Seit rund zehn Jahren macht die Autolichttechnik rasante Fortschritte. Gleichzeitig kommen Scheinwerfer und Leuchten oftmals bei ein und demselben Modell in mehreren Ausführungen und Preisstufen daher. Grund genug, mal zu klären, was für wen das passende Licht ist.

Autohersteller sparen oftmals in der Basisausstattung. Hier dominiert weiterhin Halogen. Freigiebig sind sie mit schönen Marketingbegriffen, in denen das Wort „Dynamik“, gern in der englischen Schreibweise, selten fehlt. Es ist eine Herausforderung für den Neuwagenkäufer, herauszufinden, was hinter dem Wort steckt. Doch die erste Frage lautet schlicht wie beim Lebensmittelkauf: Darf es etwas mehr sein?

Wer sein neues Fahrzeug fast nur in der Stadt bewegen will, kommt in der Regel mit der Basisausstattung aus. Halogenscheinwerfer sind nicht hoffnungslos veraltet und bieten auf den überwiegend beleuchteten innerörtlichen Straßen und den dort gefahrenen Geschwindigkeiten ausreichend Licht.

Ein neues Auto braucht neues Licht. Aber welches ist das richtige für den eigenen Bedarf?

 

Wer das Auto überall nutzt und deshalb gegen Aufpreis eine leistungsfähigere Technik kauft, bekommt heute oft LED-Scheinwerfer. Bei schon länger gebauten Modellen ist die Upgrade-Lösung ein Xenonscheinwerfer. Letzteren kann man bedenkenlos nehmen, denn er bietet immer noch ein Super-Licht, das sogar etliche LED-Systeme übertrifft.

Wichtiger als der Unterschied zwischen den hochmodernen Halbleiter-Lichtquellen und der auf Gasentladung basierenden Xenonlampe sind die zusätzlichen Funktionen, die man sich für das Mehr an Geld kauft. Absolute Spitze ist das blendfreie Fernlicht, das in beiden Lichttechnologien, aber selten unter einem einheitlichen Namen angeboten wird. Jeder nennt es anders. Also den Händler danach fragen! Der große Vorteil des blendfreien Fernlichts ist, dass immer die größtmögliche Menge Licht auf die Straße kommt, ohne jemanden zu blenden. Dafür lohnt sich sogar ein zusätzlicher Aufpreis über den für LED oder Xenon hinaus. Adaptive Lichtverteilungen für Stadt, Landstraße und Autobahn sind eine Stufe tiefer angesiedelt, aber für die meisten Autofahrer und Fahrprofile ebenfalls empfehlenswert.

Beim Kurvenlicht gilt es zunächst zu unterscheiden. Beim echten, dynamischen Kurvenlicht schwenken die Hauptscheinwerfer praktisch in die Kurve. Wer viel in kurvenreichen Gegenden wie in bergigen Regionen unterwegs ist, wird es zu schätzen wissen. Auf überwiegend geraden und ebenen Straßen fällt es weniger ins Gewicht. Sehr preisgünstig ist oft statisches Kurvenlicht oder Abbiegelicht. Gemeint ist diese Dimmfunktion, die eigentlich nur im Stadtverkehr auffällt. Sie darf nämlich nur unterhalb von 40 km/h wirken. Der Gewinn an Sicht ist zumindest bei den tief eingebauten Versionen begrenzt, der an stylischer Erscheinung möglicherweise nicht. Wem es gefällt, der bekommt es für zumeist wenig Geld.

Damit kommen wir zu den Nebelscheinwerfern, die ja oft sogar eine Funktionseinheit mit dem Abbiegelicht bilden. In der Wirksamkeit gibt es große Unterschiede. Nicht wenige Lichtexperten sehen Nebelscheinwerfer inzwischen überwiegend von Designern als Gestaltungselement eingesetzt. Lichttechnisch gut sind aber Modelle mit Projektionssystemen, also Linsen. Sie haben eine scharfe Hell-/Dunkelgrenze, die bei Nebel besonders zählt. Alle anderen bieten nur eine breitere Ausleuchtung – und sind möglicherweise ein Design-Highlight.

Bei Rückleuchten gibt es womöglich auch die Wahl zwischen herkömmlichen Modellen mit Glühlampen und solchen mit LEDs. Letztere sind bei manchen Autos dann übrigens nicht automatisch in allen Funktionen vorhanden. Das macht auch nichts, denn zum Beispiel eine Nebelschlussleuchte profitiert so gut wie nicht von der modernen Technik. Anders beim Bremslicht. Hat das LEDs, leuchtet es rund eine Viertelsekunde früher voll auf, als eines mit Glühlampen. Das bedeutet einen erheblichen Gewinn an Reaktionszeit für den folgenden Fahrer und verhindert Auffahrunfälle. Die dritte Bremsleuchte ist daher heute nahezu immer mit LEDs bestückt. Bei den anderen beiden Leuchten ist ein Aufpreis erwägenswert, so angeboten.

Die Entscheidung für eine bestimmte Licht-Ausrüstung sollte jedoch nicht am grünen Tisch und am hellen Tag fallen. Erst bei einer Probefahrt bei Nacht stellt sich heraus, was hinter moderner Lichttechnik steckt. Viele Autohäuser bieten eine solche Tour inzwischen an. Wenn nicht, sollte man danach fragen.

Keine Frage ist dagegen, ob sich das Warten auf einen nächsten Sprung der Technik lohnt. Bei der reinen Menge Licht wird sich nicht mehr viel tun. Und bei den Funktionen ist es ähnlich wie beim Smartphone: Die nächste Generation hat immer ein paar neue Features, aber kaum jemand will auch nur Monate darauf warten. Beim Auto sind die Generationen noch dazu in Jahren zu messen. Also jetzt schon neues Licht kaufen!

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