und darum geht es uns hier ja, will man dieses Auto aus den 60ern spontan liebhaben und trösten, denn es guckt regelrecht verzweifelt freundlich. Große, runde, freundliche 6-Volt Scheinwerfer, dazwischen eine chromige Zahnreihe, die Mundwinkel leicht nach unten gezogen. Fast wie Frau Merkel.

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Dabei ist der 12M (M wie Meisterklasse) damals ein zumindest in Allemagne begehrtes Teil gewesen! Als Kleinwagen „Cardinal“ vom Mutterkonzern in den USA entworfen und als viel zu klein verschmäht, „durften“ die Kölner ihn bauen. Mit unkonventionellem, aber robustem V4 Motor, einer quer eingebauten Blattfeder und viel Platz im Inneren. Sagenhaft viel Platz. Durchgehende Sitzbänke vorn und hinten, gern zwei Farben auf Lack und Gestühl, ganz wie auf der anderen Seite des großen Teichs. Lenkradschaltung, Alu und Blech, Zierleisten und ein großer Kofferraum für die Fahrt in den Süden. Mehr Auto brauchte damals kein Mensch. Neben dem ewigen Millionenseller VW Käfer war der Ford eine Luxuslimousine, und neben dem aktuellen Opel Kadett sah er genau so gut, nur anders, aus. Die Bundesrepublik hatte eine neue, starke Mittelklasse mit einem irgendwie traurigen Blick. Aber er blieb bis heute im Kopf hängen.

Nur noch sehr selten taucht ein P4 heute im Rückspiegel auf. Die Fahrer dieses Meilensteins halten fest zusammen und helfen sich unkompliziert bei allen Fragen zu Ersatzteilen und Schrauberproblemen. Der Taunus kam, damals in Deutschland zeitgemäß, mit einer 6 Volt Anlage daher. Zum Glück gibt es heute sogar schon 6 Volt H4 Lampen, mit denen man nicht nur gesehen wird, sondern nachts auch selbst etwas sehen kann. Denn die originalen Scheinwerfer sind für den Alltag und das Verkehrsaufkommen im Jahr 2016 nicht mehr gut genug. Die Welt hat sich weitergedreht, und vor allem in der Scheinwerfertechnik entwickelt das Team von Osram in Rekordzeit immer neue Lampen, die eure Nachtfahrt heller machen. Viel heller als damals, 1966. Wenn ihr also heute Abend verliebt um euer treues Auto herumschleicht – legt eine Gedenkminute für den Ford Taunus ein. Er ist der Großvater vieler technischer Ideen, und wenn er merkt, dass jemand noch immer an ihn denkt – dann guckt er vielleicht wieder ein bisschen fröhlicher.

 

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