Oh, was ist das da denn für ein Auto…?“ Schwer zu sagen im neuen Jahrtausend. Mit einigen Ausnahmen. Es gab eine Zeit, da haben sich die verschiedenen Automarken auch optisch markant voneinander unterschieden. Und es gab und gibt noch immer Gesichter in der Menge, die sich von allen anderen abheben – nicht zuletzt durch das Design und die Anordnung ihrer Scheinwerfer. Unsere kleine Reihe stellt subjektiv ausgewählt die spektakulärsten oder schrägsten Autofronten vor, einige längst vergessen, andere noch immer im Straßenbild vorhanden. Heute kommt die Mutter aller Geländewagen und das Ur-SUV: Die kantige G-Klasse von Mercedes-Benz.

Es ist schon über 44 Jahre her, dass Daimler-Benz mit den heutigen Magna-Steyr Werken in Österreich (damals Steyr-Daimler-Puch) einen Geländewagen entwickelte. Der iranische Herrscher, damals Aktienhalter von rund 18%, meldete erhöhten Bedarf an so einem Fahrzeug, außerdem kalkulierte man die Bundeswehr als potenziellen Abnehmer ein. Es entstand ein robustes, langlebiges Fahrzeug auf einem Kastenrahmen, mit Starrachsen, langen Federwegen und gewaltiger Bodenfreiheit. Was ab 1979 unter dem Joint-Venture Geländefahrzeug Gesellschaft mbH in Graz gebaut wurde, lief ab 1981 als G-Modell der Daimler-Benz AG im Lohnauftrag bei Steyr-Puch vom Band. Optisch fast identisch mit der heutigen, noch immer in Österreich gefertigten G-Klasse, die in den Jahrzehnten vor allem an Technik und Komfort zugelegt hat – aber noch immer ein gewaltiger, kantiger Kasten mit zwei runden Scheinwerfern ist.

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Sieht man einen G am Straßenrand stehen, fühlt man sich irgendwie klein. Taucht er gar im Rückspiegel auf, verdunkelt er die Sonne. Die wuchtige Front mit dem Zentralstern, den oben auf den Kotflügeln angebrachten Blinkern und der dahinter aufragenden glatten Fensterfläche ist nicht nur genial einfach, sie beeindruckt auch nachhaltig. Im Laufe der Modellpflegen (bei Mercedes heißen die MoPf) änderten sich auch die Scheinwerfer des Geländewagens. Beim Urmodell W 460 haben die Scheinwerfer noch eine geriffelte Glasfläche und sind mit einer Gummiabdeckung gegen Schmutz geschützt. Ab 1990 werden zwei unterschiedliche Modelle angeboten, der W 461 in der einfachen Ausstattung mit zuschaltbarem Allradantrieb (die Bundeswahr hatte sich übrigens aus Kostengründen für den VW Iltis entschieden….) und der W 463 mit gehobener Ausstattung und permanentem Allradantrieb. Seit 2002 gibt es nur noch den W 463, dafür aber mit Freiflächenscheinwerfern, die gegenüber dem Parabolid-Scheinwerfer den gesamten Reflektor aus Kunststoff nutzen. Die vorgeschriebene Hell-Dunkel-Grenze wird durch die Reflektorform erreicht.

Die aktuellen G-Modelle gehören noch immer zu den geländegängigsten Serienfahrzeugen unserer Zeit, sind aber eher etwas für besser verdienende Förster oder gut betuchte Privat-Offroader. Seit 2006 leuchten Bi-Xenon Lampen in der schrankwandartig aufragenden Front, seit 2012 sind diese zusätzlich mit LED Tagfahrlicht unterbaut. Im Sortiment von Osram gibt es viele Varianten von hochwertigen Lampen, mit denen sich die langen Schatten, die der große Wagen wirft, hervorragend erhellen lassen. Wenn ihr einen G euer Eigen nennt, erfreut euch an seiner Unzerstörbarkeit. Alle anderen blicken gemeinsam auf ein über 40 Jahre optisch kaum verändertes Urgestein, was sich angenehm vom runden Einheitsbrei der aktuellen Autos absetzt. Am Ende ist alles Geschmacksache. Aber der G schwimmt nicht mit dem Strom, er ragt sprichwörtlich aus ihm heraus.

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