Matt ist cool. Aber nicht überall. Fein aufgetragener, matter Autolack hat sicherlich das gewisse Etwas. Streuscheiben von Scheinwerfern wiederum sehen matt weder gut aus, noch machen sie eine gute Figur in der Lichtdurchlässigkeit. Es gibt viele tolle und weniger tolle Tipps im Netz, wie man alten, matten Gläsern begegnet. Am Ende des Tages gibt es nur ein wirkliches Rezept, und das ist noch nicht einmal sehr geheim. Wir müssen ab und an doch ziemlich schmunzeln.

Es wird Herbst. Die Dunkelheit kommt immer früher, und wir fahren immer häufiger mit eingeschaltetem Licht. Spätestens jetzt fällt auf, wenn Lampen ausgefallen, wenn Scheinwerfer nicht richtig eingestellt oder nicht ganz in Ordnung sind. Gerade bei älteren Autos ist das ein bisschen wie mit den Augen im Alter. Man gewöhnt sich an die schleichende Erblindung und nimmt das eingeschränkte Sichtfeld eben so hin. Hat man aber, um bei den Autos zu bleiben, in einem nagelneuen Fahrzeug eine Nachtfahrt hinter sich und hat man gesehen, wie taghell die Nacht vor einem auf der Straße sein kann, dann wird man doch ein bisschen nachdenklich. Und inspiziert einmal die „Brille“ am eigenen Auto.

Ein tolles Beispiel ist die alte E-Klasse, Modell W210, immer noch gut unterwegs. Bei den herkömmlichen Scheinwerfern sind die Streuscheiben aus Kunststoff und sehen nach vielen Jahren auf der Autobahn aus wie Omas jahrelang nicht gewaschene und im Nikotinrauch vergilbte Gardine. Da leuchtet nix mehr durch. Aber – hier kann man den Kunststoff vom Rest des Scheinwerfers mit Clips entfernen und für schmales Geld neu kaufen. Arbeitsaufwand: Keine halbe Stunde.

Anders verhält es sich mit den Xenon-Scheinwerfern der gleichen Baureihe, als Sonderwunsch ober beim Modell „Avantgarde“ Serie: Hier sind die Gläser nicht aus Kunststoff und entsprechend haltbarer – dafür aber mit dem Scheinwerfer verklebt.

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Warum ermatten die Gläser? Weil die Straße sie nach und nach perforiert, weil bei alten Autos die kleinen Wischerblätter auf ihnen herumkratzen oder bei neueren Autos auch gern einmal wir selbst, mit einem alten Lappen, ohne Wasser. Das macht kein Glas auf Dauer mit.
Die „Spezialisten“ im Netz raten zum Polieren und bieten gleich viele selbst getestete Mittelchen an. Das mag bei Lack funktionieren, Glas „poliert“ man eher noch viel matter als vorher. Zumal ein Eingriff in die Oberflächenstruktur der Glaser sogar verboten ist und unabsehbare Folgen haben kann.
Sind die Scheiben mit dem Scheinwerfer verklebt, raten „Profis“, diese im Backofen zu erhitzen und entsprechend zu zerlegen. Okay, hier steigt unser Verständnis komplett aus.

Ihr müsst jetzt ganz stark sein. Es ist keine wirklich praktikable Lösung bekannt, matte Gläser auf Scheinwerfern wieder zu retten. Die einzige wirkliche Alternative ist der Neukauf. Gut, wenn ihr eine alte E-Klasse habt. Schlecht, je neuer das Auto ist. Denn die kompletten, verklebten Scheinwerfer werden immer besser, immer komplexer und dementsprechend auch immer teurer. Aber spart nicht am falschen Ende und lasst die Finger vom Backofen. Platte Autoreifen werden heute nicht mehr geflickt, weil das lebensgefährlich ist. Und eine eingeschränkte Sicht im Dunkeln ist genau so gefährlich. Wenn ihr euch neue Gläser oder gleich neue Scheinwerfer kauft – stattet sie mit Glühlampen der neuen Generation von Osram aus. Keine halben Sachen. Und schon wird die Nacht zum Tag. Na ja, zumindest fast.

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