Auf die Frage „Wer lässt Autoteile zu?“ fällt den meisten nur eine Antwort ein: „Der Tüv!“. Und die Vorschriften selbst vermuten selbst viele Profis in der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung StVZO. Beides stimmt zumindest für das Autolicht nicht.

Fangen wir bei den Regeln an. Die gern zitierte StVZO ist für Scheinwerfer und Leuchten praktisch bedeutungslos geworden. Schon seit Jahrzehnten haben nämlich die Regelungen der Economic Commission for Europe (ECE) den Vorrang. Das ist vielfach unbekannt, ebenso wie die Tatsache, dass die ECE nicht viel mit der EU zu tun hat. Sie ist viel älter und eine UN-Organisation. Den Mitgliedern der Kommission haben die ständigen Verwechselungen so missfallen, dass inzwischen oft von UNECE die Rede ist. Trotz des Wortes Europe sind längst nicht nur Länder aus dieser Region darin vertreten. Australien und Neuseeland etwa wenden die „europäischen“ Regeln ebenso an wie Aserbaidschan, Malaysia und Thailand. Insgesamt sind es derzeit 56 Länder und die EU als Ganzes.
Dass die ECE-Regelungen für Deutschland gelten, steht sogar in der StVZO. Leider haben deren Vorschriftenschreiber es dem Leser nicht so einfach gemacht. Der Paragraph 19 spricht nur im unnachahmlichen Juristendeutsch von „Genehmigung nach Regelungen in der jeweiligen Fassung entsprechend dem Übereinkommen vom 20. März 1958“. Das sind die ECE-Vorschriften. Soviel auch als Tipp, falls mal ein Polizist fragt: „Wo steht das in der StVZO?“.

In der Kommission sitzen Vertreter der Regierungen der Mitgliedsländer und aus der Industrie. Sie lassen aber keine Teile zu, sondern legen nur die Regeln dafür fest. Für die Zulassung sind Behörden der Mitgliedsstaaten zuständig. In Deutschland ist es das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das ansonsten hauptsächlich für seine Verkehrssünderkartei bekannt ist.

Allerdings dürfen in Deutschland nicht nur Teile und ganze Autos verwendet werden, die das KBA genehmigt hat. Auch Zulassungen aus den anderen ECE-Ländern gelten. Zu erkennen ist eine solche am E-Zeichen, einem großen E mit einer kleinen Zahl in einem Kreis. Die Zahl zeigt, aus welchem Land die Genehmigung stammt. Eine 1 steht für Deutschland; gebräuchlich sind noch 2 (Frankreich), 3 (Italien) und 13 Luxemburg. Die 15 auf einem neueren Produkt gäbe Anlass zum Misstrauen. E15 war der DDR zugeteilt und wird seit 1990 nicht mehr ausgegeben.

Der Tüv und die anderen Prüforganisationen für die Hauptuntersuchung checken nur, ob die Teile eine Zulassung haben und ordnungsgemäß funktionieren. Vorschriften machen sie nicht.

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