Das Autolicht ist inzwischen weitgehend international vereinheitlicht. Früher war auch auf diesem Gebiet nicht alles besser, aber manches origineller. Das zeigt das Nachbarland Österreich, in dem eine Zeitlang die Lichthupe nur zusammen mit der Kennzeichenbeleuchtung funktionieren durfte. Das hatte einen im Wortsinn einleuchtenden Grund.

Es muss in der Alpenrepublik wohl mal vorgekommen sein, dass ein Spitzbube bei Nacht mit dem Auto unerkannt entkam, weil ein Kiberer – umgangssprachlich für Polizist in Österreich – das Nummernschild nicht lesen konnte. Der clevere Gauner hatte dabei einfach statt des Hauptlichts die Lichthupe zur Beleuchtung des Fluchtwegs herangezogen. Doch auch die Exekutive – so nennen Österreicher ihre Regierung – war nicht dumm und ordnete die Koppelung von Lichthupen mit den Kennzeichenleuchten an. Das fanden Autohersteller gar nicht lustig, weil mit lästigem Aufwand verbunden. Das und die Internationalisierung der Vorschriften beendeten die Sache dann. Der Einfluss auf die Aufklärungsrate von Verbrechen dürfte gering gewesen sein.

Recht liberal war Österreich in den 1960-er Jahren beim gelben Hauptlicht. Die ansonsten nur in Frankreich und manchen seiner ehemaligen Kolonien übliche Farbe war zwischen Bregenz und Wien zwar nicht vorgeschrieben, aber erlaubt. Da die damals zur Erzeugung des so genannten Selektiv-Gelbs verwendeten Beschichtungen viel Licht kosteten, war die Verbreitung eher gering.

Eine andere französisch inspirierte Eigenart war zeitweise gebräuchlicher, das Fahren mit Standlicht in der Stadt. Weil Stand und Fahren nicht sinnvoll zusammenpassen, kreierte Wien dafür die Bezeichnung Stadtlicht. Noch vor Frankreich machte Österreich das Abblendlicht in Ortschaften aber wieder generell zur Pflicht.

Der Franzose Napoleon wiederum war für eine weitere österreichische Spezialität verantwortlich. Nämlich, dass lange Zeit in Teilen des Landes rechts, in anderen links gefahren wurde. Als der französische Kaiser gegen seinen österreichischen Kollegen zu Felde zog, hielt in den von ihm eroberten, westlichen Gebieten der Rechtsverkehr Einzug. Aber er blieb nur dort in Kraft. Napoleons Vormarsch wurde gestoppt und die östlichen Regionen inklusive Wien behielten den Linksverkehr. Das störte Anfang des 19. Jahrhunderts die Pferdekutschen kaum, blieb aber – man soll ja nichts überstürzen – bis 1938 so. Was das mit Autolicht zu tun hat? Vielleicht, weil die Scheinwerfer blenden, wie es der Fall ist, wenn Kontinentaleuropäer in England links fahren? Nein, 1938 spielte das noch keine Rolle. Das asymmetrische Abblendlicht kam in Europa erst in den 1950-er Jahren in Verkehr. Der symmetrische Vorläufer bietet wesentlich weniger Sicht, blendet dafür aber auf der „falschen“ Straßenseite nicht.

Das letzte Mal, dass Österreich in Sachen Licht seinen eigenen Willen zeigte, war 2007. Damals schaffte es das erst zwei Jahre zuvor eingeführte Tagfahrlicht wieder ab – bislang als einziges bedeutendes Land überhaupt.

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